18.09.2020 22:00 |

Volksbühne Mils

Mitterers „Stigma“: Ein Exorzismus auf Tiroler Art

Felix Mitterers Drama „Stigma“ wurde 1982 zum Eklat. Der Autor erhielt Unmengen von Protestbriefen, anonymen Telefonanrufen sowie Morddrohungen und statt Hall wurde für 38 Jahre Telfs zur Heimat der „Tiroler Volksschauspiele“. Aktuell inszeniert Peppi Pittl, nahe Hall, in Mils das ehemalige Skandalstück.

„Ich mache ja nicht Volkstheater, um dem Volk auf den Schädel zu hauen und es aus dem Theater zu vertreiben. Ich mache Theater nicht gegen, sondern für das Volk“, so lauteten die Worte von Felix Mitterer im Februar 1982.

Der damalige Bürgermeister von Hall in Tirol, Josef Posch, hatte verlauten lassen, dass er nach der Lektüre des Stückes „Stigma“ der Meinung sei, dass dieses aus einer Ansammlung von Schweinereien und Religionsverhöhnungen bestehe und er nicht zulasse, dass dieses Stück in Hall eine Aufführung erlebe.

Offen ausgesprochenes Tabu
Kein Bühnenwerk hat in den letzten 38 Jahren mehr Staub im Land aufgewirbelt. Bei der im 19. Jahrhundert angesiedelten Handlung geht es um die Leidensgeschichte einer geschundenen und vergewaltigten Magd namens Moid, welche die Wundmale Christi erhält. Diese Thematik war anscheinend zu viel für den Großteil des damaligen „Tiroler Gemüts“, da Mitterer bis dato niemals offen ausgesprochene Tabus thematisierte.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Die mittelalterliche Salinenstadt Hall wurde nicht, wie geplant, zum Aufführungsort der „Tiroler Volksschauspiele“. Ruth Drexel und Hans Brenner brachten diese für 38 Jahre nach Telfs. Zwischenzeitlich liefen Unmengen an Wasser den Inn hinab und „Stigma“ erfuhr in unzähligen Schauspielhäusern umjubelte Premieren und Aufführungen.

Proben im Kindergarten
Aktuell bringt der landauf- und -ab bekannte Regisseur und Schauspieler Peppi Pittl im kommenden November, gemeinsam mit der Volksbühne Mils, „Stigma“ zur Premiere. „Wir sind mit den Proben vom Milser Vereinshaus auf eine private, überdachte Terrasse ausgewichen, da im Vereinshaus auch ein Kindergarten ist und wir kein Problem mit dem allgegenwärtigen Coronavirus erzeugen wollen“, teilt Pittl der „Tiroler Krone“ mit.

Dramatiker Felix Mitterer war vorgestern Abend bei einer der Proben anwesend. Er zeigte sich von den gesehenen Szenen begeistert sowie beeindruckt und meinte: „Hier wird etwas Tolles auf die Bühne gebracht, ich freue mich schon auf die Premiere am 14. November.“

Hubert Berger, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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