20.02.2021 21:10 |

„Krone“-Interview

Anschober zur Corona-Lage: „Einfacher ab Ostern“

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) über ein Jahr Pandemie, Hoffnungen, Verzicht und „entscheidende nächste Wochen“.

„Krone“: Herr Minister, wann hatten Sie das letzte Mal frei?
Rudolf Anschober: So richtig frei gab es in dem Jahr nie. Aber die Pandemie macht ja auch keinen Urlaub.

Wie viel schlafen Sie?
Wenig, vier Stunden. Aber es ist ja eine Sondersituation für alle. Wir erleben ja gerade einen gemeinsamen Verzicht. Wir freuen uns alle schon drauf, wenn es anders wird. Freunde treffen, im Gastgarten zu sitzen, das ist doch unser aller Sehnsucht.

Eine schöne Vorstellung. Wann ist es so weit?
Das ist jetzt eine überschaubare Risiko-Phase bis Ostern, die noch sehr schwierig ist. Dann wird es wärmer, mit der Impfung sollten wir da auch schon weit sein. Dann sollte alles schrittweise etwas einfacher werden. Wir arbeiten daran, ob es weitere Lockerungen ab Ostern geben kann.

Also wieder „die entscheidenden nächsten Wochen“. Meinen Sie das noch ernst?
(Lacht) Ja! Die Pandemie sorgt ja für Überraschungen. Wer hätte im Dezember gedacht, dass wir jetzt von Mutationen dominiert werden. Was das Infektionsniveau betrifft, sagen Experten: So wie wir in den Frühling reinkommen, wird das ganze Jahr prägen. Die Zeit bis Ostern ist also weichenstellend.

Erinnern Sie sich, wo Sie am 25. Februar 2020 waren?
Das vergesse ich nie. Ich war in Rom bei einer Konferenz zum Thema, was man tun kann, damit sich die Pandemie in Europa nicht ausbreitet. Und da kam der Anruf, dass es die ersten zwei Fälle bei uns gibt. Das war zwar nur eine Frage der Zeit, und so unrealistisch es ist: Man hofft ja, dass das Virus nicht bei uns landet.

Da waren die Zahlen zart.
Damals dachten wir noch, schwierig, wie die Fälle steigen, da hatten wir 200, 300 Fälle bei 2000, 3000 Testungen pro Tag. Dann kam die viel gewaltigere zweite Welle im Herbst: Wir waren bei 709 Intensiv-Patienten, wussten aber, bei 750/800 ist Schluss. Doch wir konnten Triagen vermeiden. Da bin ich dem Spitalspersonal sehr dankbar und der Bevölkerung, deren Handeln ja entscheidet.

Sie wurden im Jänner 2020 Gesundheitsminister, am 16. März mussten Sie das Land zusperren. Wie war das?
Es war eine schwierige Situation, es gab ja keine Erfahrungen. Das Epidemie-Gesetz ist aus 1913, eine Modernisierung war zuvor nie nötig. Die Entscheidung war nicht leicht, wir trafen sie im Team, und sie war zu dem Zeitpunkt auch richtig.

Wann gibt es denn nun die Impfung für alle?
Kanzlerin Merkel will bis 21. September ein Impfangebot für alle Deutschen. Ich bin optimistischer, ich sag, im Lauf des Sommers.

Konkreter geht es nicht?
Wenn bei den Lieferungen alles halbwegs hält wie vereinbart, sollte die erste Generation der Impfungen im Sommer abgeschlossen sein.

Es gibt Leute, die sich den Impfstoff aussuchen wollen.
Keiner kann es sich aussuchen. Es ändern sich die öffentlichen Bewertungen ja fast monatlich. Vor Weihnachten saß ich mit Ärzten zusammen, da hieß es, es bestehe eine Ablehnung gegen BioNTech, weil der noch nicht so erprobt ist. Und jetzt will man AstraZeneca nicht, aber Biontech. Die Sicherheit, die wir haben, ist die: Was von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen ist, ist ein ausgezeichneter Impfstoff. Darauf sollten wir vertrauen.

Sie würden sich also mit jedem impfen lassen?
Ja. Je früher, desto besser.

Worauf freuen Sie sich schon besonders?
Einmal wirklich ausschlafen, Freunde umarmen - und ja, auf das erste Glas Bier im Gastgarten ...

Silvia Schober
Silvia Schober
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