Europa League

Red Bull verliert bei ManCity mit 0:3 – und ist raus

Fußball
02.12.2010 11:51
Red Bull Salzburg wird im Frühjahr 2011 nicht mehr im Europacup vertreten sein. Durch eine 0:3-Niederlage bei Manchester City am Mittwoch vergab der österreichische Meister die letzte Chance auf den Aufstieg in die K.-o.-Phase der Europa League. Im fünften Match der Gruppe A kassierten die völlig chancenlosen Salzburger vor 38.000 Zuschauern Tore durch Balotelli (18., 65.) und Johnson (78.).

Mit lediglich zwei Zählern ziert die Truppe von Trainer Stevens weiter das Tabellenende. Salzburg verabschiedet sich am 16. Dezember mit dem Heimmatch gegen Lech Posen endgültig aus dem Bewerb. Am Donnerstag kämpft Rapid in Gruppe L daheim gegen den FC Porto um die letzte Aufstiegschance (19 Uhr).

Bei einem Blick auf die Aufstellungen wurde deutlich, dass die Partie der Europa League bei beiden Clubs nicht die allerhöchste Priorität genoss. Bei Manchester stand Starstürmer Tevez nicht einmal im Kader von Chefcoach Mancini, namhafte Stammspieler wie Tormann Hart oder Barry, De Jong und David Silva nahmen auf der Ersatzbank Platz. Die Startelf mit Spielern wie Vieira, Kolo Toure, Milner oder Balotelli konnte sich dennoch sehen lassen.

Salzburg in Gedanken schon wieder in der heimischen Liga?
Auch Salzburg hatte wohl bereits den Liga-Schlager am Samstag gegen die Austria im Hinterkopf. Trainer Stevens musste auf sechs verletzte Akteure verzichten, gönnte sich aber zudem den Luxus, das Trio Wallner, Zarate und Svento zu schonen. Seine elf Auserwählten standen im englischen Schneetreiben von Anpfiff weg unter Dauerdruck, Manchester schnürte den ÖFB-Champion in dessen Strafraum ein.

Für die Führung sorgte Balotelli, der nach zwei Fehlversuchen (6., 15.) in der 18. Minute auf 1:0 stellte. Nach Flanke von der linken Seite durch Zabaleta war der - oft aufreizend lässig agierende - Italiener schneller als Hinteregger am Ball und versenkte diesen volley aus sieben Metern. Bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt war der knappe Pausenrückstand für die Salzburger schmeichelhaft.

Erste gefährliche Bullen-Aktion erst in der 51. Minute
Die erste gefährliche Aktion Salzburgs ließ bis zur 51. Minute auf sich warten, ein Flachschuss von Hierländer verfehlte aber das rechte Eck. Hierländer sorgte später auch für die einzige ernsthafte Prüfung für City-Goalie Given (70.). Ansonsten waren aber auch nach der Pause die "Citizens" am Drücker. Das überfällige 2:0 gelang Balotelli, der einen missglückten Schussversuch von Vieira vollendete (65.). Balotelli traf zudem noch zweimal das Außennetz (56., 66.).

Der überragende Johnson erzielte das sehenswerte 3:0. Johnson kurvte durch die gesamte Salzburger Abwehr, tanzte vier "Bullen" aus und zirkelte den Ball ins rechte Eck (78.). Zuvor hatte er während des Spiels in der Kabine eine mehr als dreiminütige Pinkelpause eingelegt - ein weiteres Zeichen, wie ernst man den österreichischen Fußball auf der Insel nimmt. Schon in der voraussichtlichen Aufstellung vor dem Spiel hatte die "Daily Mail" Stürmer Roman Wallner bei den Salzburgern ins Tor gestellt.

Weniger Prestige als Premier League
Manchester City nimmt die Fußball-Europa-League nicht für voll. "Ich bin froh. Jetzt können wir uns auf die Premier League konzentrieren", erklärte City-Trainer Roberto Mancini nach dem Einzug in die K.o.-Phase. Die heimische Meisterschaft birgt für die "Citizens" deutlich mehr Prestige als die europäische Zweitklassigkeit.

Sollte sich die Chance auf eine internationale Trophäe ergeben, würde sie Mancini aber sicher nicht verstreichen lassen. Das Spielermaterial hat er zur Verfügung, selbst wenn er seinen Topstars im Europacup eine Pause gönnt. "Das ist das bestbezahlte B-Team der Geschichte", schrieb die Zeitung "Daily Mail" über Emmanuel Adebayor, Shaun Wright-Phillips und Co. "Die Europa League ist zu einem Schaufenster für die vergessenen City-Stars geworden." 

Die Fans der "Citizens" waren gut aufgelegt. Das bekam bei seiner Einwechslung vor allem Salzburgs Brasilianer Alan zu spüren, auf den die Fans im Scherz einige Songs anstimmten. "Alan for England" und "Alan give us a wave", waren da zu hören. Die reichen Eigentümer von City mögen mittlerweile aus Abu Dhabi sein, aber der Humor seiner Fans ist immer noch sehr britisch.

Stimmen zum Spiel
Huub Stevens (Salzburg-Trainer): "Man hat heute den großen Qualitätsunterschied gesehen. Wir hatten zu viele junge Spieler auf dem Feld, denen kann man aber gegen so einen Gegner keinen Vorwurf machen. Wir müssen aus solchen Spielen einfach viel lernen. Dazu hoffe ich, dass die Verletzungen von Cziommer und Svento nicht zu schwer sind."

Jerome Boateng (Manchester City): "Das war ein recht gutes Spiel von uns. Vor der Pause hätten wir noch schneller spielen und mehr Tore machen müssen. Das ist uns nach der Pause besser gelungen."

Roberto Mancini (Manchester-Trainer): "Ich bin sehr froh, dass wir aufgestiegen sind. Jetzt können wir uns auf die Premier League konzentrieren. Jedes Spiel ist schwierig, wir sind aber sehr gut gestartet. Ich war nur ein wenig enttäuscht, dass wir zu Beginn nicht ein, zwei Tore mehr erzielt haben. Insgesamt war es ein gutes Spiel von uns. Balotelli kann noch viel besser spielen, als er das heute getan hat."

Englische Pressestimmen
"Manchester Evening News": "Super Mario Balotelli hat ein wenig mediterranen Sonnenschein in die Minusgrade von Manchester gebracht. Der talentierte italienische Stürmer traf im Doppelpack, als sich die 'Blues' locker gegen Salzburg durchsetzten. Die Salzburger haben die wenigsten Tore in der Europa League geschossen, das zeigte sich. Ihren Angriffen fehlte jede Überzeugung."

"The Guardian": "Balotelli-Doppelpack bringt Mancini zum Lächeln. Der Trainer experimentierte mit Balotelli und Jo ganz vorne, und das neu formierte Team zeigte seine Überlegenheit gegen den aktuellen Tabellendritten der österreichischen Bundesliga. Salzburg fehlten Fantasie und Abenteuer. Es war praktisch den gesamten Abend nichts da, das Torhüter Shay Given in Probleme brachte."

"Daily Mail“: "Schnee und Minusgrade, die dem österreichischen Team vertraut sein müssten, begrüßten die Salzburger. Aber sie wirkten unvorbereitet auf den Ansturm des Teams von Roberto Mancini, dem sie gegenüberstanden. Es hat sie wieder überrollt - das bestbezahlte B-Team der Geschichte. Die Europa League ist zu einem Schaufenster für die vergessenen Stars von Manchester City geworden."

"Daily Star": "Super Mario streut Salz in die Wunden. Balotelli sorgte mit je einem Tor in jeder Hälfte für die Hitze in einer bitterkalten Nacht. Die österreichische Mannschaft schaute nie danach aus, ein Tor schießen zu können. Shay Given war in Gefahr, Frostbeulen zu bekommen."

"The Sun": "Telli Vision. An einem bitterkalten, verschneiten Abend trotzten 37.552 Zuschauer den Elementen. City's Initiative mit fünf Pfund Eintritt für Erwachsene und einem Pfund für Kinder hatte sich bezahlt gemacht. Sie alle sahen eine Legende, die im Entstehen ist."

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