17.07.2021 14:15 |

Oft keine Warnungen

Kritik nach Flut: Alarmsystem „versagte erheblich“

Nach dem verheerenden Unwetter-Drama in Deutschland, bei dem mehr als 130 Menschen in Flutwellen starben, werden Vorwürfe rund um das Alarmsystem im Land laut. Denn Vorwarnungen habe es oft nicht oder erst viel zu spät gegeben, obwohl bereits Tage zuvor das Europäische Hochwasserwarnsystem eine „extreme Flutwarnung“ herausgegeben habe. Hunderttausende wurden in der Nacht von den Wassermassen überrascht: Sie wurden in Kellern eingeschlossen, auf der Flucht von den Fluten mitgerissen oder gleich mit dem ganzen Haus weggespült. Eine Expertin spricht sogar von „erheblichem Versagen“.

Wie kann das sein in einem Land, das so stolz ist auf seinen Katastrophenschutz wie Deutschland?“, klagt die Zeitung „Bild“ an. Denn es habe sehr wohl Anzeichen und Warnungen von Meteorologen gegeben. Am 13. Juli warnte bereits das Europäische Hochwasserwarnsystem EFAS vor schlimmen Fluten in Westdeutschland.

Expertin kritisiert „erhebliches Versagen des Systems"
Auch die Hydrologin
Hannah Cloke von der britischen Uni Reading ortet ein erhebliches Versagen des Systems. Ich hätte erwartet, dass Menschen evakuiert werden - und nicht, dass im Jahr 2021 so viele Menschen in einer Flut sterben.“ Denn die Warnung der EFAS vor Fluten einer „extremen Kategorie“ habe klar ausgesagt, dass dies Lebensgefahr bedeute.

Das sei zwar nicht automatisch eine Vorschrift zur Evakuierung - die könnten nur die nationalen Behörden aussprechen, die Expertin kritisiert jedoch: „Normalerweise, wenn Lebensgefahr besteht und man weiß, wo dies der Fall sein wird, richtet man sich auf Evakuierung ein. So funktioniert Katastrophen-Risikomanagement.“ Auch Bilder danach hätten sie fassungslos gemacht: „Der Anblick von Menschen, die durch tiefe Fluten fahren oder waten, hat mich entsetzt, denn das ist so ziemlich das Gefährlichste, was man bei einer Flut tun kann.“

Doch es gab auch gute Beispiele: Eine Sprecherin der Stadt Wuppertal erklärte der „Bild“: „Wir haben die Sirenen ausgelöst, um die Menschen in der Nacht zu warnen, und sind parallel mit Lautsprecher-Wagen rumgefahren, um die Menschen zu warnen.“

Bundesweiter „Warntag“ war ein Fehlschlag
Bereits im Vorjahr beim bundesweiten „Warntag“ wurden gravierende Mängel im System offensichtlich. Nutzer von Warn-Apps wie NINA und Katwarn sollten im September Test-Alarmierungen erhalten und Sirenen heulen - doch es passierte nichts. Das Bundesamt für Katastrophenschutz musste einen „Fehlschlag“ aufgrund eines technischen Problems einräumen. Der oberste Katastrophenschützer musste daraufhin seinen Sessel räumen. Bundesinnenminister Horst Seehofer versprach als Nachfolger, die Behörde „neu aufzustellen“ - ein neuer „Warntag“ wurde allerdings auf nächstes Jahr verschoben.


Zweifel an Klimawandel-Theorie: „Das ist Wetter“

Dass der Klimawandel einzig und allein für die Katastrophe verantwortlich ist, wie viele Politiker vermuten, ist für Wetterexperten sei so nicht richtig, erklärte ein Experte des Deutschen Wetterdienstes. „Ein solches regionales Unwetter ist ein Einzelereignis, das ist Wetter. Die Behauptung, der Klimawandel ist schuld, ist so nicht haltbar“, so Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich zu „Bild“. Allerdings würden sich Unwetter mit extremen Niederschläfen häufen.

„Unsere Klimatologen nehmen einen Anstieg solcher Unwetterereignisse in den vergangenen 20 Jahren wahr - seitdem können wir dies deutschlandweit mithilfe eines Radarverbund-Systems exakt erfassen.“ Jedoch könne man erst nach 30 Jahren Beobachtungen der Wetter-Werte Schlussfolgerungen über das Klima treffen. „Da sind wir noch nicht“, so Friedrich.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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