23.10.2020 08:45 |

Wohnbedürfnisse

Coronavirus: Leben am Land wird beliebter

Das Coronavirus verändert nicht nur unsere Arbeitswelt und die sozialen Kontakte, auch die Wohnbedürfnisse sind im Wandel. Dies geht aus einer aktuellen Studie im Auftrag der österreichischen Bausparkassen hervor. Laut Wüstenrot-Chefin Susanne Riess gibt es eine hohe Nachfrage nach Wohnraumfinanzierungen „im Grünen“. Dieser Trend „wird sich auch weiter fortsetzen“, lautet die Prognose.

Wohnen sei für die Österreicher immer sehr wichtig gewesen. Aber die Corona-Zeit habe noch einmal den Fokus und das Augenmerk darauf gelegt, „wie wichtig das eigene Lebensumfeld ist“. Das werde zunehmen, auch jetzt im Winter, wo man wieder mehr zu Hause sein wird, erwartet Riess, die derzeit auch Vorsitzende im Bausparkassenverband ist. Die Bedürfnisse veränderten sich. Mit vermehrtem Einsatz von Home-Office etwa möchte man auch einen adäquaten Arbeitsplatz haben und nicht, „dass man den Laptop aufs Bügelbrett stellen muss“.

Wichtig sei, dass man auch von politischer Seite auf diese Bedürfnisse eingeht. Das könne einerseits Konjunkturmotor sein, andererseits müsse man auch für eine Arbeitswelt der Zukunft vorsorgen - Home-Office werde auch nach Corona eine wichtige Rolle spielen. Man müsse aber schauen, dass man sich auch im öffentlich geförderten Wohnbau dezidierter darauf ausrichtet, „welche Wohnungen bauen wir eigentlich, wie schaut das Wohnen der Zukunft aus“. Auch Klimaschutz und Green Finance etwa im Bereich der Wohnbauförderung müssten eine größere Rolle spielen.

Am liebsten würden die Befragten am Land, in Stadtnähe (38 Prozent), und zwar im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung (65 Prozent), wohnen. Am Stadtrand und am Land weg von größeren Städten kamen auf je rund ein Viertel. Der Stadtrand wird nun im Vergleich zu den Ergebnissen der Bausparkassen-Studie von Februar etwas weniger attraktiv eingeschätzt (27 nach 32 Prozent), das Leben am Land hat an Beliebtheit zugelegt (24 nach 17 Prozent). Zentral in der Stadt wollen weiterhin nur zwölf Prozent wohnen, vor allem die 16- bis 29-Jährigen (rund ein Fünftel). Sieben Prozent gaben an, dass sich ihre bevorzugte Wohnlage wegen Corona verändert hat.

Ein Viertel der Befragten will Eigentum erwerben
Ein Viertel der Befragten hat vor, in den nächsten Jahren Wohneigentum zu erwerben - 15 Prozent wollen ein Haus bauen oder kaufen. Ein Haus steht vor allem bei den in Wien Befragten hoch im Kurs. Der Hauptgrund, warum man nicht kaufen will, ist, dass man bereits Eigentümer ist (rund 50 Prozent). An zweiter Stelle lagen die Kosten. Ihr Haus oder ihre Wohnung sanieren will rund ein Drittel der Befragten.

Man sollte die Menschen ermutigen, Eigentum zu erwerben, und sich überlegen, wie man junge Menschen dabei unterstützen könne, so Riess. Kredite seien wegen der niedrigen Zinsen derzeit sehr günstig, zudem könnte man Klima- und Energieeffizienz fördern. Während jüngere Menschen leicht zu Krediten gelangen könnten, sei dies für Senioren gar nicht so leicht. Dabei hätten Ältere sehr wohl oft genug Interesse an Sanierungen. Laut Riess müsste man hier überlegen, ob diesbezügliche gesetzliche Beschränkungen noch zeitgemäß sind. Bausparkassen gewähren auch älteren Menschen Kredite, abhängig natürlich von Einkommen und hypothekarischen Sicherheiten. Das Darlehen muss aber bis zum 80. Lebensjahr abbezahlt sein.

Wohnsituation: Österreicher weniger zufrieden als vor Lockdown
Die Umfrage hat auch ergeben, dass die Österreicher mit ihrer Wohnsituation relativ zufrieden sind, allerdings weniger als vor dem Lockdown: Gaben im Februar noch 55 Prozent an, mit ihrer Wohnsituation sehr zufrieden zu sein, waren es im August 50 Prozent. 39 Prozent sind aktuell „eher zufrieden“, nach 36 Prozent. Zehn (nach acht) Prozent gaben an, „eher weniger zufrieden“ zu sein, „überhaupt nicht zufrieden“ war unverändert ein Prozent. Sechs von zehn Befragten gaben an, mit ihrer Wohnsituation genauso zufrieden zu sein wie davor. Drei von zehn waren zufriedener, vor allem Personen, die in einem Haus wohnen.

Das Meinungsforschungsinstitut Integral hat für die aktuelle Wohnstudie der Bausparkassen im Zeitraum Ende Juli bis Mitte August 1000 Personen befragt.

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