29.09.2020 16:21 |

Krise in Berg-Karabach

Schallenberg fordert „dringende Deeskalation“

Im erneut aufgeflammten Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan im umkämpften Gebiet Berg-Karabach hat Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) den „dringenden Bedarf“ für Deeskalation betont. In einem Telefonat mit seinem armenischen Amtskollegen Zohrab Mnatsakanian habe er außerdem das Ende aller Kampfhandlungen entlang der Kontaktlinie sowie eine Rückkehr zum Verhandlungstisch gefordert, teilte Schallenberg am Dienstag per Twitter mit.

Die Krise in Berg-Karabach zeige, wie schnell aus einem schwelenden ein heißer Konflikt werden kann, sagte Schallenberg im Rahmen einer aktuellen Aussprache im Außenpolitischen Ausschuss des Nationalrats. Spannungen sollten in Worte und Taten abgebaut werden, sagte der Außenminister in Richtung sämtlicher Akteure in der Region.

Der ÖVP-Abgeordnete Reinhold Lopatka lenkte laut Parlamentskorrespondenz den Blick auf die Türkei und warf Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, den Konflikt in Berg-Karabach bewusst anzuheizen.

Namens der FPÖ bezeichnete Axel Kassegger die Türkei als Unruhefaktor in der Region, wobei er einmal mehr die Forderung seiner Fraktion nach einem endgültigen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara bekräftigte.

„Waffengewalt definitiv der falsche Weg“
Auch die grüne Vizeklubchefin Ewa Ernst-Dziedzic kritisierte die Türkei, die mit „martialischer Rhetorik und kolportieren Entsendungen dschihadistischer Söldner aus Syrien offen die aserbaidschanische Seite“ unterstütze. Ernst-Dziedzic forderte eine sofortige Waffenruhe und internationale Vermittlung in dem seit Jahren schwelenden Konflikt. Waffengewalt sei „definitiv der falsche Weg“ hin zu einer dauerhaften Lösung, betonte sie in einer Aussendung.

Schon mehr als 100 Tote
Die Kämpfe im Südkaukasus dauern seit Sonntag an. Aserbaidschan setzte seine militärische Offensive am Dienstagmorgen fort. Die Truppen bewegten sich in Richtung der Stadt Füsuli und zerstörten vier armenische Panzer, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Alleine auf armenischer Seite sind bisher schon mehr als 100 Menschen getötet worden, darunter Dutzende Soldaten und viele Zivilisten, wie die armenischen Behörden mitteilten. Genaue Opferzahlen aus Aserbaidschan sind noch nicht bekannt. Es gebe aber zehn tote Zivilisten, hieß es aus der Hauptstadt Baku.

Es handelt sich um die schwersten Gefechte seit Jahren. Zuletzt gab es 2016 ähnlich schwere Gefechte, damals starben rund 120 Menschen. Nun haben beide Länder den Kriegszustand verhängt. Die blutigen Gefechte lösten international große Sorge aus.

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