Nach Sölden-Pleite

Österreich ist nur noch die Ski-Nation Nummer 6

Wintersport
19.10.2020 14:32

Neue Saison, neues Glück? Nicht unbedingt bei unseren Ski-Stars! Platz 15 bei den Damen durch Katharina Truppe und Platz 17 bei den Herren durch Stefan Brennsteiner waren die besten ÖSV-Ergebnisse in Sölden. Noch viel schlimmer: Österreich liegt damit im Nationencup nur noch auf Platz 6 - und das mit mageren 76 Punkten. Spitzenreiter Schweiz hält nach den ersten zwei Rennen bei 340 und selbst die Slowenen mit 86 als Fünfter rangieren vor dem ÖSV.

Die Bilanz des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) als organisatorischer Wächter über den Weltcup-Auftakt in Sölden ist positiv, doch sportlich herrscht nach zwei unerwartet deftigen Niederlagen Katerstimmung. Der Riesentorlauf ist eine Mega-Baustelle, das ist aber nicht erst seit Sonntag klar. Auch das neue Trainerteam um Michael Pircher könne „kein Wunder vollbringen“, stellte Herren-Chef Andreas Puelacher fest. So bleiben nur die Schlagwörter Hoffnung und harte Arbeit.

Andreas Puelacher (Bild: GEPA)
Andreas Puelacher

„Wir sind im Riesen nicht dabei“
Stefan Brennsteiner als bester ÖSV-Läufer 17., bei den Damen schauten am Samstag die Plätze 15, 17 und 19 durch Katharina Truppe, Stephanie Brunner und Ramona Siebenhofer heraus. Das Sölden-Wochenende war ein Griff ins Leere, der besonders schmerzt. „Man muss den Tatsachen ins Auge schauen. Wir sind im Riesen zurzeit nicht dabei, die Konkurrenz ist einfach besser als wir“, brachte es Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher auf den Punkt.

„Wir werden uns mit kleinen Teilerfolgen begnügen müssen“, umriss wiederum Gruppentrainer Pircher die Situation, die in den nächsten Monaten wartet. Wer das Festhalten der Verantwortlichen an der Zwischenzeit von Roland Leitinger hörte, der im ersten Durchgang vor seinem Ausfall vor dem späteren Zweiten Marco Odermatt lag, erkannte, wie klein die zu backenden Brötchen im Riesentorlauf derzeit sind.

(Bild: GEPA, krone.at-Grafik)

„Leitinger war schnell am Weg, Brennsteiner wollte natürlich heute Punkte machen, ist aber relativ gut gefahren“, ließ ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel Milde walten. „Ich bin sicher, dass sie schnell fahren können, das haben sie ganz oben gezeigt. Sie haben es halt nicht heruntergebracht. Aber ich bin sicher, dass sie es können.“ Eine zarte Hoffnung ist Manuel Feller, der in Sölden wegen seiner Rückenprobleme, die während des Lockdowns wieder verstärkt aufgetreten waren, gefehlt hat. Gleiches gilt für Marco Schwarz, für den der Saisonstart nach einem komplett verhauten Lauf (39.) zur Halbzeit gegessen war.

Hirscher hat viel zugedeckt
Grundsätzlich ist klar, dass Marcel Hirscher viel zugedeckt und die mediale Aufmerksamkeit von den Schattenseiten seiner Erfolge weggelenkt haben. Von 2010 bis 2019, als der Superman aus Salzburg im Weltcup etabliert war, gab es rein auf Weltcup-Ebene nur einen weiteren ÖSV-Sieg (Philipp Schörghofer 2011 in Hinterstoder) und gut ein Dutzend weitere Podestplätze.

ÖSV-Sportdirektor Toni Giger (Bild: GEPA)
ÖSV-Sportdirektor Toni Giger

Der seit dem Abschied von Hans Pum als Sportchef amtierende Anton Giger hat das Problem erkannt und ein neues Trainerteam installiert, mit dem früheren Hirscher-Coach Pircher und Hirscher-Papa Ferdinand als erhoffte Garanten für Erfolg. Die werden jedoch Zeit brauchen, da ihr Ansatz grundlegend eingreift, nämlich bei der Schwungtechnik ansetzt.

Dass das Spezialistentum im alpinen Skisport immer mehr fortschreitet, ist ein Faktum. Gesamtweltcup-Sieger Aleksander Aamodt Kilde und Alexis Pinturault haben es aber hinbekommen, in drei Disziplinen Topresultate abzuliefern. Dem Schweizer Odermatt und Kildes Landsmann Lucas Braathen ist das in Zukunft auch zuzutrauen. Und bei Braathen taucht unweigerlich sofort die Frage auf, wie es die vergleichsweise bescheidene Alpin-Sektion des norwegischen Skiverbandes im Gegensatz zur ÖSV-Maschinerie schafft, gefühlt alle fünf Jahre ein Megatalent aus dem Boden zu stampfen.

Lucas Braathen gewann 2020 sensationell den Auftakt am Gletscher in Sölden. (Bild: GEPA)
Lucas Braathen gewann 2020 sensationell den Auftakt am Gletscher in Sölden.

Interne Konkurrenz fehlt
Diskussionsansätze gibt es viele. Hinter vorgehaltener Hand raunen frühere ÖSV-Läufer, dass den Österreichern die interne Konkurrenz abgehe. Zu den Zeiten von Hermann Maier, Stephan Eberharter und Co. habe man im Training schon gewusst, wo man im internationalen Vergleich stehe, da die Leistungsdichte im Kader so hoch gewesen sei. „Dadurch bist du viel eher das Rennfahren gewohnt, dann schreckt es dich auch nicht“, sagte ein Ex-Aktiver. Heute seien die Athleten dann in den Rennen überrascht, weil sie im Training in Kleingruppen nicht voll gefordert würden.

Dem müsste man aber entgegenhalten, dass sehr wohl Zeitläufe gegen Sportler aus anderen Mannschaften gefahren werden. „Die Trainingsleistungen waren im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz eigentlich okay. Darum haben wir uns auch mehr erwartet“, verwies Puelacher in Sölden etwa darauf, dass man etwa mit den Norwegern und dem Slowenen Zan Kranjec geübt habe. Zudem verstärken auch immer wieder Läufer aus der Technikgruppe von Marko Pfeifer - wie Schwarz und Feller - oder die Speed-Akteure Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr die RTL-Kerntruppe.

Stefan Brennsteiner (Bild: APA/AFP/Joe Klamar)
Stefan Brennsteiner

Unmittelbar bleibt für die rot-weiß-roten Riesentorlauf-Aspiranten nur die Gewissheit, dass der Weg noch ein langer ist. „Ich werde trotzdem hart an mir weiter arbeiten“, versprach Brennsteiner. „Wenn man jedes Mal um eine Sekunde schneller runterfährt, ist man zwei Sekunden schneller, dann fehlt nicht mehr viel. Das geht aber nur über Vertrauen, wenn ich mehrere Rennen ins Ziel gefahren bin.“ 1,98 Sekunden fehlten Brennsteiner am Sonntag auf Neo-Sieger Braathen.

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(Bild: KMM)



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