16.10.2020 06:25 |

Konkurrenz-Shows im TV

Genervter Trump und „mieser Kandidat“ Biden

Nach der Absage ihres TV-Duells haben sich US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden am Donnerstagabend Ortszeit gleichzeitig bei zwei Fernsehsendern Fragen von Wählern gestellt. Knapp drei Wochen vor der Wahl am 3. November mussten die Amerikaner entscheiden, ob sie Trump im Sender NBC (Video oben) oder Biden im Sender ABC verfolgen.

Beide traten in sogenannten Swing States auf, also in umkämpften Bundesstaaten, die bei der Präsidentenwahl am 3. November entscheidend sein könnten: der Republikaner Trump in Miami im Bundesstaat Florida, der Demokrat Biden gut 1600 Kilometer entfernt in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania.

Trump weiß nichts über QAnon
NBC-Moderatorin Savannah Guthrie nahm Trump in die Zange, der reagierte darauf mitunter gereizt. „Lassen Sie uns die ganze Show vergeuden!“, sagte er, als Guthrie ihn auf die Verschwörungstheoretiker von QAnon ansprach, die auch unter seinen Republikanern Unterstützer haben. „Es ist diese Theorie, dass die Demokraten ein satanischer Pädophilenring sind und dass Sie der Retter davor sind“, sagte Guthrie. Ob Trump sich davon „ein für alle Mal“ distanziere? „Ich weiß nichts über QAnon“, antwortete der Präsident genervt. „Lassen Sie mich Ihnen nur sagen, was ich darüber höre, ist, dass sie sehr entschieden gegen Pädophilie sind, und dem stimme ich zu.“

Biden räumt Fehler in Vergangenheit ein
Im weitgehend leeren Auditorium in Philadelphia beantwortete Biden in aller Ruhe die Fragen der Wähler - es ging um den Kampf gegen die Corona-Pandemie, die umstrittene Polizeiarbeit, die Ungleichheit in der Gesellschaft. Die Wähler konfrontierten ihn auch mit Themen, die ungemütlich für Biden sind: zum Beispiel mit einem Gesetz zur Kriminalitätsbekämpfung aus den 1990er-Jahren, das Biden unterstützte und das viele für die Diskriminierung von Minderheiten verantwortlich machen. Biden räumte ein, es sei ein Fehler gewesen, das Gesetz zu unterstützen. Zudem sagte er auf Drängen des Moderators zu, vor der Wahl klarzustellen, was er von einer Ausweitung der Richterposten am Supreme Court hält.

Trump: „Habe mehr Vermögen als Schulden“
Anders als bei Wahlkampfauftritten vor Anhängern musste Trump sich kritische Fragen gefallen lassen - etwa zu seinen finanziellen Verhältnissen. Seine Schulden beliefen sich nur auf „einen winzigen Prozentsatz meines Nettovermögens“, sagte Trump. Die von der „New York Times“ kürzlich berichtete persönliche Schuldenhöhe von 421 Millionen Dollar (rund 360 Millionen Euro) schien er in etwa zu bestätigen. Er wollte sich zunächst zwar auf Nachfrage der Moderatorin nicht festlegen, sprach dann aber selbst von „400 Millionen Dollar“. Wie schon seit Jahren versprach er, er werde seine Steuererklärungen veröffentlichen, sobald eine Buchprüfung der Steuerbehörde IRS abgeschlossen sei.

Falsche Trump-Aussagen zu Corona
Zur Pandemie äußerte sich der erst kürzlich an Covid-19 erkrankte Präsident ein weiteres Mal widersprüchlich. „Ich sage, tragt die Masken. Ich habe kein Problem damit“, betonte er. Trump wiederholte aber auch seine falsche Aussage, dass sich nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC 85 Prozent der Menschen, die eine Maske tragen, mit dem Virus infizierten. Richtig ist, dass bei einer CDC-Untersuchung 85 Prozent einer Gruppe von Infizierten angaben, sie hätten in den 14 Tagen zuvor oft oder immer eine Maske getragen.

Biden mahnte indes ein nationales Vorgehen gegen das Coronavirus und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz an. Mit den Masken könne ein weiterer Lockdown verhindert werden, sagte Biden. Dem Präsidenten komme eine Vorbildfunktion zu, sagte Biden. Wenn der Präsident keine Maske trage oder sich über Menschen lustig mache, die sie tragen, kämen die Leute zu dem Schluss, dass es nicht wichtig sei.

Unklare Haltung gegenüber rechten Gruppen
Gereizt reagierte Trump auch, als er nach seiner Haltung zu Rechtsradikalen gefragt wurde - er ist unter Druck geraten, weil er sich von ihnen nicht eindeutig distanzieren wollte. „Jetzt geht das wieder los“, sagte Trump sichtlich genervt - und behauptete dann, dass er „seit Jahren“ Rechtsradikalismus verurteile. Zugleich betonte er aber, er verurteile auch die Antifa und „diese Menschen auf der Linken, die unsere Städte niederbrennen“. Trump kritisierte außerdem, dass Biden bei einer NBC-Fragestunde in der vergangenen Woche nicht danach gefragt worden sei, ob er die Antifa verurteile.

Biden: Wenn ich verliere, war ich „mieser Kandidat“
Das wurde Biden auch dieses Mal nicht. Doch der ehemalige US-Vizepräsident machte deutlich: Wenn er zum Präsidenten gewählt werde, werde er sich niemals rassistisch oder spalterisch äußern. Moderator George Stephanopoulos fragte Biden, was ihm eine Niederlage darüber sagen würde, was Amerika heute sei. „Nun, es könnte bedeuten, dass ich ein mieser Kandidat war und ich keinen guten Job gemacht habe“, sagte Biden. Er hoffe nicht, dass es bedeute, dass die Menschen in ethnischen und religiösen Fragen so im Konflikt miteinander stünden, wie Trump es wolle.


Trump warf NBC vor, Biden zuletzt nur Fragen gestellt zu haben, die sogar Kinder beantworten könnten. Kurz vor der Fragestunde hatte er den Sender schon bei einem Wahlkampfauftritt in Greenville in North Carolina angegriffen: „Wissen Sie, ich werde heute Abend reingelegt“, sagte er. Er habe den Auftritt nur zugesagt, weil er eine Stunde Sendezeit kostenfrei bekomme. Trump sagte zudem, er hätte den parallelen Auftritt Bidens beim Sender ABC gerne angeschaut, „weil ich sehen wollte, ob er es durch die Sendung schafft“. Trump (74) unterstellt seinem 77-jährigen Herausforderer - den er als „schläfrigen Joe“ verunglimpft - immer wieder mangelnde körperliche und geistige Fitness.

Biden überzieht seinen TV-Auftritt
Dabei war Bidens Auftritt am Donnerstagabend sogar länger als der von Trump. Während der Präsident sich eine Stunde lang Fragen stellte, waren es bei Biden 90 Minuten - in beiden Fällen gab es mehrere kurze Werbepausen. Ein Wähler hatte vor Biden nicht verbergen können, dass ihn eine Antwort Bidens nicht gänzlich zufriedenstellte. Biden bot an, nach dem Ende der Sendung weiterzureden - was er auch tat.

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