Fußball Nebensache

Serbiens Schande von Genua schockt Europa

Fußball
13.10.2010 15:49
Die schweren Ausschreitungen von serbischen Hooligans beim EM-Qualifikationsspiel in Italien (siehe Video) am Dienstag haben die Fußballwelt in einen Schockzustand versetzt. Die Medien beider Länder berichteten am Mittwoch voller Abscheu über die "Schande des serbischen Sports", welche zum Abbruch der Partie geführt hatte. Stark kritisiert wird aber auch die italienische Polizei. So sei etwa ein Alarm der Belgrader Sicherheitskräfte, die vor einem massiven Ansturm von Hooligans gewarnt hatten, unterschätzt worden.

Indes mussten sich bereits am Mittwoch die ersten an den Randalen beteiligten Hooligans in einem Schnellverfahren vor Gericht verantworten. Ein serbischer Krawallmacher wurde wegen Widerstandes gegen die Polizei bei einem Zwischenfall vor dem Spiel zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. "Meine Freunde haben mich gezwungen, die Polizei anzugreifen", rechtfertigte sich der Angeklagte. Auch ein 18-jähriger Fan des italienischen FC Genua wurde mit drei Monaten Gefängnis bestraft.

Medien schockiert über die Gewalt
Italiens "Gazzetta dello Sport" sprach von "Bestien", die im Marassi-Stadion von Genua eine "ultranationalistische Demonstration" abgehalten hätten. "La Repubblica" zeichnete nach den Randalen bereits ein düsteres Bild für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine: "In Osteuropa, von Polen bis Ungarn, von Serbien bis Russland, wachsen in den Stadien ultranationalistische und neo-nationalsozialistische Gruppen. Bei der nächsten Europameisterschaft wird es voraussichtlich wenig Spaß geben. Andere Sportarten haben das Phänomen der Gewalt isolieren und heilen können. Der Fußball nicht."

Aber auch Serbiens "Danas" fand keine guten Worte über die "Fans" der Nationalmannschaft: "Wir haben uns geschämt und wurden vor der Welt rot, die in der TV-Liveübertragung die hartnäckigen Versuche der Wilden vom bergigen Balkan, fälschlicherweise als Schlachtenbummler bezeichnet, verfolgte."

Italienische Polizei bereits vorab informiert?
Schwere Vorwürfe gab es aber auch in Richtung der italienischen Polizei. Diese soll nämlich einem Schreiben aus Belgrad zu wenig Beachtung geschenkt haben, in dem mitgeteilt worden sei, dass sich 400 rechtsextreme Hools unter die insgesamt 1.600 serbischen Fans mischen wollen. "Man hatte uns über die Zahl der anreisenden Fans, nicht über ihre Gefährlichkeit informiert. Diese Leute hätten niemals einreisen dürfen", beschwerte sich allerdings der für die Sicherheit der italienischen Nationalmannschaft zuständige Funktionär Roberto Massucci.

Serbiens Verbandspräsident Tomislav Karadzic hatte bereits unmittelbar nach dem Spielabbruch erklärt: "Wir hatten Informationen, dass diese Fans hierherkommen und beabsichtigen, das Spiel zu sabotieren. Dies haben wir den italienischen Verantwortlichen gemeldet." Viele Gäste-Fans waren laut Medienberichten Mitglieder der bekannten Belgrader Fan-Gruppierung "Grobari" (von Partizan Belgrad, Anm.), die bereits für gewalttätige Angriffe in mehreren europäischen Städten verantwortlich zeichnen. Schon am frühen Dienstagnachmittag hatten betrunkene serbische Fans einige Lokale in der Innenstadt Genuas verwüstet. Dabei war es auch zu Auseinandersetzungen mit lokalen Hooligans gekommen.

"Hätte das Match nicht einmal anfangen lassen"
Italiens Verteidigungsminister Ignazio La Russa lobte den Beschluss des Schiedsrichters, das Match abzubrechen. "Ich hätte das Match nicht einmal anfangen lassen. Die Bedingungen waren nicht vorhanden, um das Spiel auszutragen. Die italienische Polizei hat gut agiert, um die Sicherheit der Tifosi nicht zu gefährden", sagte der Minister. Einer etwas heftigen Wortwahl bediente sich der Präsident des italienischen Schiedsrichterverbands AIA, Marcello Nicchi. "Um Ruhe ins Stadion zurückzubringen, hätte die Polizei mit Kalaschnikow-Gewehren eingreifen müssen", meinte der Funktionär.

Der europäische Fußballverband UEFA leitete am Mittwoch jedenfalls ein Ermittlungsverfahren ein. Nun wird in Absprache mit dem Schiedsrichterteam und den in Genua anwesenden Delegierten ein Dossier erstellt. Der Fall soll voraussichtlich am 28. Oktober vor dem Kontroll- und Disziplinarausschuss behandelt werden.

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(Bild: KMM)



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