10.10.2020 05:00 |

Verdauung

Wenn unser Darm jetzt in Stress gerät

Homeoffice, Kinderbetreuung, Arbeitslosigkeit und Zukunftssorgen belasten derzeit viele Österreicher massiv. Das kann auch den Magen-Darm-Trakt empfindlich stören.

Wie gut man Stress verkraftet, ist ganz wesentlich von der Darm-Hirn-Achse abhängig: Darunter versteht man eine Verbindung zwischen diesen beiden Organen, die unter anderem über die Nervenbahnen als auch über die Blutgefäße besteht - das bedeutet, dass Darm und Gehirn miteinander kommunizieren. Einen ganz zentralen Bestandteil bilden nützliche Darmbakterien. So können z. B. Laktobazillen den wichtigen Nervenbotenstoff GABA (Gammaaminobuttersäure) herstellen, und vom Hormon Serotonin werden sogar 90% im Darm gebildet. Bei länger andauernden Belastungen steigt nicht nur die Gefahr für hohen Blutdruck und Kopfschmerzen, auch das Gleichgewicht des Mikrobioms gerät ins Wanken. Die Darmmotorik ist gestört, und es kann das sogenannte Leaky Gut Syndrom auftreten. Dabei wird die Darmschleimhaut durchlässiger, und durch die „Löcher“ gelangen schädliche Stoffe in den Organismus.

Gleichzeitig belegen Untersuchungen auch, dass Personen, die unter chronischem Stress und psychischen Erkrankungen leiden, eine veränderte Darmflora haben: Sie weisen sowohl eine geringere Anzahl als auch eine geringere Vielfalt an Darmbakterien (wie z. B. Laktobazillen) auf. Das hat zur Folge, dass die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn gestört ist. Die Folgen sind u. a. Konzentrationsschwäche, schlechter Schlaf und depressive Verstimmungen. Im Rahmen einer Studie der MedUni Graz wurde untersucht, inwieweit Probiotika bei gestressten Menschen Effekte auf die Gedächtnisleistung haben. Die Ergebnisse zeigten, dass Konzentration und Erinnerungsvermögen sich deutlich verbesserten. Darüber hinaus wurde die Anfälligkeit für Depressionen verringert.

„Wer wenig Zeit hat, isst meist auch viel ungesünder. Fertiggerichte und Süßigkeiten stehen häufig auf dem Speiseplan. Das wirkt sich in Kombination mit Stress ebenfalls negativ auf die Bakterienbesiedlung im Darm aus“, erklärt DDr. Adrian Moser, Allgemeinmediziner mit Forschungstätigkeit im Bereich Darmflora und Immunsystem. Auch Rauchen und Alkohol stören die Bakterienbesiedlung der Darmflora. Studien zeigen einen direkten Einfluss auf die Vielfalt der „Verdauungshelfer“. Wichtig ist aber zu hinterfragen, warum bin ich so gestresst? Man kann natürlich mit ausgewogener Ernährung, viel Bewegung und Probiotika die Darmflora unterstützen. Aber es sollte nie vergessen werden, auch der Psyche etwa Gutes zu tun. Was muss ich in meinem Leben verändern, damit ich vom Stress nicht überrollt werde? Oft reichen schon kleinere Veränderungen, um wieder mehr Ruhe in den Alltag zu bringen, wie etwa kleine Auszeiten einzuplanen.

Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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