19.10.2020 08:55 |

Verteidigung im All

NATO will in Deutschland ein Space Center aufbauen

Die Nordatlantikpakt-Organisation NATO treibt ihre Vorbereitungen für eine Bündnisverteidigung im Weltall voran. Die Verteidigungsminister der 30 Mitgliedstaaten wollen am Donnerstag den Aufbau eines Space Center ankündigen, heißt es. Es soll an das Luftwaffenoberkommando der NATO im rheinland-pfälzischen Ramstein angegliedert werden und vor allem als Koordinationsstelle für die Weltraumüberwachung dienen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und der „Süddeutschen Zeitung“ könnten in Ramstein, dem Hauptquartier der United States Air Forces in Europa und der NATO-Kommandobehörde zur Führung der Luftstreitkräfte, künftig Informationen über mögliche Bedrohungen gegen Satelliten zusammenfließen. Denkbar ist auch, dass das Space Centre später zu einem Kommandozentrum für Abwehrmaßnahmen ausgebaut wird. Zudem soll in Kürze eine Art Thinktank für die Weltraumaktivitäten der NATO aufgebaut werden.

All zu eigenständigem Operationsgebiet erklärt
Die Planungen der NATO sind Folge der im vergangenen Jahr getroffenen Grundsatzentscheidung, das All zu einem eigenständigen Operationsgebiet zu erklären. Der Beschluss ermöglicht es der NATO zum Beispiel, bei Alliierten für Einsätze die Bereitstellung von Kapazitäten für Satellitenkommunikation oder Bilddatentransfers anzufordern. Zudem hat er dazu geführt, dass in der Allianz noch intensiver darüber diskutiert wird, in welchem Fall mögliche Angriffe aus oder im Weltraum künftig als Bündnisfall behandelt werden sollten.

„Die NATO hat nicht die Absicht, Waffen im Weltraum zu stationieren, aber wir müssen sicherstellen, dass unsere Missionen und Operationen die passende Unterstützung haben“, erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg (Bild unten) im vergangenen Jahr zum Thema. Das All sei zum Beispiel für Frühwarnsysteme, die Kommunikation und Navigation von entscheidender Bedeutung. Der Norweger spielte damit darauf an, dass die NATO immer mehr von Technik im All abhängig ist. Zudem führte der Beschluss dazu, dass in der Allianz noch intensiver darüber diskutiert wird, in welchem Fall mögliche Angriffe aus oder im Weltraum künftig als Bündnisfall behandelt werden sollten.

Über Satelliten läuft die Kommunikation bei Militäreinsätzen, sie werden zur Aufklärung und Spionage sowie für Navigationssysteme genutzt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein Angriff auf Satelliten der NATO-Staaten ihre Verteidigungsfähigkeit erheblich einschränken könnte. Hinzu kommt, dass Angriffe auf Satelliten im Fall eines Krieges genutzt werden könnten, um Teile des öffentlichen Lebens lahmzulegen.

Wahres Wettrüsten im Weltraum
Neben dem NATO-Land USA haben zuletzt vor allem Staaten wie Russland, China und Indien ihre Fähigkeiten im Weltraum erheblich ausgebaut. So sorgte Russland in diesem Jahr mit mehreren Tests von Anti-Satelliten-Waffen für Aufsehen, nachdem Indien bereits im vergangenen Jahr durch das Abschießen eines eigenen Satelliten erfolgreich eine Anti-Satelliten-Rakete getestet hatte.

Ebenfalls 2019 hatten die US-Streitkräfte ihr neues Führungskommando für Einsätze im Weltraum in Betrieb genommen. „Wenn es darum geht, Amerika zu verteidigen, reicht es nicht, nur eine amerikanische Präsenz im Weltraum zu haben“, sagte US-Präsident Donald Trump damals. „Wir müssen amerikanische Vorherrschaft im Weltall haben.“

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