16.07.2021 14:30 |

Flut in Deutschland

Erftstadt: Stadtteil droht in Erdloch zu versinken

Während die Zahl der Todesopfer im Hochwassergebiet in Deutschland weiterhin steigt, harren zahlreiche Menschen in oder auf ihren Häusern aus, um gerettet zu werden. In Erftstadt in Nordrhein-Westfalen entwickelt sich eine Kiesgrube zur tödlichen Gefahr. Die Grube wird wegen der Fluten immer größer. Einige unterspülte Häuser sind bereits eingestürzt, andere wiederum sind ins Sinkloch gestürzt. Laut einer Sprecherin der Bezirksregierung Köln gibt es auch hier bereits Tote.

Ein Bewohner von Erftstadt postete auf Twitter ein Bild von der aktuellen Situation und markierte sein Wohnhaus, das „bald wegbricht“ (siehe Tweet unten).

Teile von Autobahn in Fluss gestürzt 
U
nweit von Erftstadt-Blessem sind Teile der aus Sicherheitsgründen gesperrten Autobahn A1 in den Fluss Erft gestürzt. Das berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa, der Augenzeuge war. Seinen Angaben zufolge brachen schätzungsweise mehr als 40 Meter des Standstreifens in mehreren Stücken ab und fielen in den Fluss.

Ein Geograf meinte zur Situation in Erftstadt: „Die Sohle der Kiesgrube als neue Erosionsbasis bewirkt, dass Felder, Wege und Häuser rasant wegerodiert werden. Der Prozess wird technisch nicht gestoppt werden können und endet erst, wenn das Wasser der Erft deutlich sinkt.“

Eingeschlossene Menschen schreien um Hilfe
Laut einem Bericht von bild.de hört man aus den absturzgefährdeten Gebäuden um Hilfe schreiende Menschen. Viele von ihnen sind nach ihrer Flucht vor dem Hochwasser wieder zurückgekehrt, um sich ein Bild vom Schadensausmaß zu machen bzw. persönliche Gegenstände zu retten. Beschädigte Strom- und Gasleitungen stellen eine zusätzliche Gefahr für Opfer und Helfer dar.

Fünfmal mehr Tote als beim Jahrhunderthochwasser 2002
Das Verteidigungsministerium löste wegen der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands einen militärischen Katastrophenalarm aus. Es handelt sich um eine der größten Unwetterkatastrophen der Nachkriegszeit in Deutschland. Obwohl die Rettungsmaßnahmen noch voll im Gange sind, ist die Zahl der Toten bereits jetzt fünfmal höher als beim sogenannten Jahrhunderthochwasser des Jahres 2002, bei dem in Deutschland 21 Menschen starben.

Ebenfalls mit Hochwasser zu kämpfen haben Nachbarländer Deutschlands. In Österreich machte der Starkregen in Vorarlberg in der Nacht auf Freitag mehr als 50 Feuerwehr-Einsätze notwendig. Hauptsächlich galt es unter Wasser stehende Keller auszupumpen. Fast ausschließlich betroffen war der vordere Bregenzerwald, wo innerhalb von 24 Stunden 80 oder mehr Liter Regen pro Quadratmeter fielen. Verletzt wurde niemand. In der Schweiz stiegen Flusspegel nach starken Regenfällen stark an.

Österreichische Feuerwehrleute in Belgien
Auch in Belgien steigt die Zahl der Toten in Zusammenhang mit den schweren Unwettern weiter. Wie die Nachrichtenagentur Belga am Freitag unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz Lüttich berichtet, kamen mindestens 23 Menschen in Wallonien ums Leben. Bisher seien in der Provinz Lüttich nur sechs von 20 dort gefundenen Leichen identifiziert worden. Es gebe immer noch Menschen, die seit 36 Stunden ohne Essen und Trinken auf Dächern ausharrten. In Belgien stehen seit Freitag auch österreichische Kräfte im Einsatz.

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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