13.10.2020 16:08 |

Warnung vor Muniton:

Gefahr aus der Vergangenheit

Auch 75 Jahre nach Kriegsende muss der Entminungsdienst noch rund 100-mal pro Jahr ins Burgenland ausrücken, um explosive Hinterlassenschaften zu beseitigen ...

Als Österreich im Mai 1945 vom Nazi-Terror befreit wurde, lag das Land in Trümmern. Doch der Wiederaufbau ging überall rasch voran, und schon bald erinnerte optisch kaum noch etwas an die Zerstörungen. Allerdings schlummert seither auch in vielen burgenländischen Wäldern und Wiesen eine mitunter tödliche Gefahr, die der Öffentlichkeit meist gar nicht bekannt ist: alte Munition und Blindgänger. Große Fliegerbomben, die nicht explodiert sind, liegen in der Regel mehrere Meter tief in der Erde. „Otto Normalbürger“ kommt daher damit gar nicht in Kontakt. Sie werden so gut wie immer zufällig von Landwirten bei der Feldarbeit oder bei Bauarbeiten entdeckt. „Von kleineren Kalibern geht dagegen sehr wohl ein – oft unterschätztes – Risiko für Wanderer, Spaziergänger und spielende Kinder aus“, wissen Experten.

Blindgänger werden häufig unterschätzt
Denn in den letzten Kriegswochen blieben Munitionskisten, Mörser- oder Handgranaten oft einfach in den Schützengräben zurück. Die Folge: Noch heute schlummern diese Dinge nur wenige Zentimeter unter der Erde oder von einer dünnen Grasschicht bedeckt im Boden. Und das nicht selten in der Nähe von Häusern oder neben Wanderwegen. „Immer wieder machen Ausflügler entsprechende Funde“, bestätigt das Verteidigungsministerium.

Selbst vermeintlich harmlose Gewehrpatronen können spielenden Kindern gefährlich werden. Noch brisanter ist die Situation bei Flugabwehrgeschoßen sowie Mörsergranaten, von denen noch mehrere tausend allein im Burgenland vermutet werden. Sie sind für den Laien oft auf den ersten Blick gar nicht als Munition zu erkennen, doch schon eine einzige Berührung – etwa wenn man mit dem Fuß darauf tritt – kann zu einer Explosion führen.

Finger weg bei jeder Art von alter Kriegsmunition
Ähnlich unberechenbar ist die Situation bei Handgranaten, deren Sicherungsstifte nach 75 Jahren im Erdreich ebenfalls oft völlig verrottet sind. „Deshalb gilt, dass man bei Spaziergängen, vor allem in ehemaligen Kampfgebieten wie beispielsweise dem Raum Oberwart, immer mit entsprechenden Funden rechnen muss und vorsichtig sein sollte“, heißt es von der Exekutive. Keinesfalls darf man verdächtige Gegenstände berühren oder selbst zur Polizei bringen: „Am besten den Notruf 133 wählen und die Situation schildern.“

Die eigentliche Entsorgung der Relikte wird vom Entminungsdienst des Bundesheeres übernommen. „Unsere Fachleute entscheiden, ob ein Fund sofort entschärft oder abtransportiert werden kann“, erläutert ein Militär-Sprecher. 108 derartige Einsätze hatten die Soldaten im vergangenen Jahr im Burgenland zu bewältigen. Heuer waren es allein im ersten Halbjahr bereits mehr als 50. Laut Verteidigungsministerium sei die Tendenz derartiger Funde seit Jahren in etwa gleichbleibend. Es dürfte also mindestens noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis diese gefährlichen Relikte des Zweiten Weltkrieges im Burgenland vollständig beseitigt sein werden.

Kronen Zeitung

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