01.08.2021 15:15 |

Zahlen steigen rapide

Israel verpasst älteren Bürgern nun dritte Impfung

In der Debatte um die Notwendigkeit von Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus prescht Israel vor: Als erstes Land weltweit ermöglicht es seit Sonntag allen Einwohnern ab 60 Jahren, sich ein drittes Mal impfen zu lassen, wenn ihre zweite Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt. Denn trotz einer intensiven Impfkampagne steigen die Corona-Zahlen im Land wieder rapide an, die Regierung will scharfe Beschränkungen um jeden Preis vermeiden. Fast 60 Prozent der 9,3 Millionen Einwohner sind vollständig gegen das Virus geimpft, aber rund eine Million verweigert weiterhin eine Immunisierung.

Die Auffrischungsimpfungen sind bisher weder in den USA noch in der EU zugelassen, und auch israelische Experten hatten gewarnt, dass die Nutzen und Risiken einer Drittimpfung noch nicht ausreichend erforscht seien. Die israelische Regierung hatte sich dennoch zum Alleingang entschlossen, nachdem Pfizer und Biontech auf Studien hingewiesen hatten, wonach eine dritte Dosis mit ihrem Impfstoff durchaus „eine neutralisierende Wirkung bei der Delta-Variante“ habe.

Auch Impfungen von fünf- bis elfjährigen Kindern
Die Drittimpfung soll vor allem ältere und besonders gefährdete Menschen vor schweren Krankheitsverläufen mit der Delta-Variante schützen. Mitte Juli hatte Israel deshalb bereits begonnen, dritte Dosen an Patienten zu verabreichen, deren Immunsystem geschwächt ist, etwa aufgrund von Organtransplantationen, Krebs oder Niereninsuffizienz. Nun können sich alle Über-60-Jährigen eine dritte Spritze geben lassen. Parallel dazu sind nun auch Impfungen von fünf- bis elfjährigen Kindern erlaubt, die ein erhöhtes Risiko haben, bei einer Infektion schwer zu erkranken oder zu sterben.

„Wirtschaft muss offen bleiben"
Darüber hinaus gilt wieder eine Maskenpflicht für Innenräume. Wer Sporthallen, Restaurants oder Hotels besuchen will, muss zudem wieder einen Impfpass vorlegen. Die Schritte seien notwendig, um die öffentliche Gesundheit zu schützen, ohne die Existenzgrundlage der Menschen zu gefährden, so Gesundheitsminister Nitzan Horowitz im israelischen Fernsehen. „Die Wirtschaft muss offen bleiben“, fügte er hinzu. „Ich möchte einen Lockdown um jeden Preis vermeiden.“ Alles bleibe geöffnet - „aber wir brauchen Masken und wir brauchen Impfstoffe“.

Fakten

Israel war eines der ersten Länder, die die Pandemie zwischenzeitlich mit einer schnellen Impfkampagne weitgehend unter Kontrolle gebracht hatten. Mit der Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante hat die Zahl der Infektionen aber wieder deutlich zugelegt. Am Samstag meldete das Gesundheitsministerium 2435 Neuinfektionen binnen 24 Stunden - ein neuer Höchststand seit März. 326 Infizierte mussten demnach ins Krankenhaus, so viele wie seit April nicht mehr.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).