23.05.2021 05:55 |

Brennende Batterien

Müllbrände: Entsorger setzen auf Hightech-Kameras

Wiederaufladbare Batterien in Smartphones und anderen elektronischen Geräten zählen zu den häufigsten Ursachen für Müllbrände auf Deponien. Um große Brände und damit auch finanzielle sowie ökologische Schäden durch die Rauchentwicklung zu vermeiden, setzen Entsorgungsunternehmen daher nun auf intelligente Kameras.

Ein großer Haufen aus altem Plastik füllt die gesamte Rückwand eines Lagers des Entsorgungsunternehmens Attero im niederländischen Wijster. Auf dem Boden verstreut liegt gepresstes Verpackungsmaterial von Erfrischungsgetränken, Kaffee und Waschmittel. Fliegende Vögel picken sich Müll aus den Müllballen heraus. Ein starker Geruch von Gemüse-, Obst- und Gartenabfällen kommt aus einer anderen Lagerhalle. Wenn die Abfallklumpen sortiert und für das Recycling vorbereitet werden, steigt die Gefahr von Abfallbränden.

Bei Entsorgungs- und Recyclingunternehmen sind diese inzwischen üblich. Im vergangenen Monat wütete ein Matratzenfeuer in Renewi in Amsterdam und in Poeldijk, als ein Lastwagen in Brand geriet. Beim Entsorgungsunternehmen Omrin in Leeuwarden brannte vor zwei Wochen die gesamte Lagerhalle ab. Auch Attero blieb nicht verschont. Anfang 2019 brannte eine Lagerhalle für Kunststoffe von 5000 Quadratmetern komplett aus. „Die Kosten eines Großbrandes gehen in die Millionen“, so Firmensprecher Robert Corijn. Bei einem Jahresumsatz von mehr als 300 Millionen Euro für die gesamte Firmengruppe sei das „eine ganze Menge.“

Batterien für fast die Hälfte der Müllbrände verantwortlich
Abfallbrände können durch bakterielle oder chemische Reaktionen verursacht werden, die Temperaturen erzeugen, die wiederum zu Bränden führen können. „Wenn sich zum Beispiel nasse Matratzen im Abfall befinden, können sie sich entzünden“, sagt Corijn. Aber vor allem weggeworfene Lithium-Ionen-Batterien im normalen Hausmüll führen zu vielen Bränden. Dabei handelt es sich um wiederaufladbare Batterien, wie zum Beispiel in Mobiltelefonen und Akkubohrern. Untersuchungen der britischen Umweltberatung Eunomia zufolge werden in Großbritannien fast die Hälfte (48 Prozent) der Müllbrände durch Batterien verursacht.

Olger Kuipers, Bioabfallmanager bei Attero: „Ich kann zu Hause auf viele Dinge hinweisen, die mit solchen Batterien laufen und dann leider doch von einigen Menschen mit dem Restmüll entsorgt werden. Der Deckel des Abfalleimers wird zugemacht und damit ist das Problem aus dem Sinn.“

Ungewöhnliche Temperaturanstiege
Entsorgungsunternehmen investieren daher verstärkt in die Prävention solcher Brände. Die neueste Waffe gegen diese sind intelligente Kamerasysteme wie jenes des deutschen Unternehmens Kooi Security, das ungewöhnlich hohe Temperaturen auf der Oberfläche von Müllhaufen erkennt. Im Gegensatz zu früheren Systemem mit Infrarotkameras müsse dabei kein Mitarbeiter mehr regelmäßig vor Ort die Lage überprüfen: „Sobald es einen Bericht gibt, können wir sehen, was im Kontrollraum vor sich geht“, erklärt Richard Venema von Kooi. Die Software des Systems achte auf ungewöhnliche Temperaturanstiege. Kuipers: „Bei den alten Infrarotkameras gab es immer das Risiko eines Fehlalarms, was bei diesem System nicht der Fall ist.“

Darüber hinaus nähmen die beweglichen Kameras von Kooi eine größere Oberfläche wahr. „Wenn jetzt ein Alarm eingeht, wissen wir, dass wir schnell reagieren müssen.“ Im Brandfall sei die Zeit entscheidend, sagt Kuipers. Bei einer Hitzeentwicklung unter den „richtigen“ Bedingungen, zum Beispiel bei Kunststoff, könne es einige Minuten dauern, bis alles in Flammen aufgehe.

Teure Versicherung
Laut Attero-Sprecher Corijn könnten sich einige Entsorgungs- und Recyclingunternehmen in den Niederlanden aufgrund der hohen Brandgefahr nicht einmal mehr versichern. Ein System wie das von Kooi helfe bei der Bewertung durch ein Versicherungsunternehmen, das die Vorsichtsmaßnahmen eines Entsorgungs- und Recyclingunternehmens untersucht. Und noch einen Vorteil hat das System laut Kuipers: „Basierend auf den Daten, die dieses System erfasst, können wir überhaupt mehr über die Entstehung von Bränden erfahren.“

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