Jahrhunderthochwasser

Als Vorarlberg zum Katastrophengebiet wurde

Vorarlberg
22.08.2025 06:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Am Freitag jährt sich das Vorarlberger Jahrhunderthochwasser von 2005 zum 20. Mal. Die Erinnerung an die dramatischen Ereignisse ist bei vielen Menschen noch sehr präsent. Das kollektive Trauma wirkt bis heute auch politisch nach, der Hochwasserschutz genießt parteiübergreifend allerhöchste Priorität.

Es waren unglaubliche Niederschlagsmengen, die sich damals über Vorarlberg ergossen haben. Die Ursache für diesen Extremregen war eine seltene Überlagerung von Warm- und Kaltfronten, die sich vor allem über den Nordstaubereich der Schweiz, Vorarlberg, das angrenzende Allgäu und den westlichen Teil Tirols ausgebreitet hatten. Am Abend des 19. August setzte der Dauerregen ein, am Nachmittag des 22. August nahm die Intensität der Schauer noch einmal merklich zu.

In den erwähnten Gebieten wurden innerhalb von vier Tagen Niederschlagsmengen von bis zu 300 Millilitern gemessen. Zum Vergleich: Das langjährige Mittel für den Monat August liegt für ganz Vorarlberg bei gerade einmal 199 Millilitern.

Rund 400 Menschen mussten in höchster Not evakuiert werden, die Schäden beliefen sich auf 180 ...
Rund 400 Menschen mussten in höchster Not evakuiert werden, die Schäden beliefen sich auf 180 Millionen Euro.(Bild: Mathis Fotografie)
Die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser zogen sich über Wochen.
Die Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser zogen sich über Wochen.(Bild: Mathis Fotografie)

Seitentäler besonders stark betroffen
Die extremen Niederschläge führten insbesondere in den nördlichen und zentralen Teilen des Bundeslandes zu verheerenden Überschwemmungen bei Bächen und Flüssen. Die Steilheit der Einzugsgebiete und die mittransportierten Kiesmengen verstärkten die Gewalt der reißenden Fluten. Sämtliche Gewässer im zentralen Landesteil überschritten damals jene Werte, die ein 100-jährliches Hochwasser markierten.

Besonders stark betroffen war der Bregenzerwald, das Arlberggebiet, das Laternsertal, das Klostertal, das Gargellental, das Silbertal sowie der Walgau. Im Vergleich dazu wurden an der hinteren Ill und an den Bächen und Flüssen des Rheintals weitaus geringere Abflussmengen verzeichnet. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte auch der Alpenrhein ein Jahrhunderthochwasser geführt.

Schäden von rund 180 Millionen Euro
Doch auch ohne diesen potenziellen Super-GAU waren die Folgen katastrophal: Die durch das Hochwasser verursachten Schäden summierten sich auf rund 180 Millionen Euro, davon entfielen etwa 100 Millionen auf Haushalte, Firmen und Kommunen, rund 80 Millionen auf Infrastruktur wie Schutzbauten, Straßen und Bahnen. Der Großteil der Zerstörung konzentrierte sich auf die Talschaften des Landes, während das Rheintal vergleichsweise glimpflich davonkam.

Hauptbetroffene Gewässer waren die Bregenzerach von Au bis Lingenau, die Breitach, der Lech, der Suggadinbach, die Litz, die Alfenz und die Ill von Gaschurn bis Frastanz. Die am schlimmsten heimgesuchten Gemeinden des Landes, gemessen an den Schäden, waren Lech, Au, Mellau, Bezau, Reuthe, St. Gallenkirch, Silbertal, Nenzing, Frastanz und Göfis. Im Ortsteil Schildried von Göfis mussten aufgrund der enormen Schäden 17 Einfamilienhäuser abgesiedelt werden. Landesweit wurden am 22. August 400 Personen in Sicherheit gebracht. Zudem brach in Bezau, Mittelberg und Lech die komplette Trinkwasserversorgung zusammen, in Lech gab es nicht einmal Strom.

Als direkte Folge der Katastrophe wurden Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert.
Als direkte Folge der Katastrophe wurden Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert.(Bild: Land Vorarlberg)

Hochwasserschutz als politische Priorität
Leider kamen auch Menschen zu Schaden: In Reuthe löste in ein Wohnhaus eindringendes Wasser eine unglückselige Kettenreaktion aus, die zu einer Explosion führte. Sechs Menschen wurden dabei zum Teil schwer verletzt. 3300 Feuerwehrleute standen damals in Vorarlberg fast durchgehend im Einsatz, die darauffolgenden Aufräumarbeiten zogen sich über Wochen und Monate. Dem nicht genug, wurde als direkte politische Konsequenz aus den traumatischen Ereignissen der Hochwasserschutz massiv verstärkt. In den vergangenen 20 Jahren sind im Ländle fast 600 Millionen Euro in die Hochwassersicherheit investiert worden.

Das mit Abstand größte Projekt ist freilich noch in der Pipeline: Im Zuge des Megavorhabens Rhesi soll die Abflusskapazität des Rheins von heute 3100 Kubikmeter pro Sekunde auf zukünftig 4300 Kubikmeter ausgebaut werden. Der dafür notwendige neue Staatsvertrag mit der Schweiz wurde im Jahr 2024 unterzeichnet und trat per 1. Juli 2025 in Kraft. Die UVP-Einreichung des Projektes ist für Anfang 2026 vorgesehen. Die Gesamtkosten für Rhesi werden sich vermutlich auf rund 1,5 Milliarden Euro belaufen. Doch dieses Geld ist gut investiert: Das Schadenspotenzial bei Hochwasserereignissen beträgt allein im Rheintal bis zu 13 Milliarden Euro ...

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