24.11.2020 17:18 |

Italien-Vorschlag

Skiverbot: Österreich will Schadenersatz von EU

Wenig Freude erweckt der Vorstoß aus Rom, zu Weihnachten das Skifahren zu verbieten, in Österreich. Finanzminister Gernot Blümel und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) forderten umgehend Geld aus Brüssel, sollte es zu einem Skiverbot zu Weihnachten kommen. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer sieht keine Hindernisse für weihnachtliches Skifahren in Österreich. Zurückhaltend ist das grün-geführte Gesundheitsministerium, aus den Bundesländern kommt Ablehnung.

„Ich kann dem italienischen Vorstoß nichts abgewinnen“, sagte Köstinger. „Winterurlaub in Österreich wird sicher sein. Unsere Betriebe haben bereits umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub, Après-Ski wird es beispielsweise heuer nicht geben“, versicherte sie. Tourismus und Gastronomie seien nicht für die hohen Infektionszahlen verantwortlich, nahm sie ihre Branchen in Schutz. Sollte die EU an Einschränkungen denken, dann müsse sie für Schadenersatz für die Betroffenen Betriebe sorgen. Tourismus- und Freizeitwirtschaft sicherten direkt und indirekt rund 700.000 Menschen Arbeit und Einkommen.

Auch Finanzminister Blümel meint, Voraussetzung für eine Debatte über die Schließung von Skigebieten wäre, dass die EU die Kosten dafür übernimmt. „Wenn die EU tatsächlich vorgibt, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann bedeutet das Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro. Wenn die EU das wirklich will, dann muss sie dafür auch bezahlen.“ Blümel schlägt dafür entweder Direkt-Überweisungen an den Bund, die dann an die betroffenen Unternehmen verteilt würden, oder eine Reduktion der österreichischen EU-Zahlungen um diesen Betrag vor.

Gesundheitsministerium abwartend
Abwartend äußerte sich das Gesundheitsministerium. „Unsere gemeinsames Ziel ist es, in den kommenden Tagen und Wochen die Infektionszahlen und damit die Anzahl der Hospitalisierungen sowie die Auslastung der Intensivbetten drastisch zu senken. Gelingt uns das, folgt die schrittweise Öffnung, die durch umfassende Schutzmaßnahmen begleitet sein wird. Welche Öffnungsschritte wann gesetzt werden können, ist abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen. Im Zentrum steht der Gesundheitsschutz“, hieß es auf Anfrage.

WKÖ-Präsident Mahrer verwies in der „ZiB 2“ am Montagabend darauf, dass zwar alles getan werden müsse, um keine dritte Welle der Corona-Pandemie zuzulassen, aber zugleich sei der Wintertourismus eine „ganz besondere Einkommensquelle der Betriebe und damit auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Österreich habe „im Sommer gezeigt, dass der österreichische Tourismus das perfekt kann mit den richtigen Präventionskonzepten“. Nur wenn Virologen sagen würden, dass es nicht geht, „dann wird man sich zusammensetzen müssen und sagen müssen, ab wann kann denn das vernünftig gehen“. Da gehe es vor allem um Planungssicherheit.

Landeshauptleute wollen aufsperren
Von einigen Landeshauptleuten hatte es schon am Montag Ablehnung bezüglich des italienischen Vorschlags gegeben. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) will grundsätzlich den Skibetrieb wieder aufsperren, er warnte aber bereits am Montag vor zu hohen Erwartungen und sprach sich für ein „behutsames Aufsperren“ aus. 

Von der Vorarlberger Landesregierung gibt es vorerst keine öffentliche Festlegung für oder gegen ein europaweites Verbot für Skiurlaub zu Weihnachten. „Mögliche Öffnungsschritte nach dem Lockdown sind derzeit Gegenstand der Gespräche zwischen Bund und Ländern“, hieß es am Dienstag auf entsprechende APA-Anfrage. Klar sei, dass der Fokus derzeit auf dem Senken der Infektionszahlen liegen müsse.

Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) - er ist das für den Tourismus zuständige Regierungsmitglied - kündigte bereits am Montag an, die Skigebiete ein paar Tage vor Weihnachten öffnen zu wollen. „Einem generellen Verbot zur Öffnung kann ich absolut nichts abgewinnen.“ 

Kärnten beriet sich mit italienischen Nachbarn
Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) beriet sich bei einer Videokonferenz der Euregio Senza Confini mit Vertretern der italienischen Regionen Friaul-Julisch Venetien und Veneto. Dabei sei man übereingekommen, dass sowohl Kärnten als auch die Vertreter beider italischer Regionen die Skigebiete am 18. Dezember öffnen wollen, berichtete der Landespressedienst Kärnten in einer Aussendung.

„Wir haben alle eine kritische Position gegenüber dieser Forderung eines europäischen Skiverbots und ich begrüße diesen Vorstoß des italienischen Premiers nicht“, sagte Kaiser. „Bewegung in freier Natur muss möglich sein. Wir wollen den Wintertourismus ermöglichen - natürlich mit den notwendigen Hygienemaßnahmen und entsprechend strengen Sicherheitskonzepten.“

Kritik auch in Italien selbst
Harsche Kritik an dem Vorschlag hatte es auch in Italien selbst gegeben - von den Skiregionen und vom Hoteliersverband. „So schenken wir unseren Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz und Frankreich Touristen, während wir geschlossen bleiben müssen“, protestierte der Präsident des Hotelierverbands Federalberghi, Bernabo Bocca, laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

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