Montag, der 15. November, war ein großer Tag für Graz und auch für die Steiermark. Dort, wo Weltpolitik gemacht wird, empfing UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Delegation aus Österreich, unter anderem mit dem Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl und Außenminister Michael Spindelegger. Ban Ki Moon nahm sich 45 Minuten statt der vereinbarten 15 Minuten Zeit und eröffnete eine der eindrucksvollsten Ausstellungen - darin waren sich amerikanische und internationale Gäste einig -, die je in der UNO gezeigt wurde.
124 Menschen aus 124 Nationen
Eine Ausstellung, die in Graz ersonnen und umgesetzt wurde. "Face Human Rights" nennt sich das Werk von Oskar Stocker. 250 Tage lang, mit nur zwei Tagen Unterbrechung, portraitierte er 124 Menschen aus 124 Nationen, die in Graz leben: "Ich wollte die Fiktion einer besseren Welt erschaffen, zeigen, wie ein Zusammenleben möglich wäre."
Neben Ban Ki Moon nahm sich etwa auch der Präsident der UNO-Generalversammlung, Joseph Deiss, viel Zeit bei der Eröffnung. Der aus Graz stammende Starpianist Markus Schirmer gab den musikalisch Feinschliff, weil er von der Idee, die hinter den Ölbildern steckt, zutiefst überzeugt ist.
Die Geschichten dahinter…
Hinter all den Portraits verbergen sich Geschichten - traurige, bestürzende, aber auch schöne Geschichten, mit einem Happy End. Wie jene eines 17-Jährigen aus Kamerun, der seine Familie verloren hat. Er kam nach Graz und begann in der GAK-Jugend zu kicken. Ein Teamkamerad lud ihn zu seiner Familie nach Hause ein, und mittlerweile wurde der junge Mann von dieser Familie adoptiert.
Bei allen Schwierigkeiten und der oft berechtigten Kritik an Ausländern, die integrationsunwillig sind, die unser Sozialsystem ausnützen - es gibt auch die andere Seite, Menschen, die alles verloren haben, die unsere Hilfe brauchen und uns die Hand reichen.
Auf dem Weg zum Oscar?
Die Geschichten hinter den Portraits erzählt Filmemacher Rudi Dolezal. Die Langfassung des Films wird im ORF gezeigt, eine kürzere Version soll auf internationalen Bewerben reüssieren - auch vor der strengen Oscar-Jury. Auf dem New Yorker Times-Square läuft nun ein Spot auf einer riesigen Leinwand. Hier machen sonst nur Großkonzerne wie Coca Cola oder Sony Werbung - für enorme Summen. "Face Human Rights" darf gratis hin.
Eine Idee begeistert
Die Idee zu den Portraits kam vom Intendanten des ORF-Steiermark, Gerhard Draxler. Die Republik Österreich bewirbt sich um einen Sitz im UNO-Menschenrechtsrat - das Projekt aus Graz soll dafür ein wichtiger Mosaikstein sein. Außenminister Spindelegger: "Ich danke Draxler und Stocker für diese Ausstellung. Diese Portraits erzählen Geschichten, sie erzählen davon, was es heißt, Mensch zu sein. Und sie erinnern uns daran, dass wir die Einhaltung der Menschenrechte in der Welt nicht als Selbstverständlichkeit ansehen dürfen!"
von Gerald Richter ("Steirerkrone") aus New York
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