16.09.2020 18:19 |

Hilfe für Griechenland

„Nicht nachgeben, sonst droht ein Flächenbrand“

Eine Woche nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat Österreich als erstes europäisches Land eine große Hilfslieferung für die obdachlos gewordenen Migranten gebracht. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) flog am Mittwoch mit einem Transportflugzeug des Typs Antonow 124 nach Athen und übergab die Hilfsgüter persönlich an seinen griechischen Amtskollegen Theodoros Livanios.

Es waren Bilder, die um die Welt gingen. Zelte, die in Flammen aufgingen, flüchtende Familien - Frauen, die mit Babys in den Armen versuchten, dem Tod zu entrinnen. Es sind die Bilder aus Moria, dem größten Flüchtlingslager Europas auf der griechischen Insel Lesbos - Bilder einer menschlichen Katastrophe, offenbar ausgelöst von Migranten selbst. 12.000 Menschen wurden dadurch obdachlos. Gegen sechs Afghanen - unter ihnen zwei 17-Jährige - soll wegen Brandstiftung Anklage erhoben werden. Viel wurde seither diskutiert, politisches Kleingeld daraus geschlagen. Und Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) von seiner deutschen Amtskollegin Angela Merkel unter Beschuss genommen, weil es für Österreich keine Option ist, Flüchtlinge aufzunehmen.

Nehammer: „Als zweifacher Familienvater lässt mich das absolut nicht kalt“
Innenminister Nehmammer bleibt bei seinem Standpunkt: „Wir helfen Griechenland und den Flüchtlingen vor Ort.“ Mittwochnachmittag, exakt um 15.17 Uhr, landete er mit dem russischen Frachtflugzeug am Flughafen Athen. Mit an Bord der Maschine war die erste große Hilfslieferung für Flüchtlinge, die dem griechischen Innenminister übergeben wurde.

Nehammer: „Als zweifacher Familienvater und Ehemann lässt mich die Situation der Menschen, die vor den verbrannten Lagern standen, absolut nicht kalt. Daher habe ich der griechischen Regierung sofort Unterstützung angeboten, um die Menschen vor Ort zu versorgen und ihnen wieder eine Unterkunft zu geben.“ Der Minister sprach von „150 Paletten voll Solidarität“ - 55 Tonnen.

Hilfspaket bedeutet Versorgung von 2000 Schutzsuchenden
In Zahlen ausgedrückt: 400 voll ausgestattete Familienzelte (Platz für je fünf Personen) samt Heizungen und Zeltbeleuchtungen, 2700 aufblasbare Matratzen mit Polster und Bettwäsche, 7400 Decken und 2000 Hygienepakete. Zusätzlich hat das Außenministerium Griechenland zwei Millionen Euro aus dem Auslandskatastrophenfond zugesichert. 2000 Schutzsuchende können mit dem rot-weiß-roten Hilfspaket in Moria versorgt werden, wo die Situation weiter zu eskalieren droht. Es kommt zu Zusammenstößen zwischen Inselbewohnern und Flüchtlingen - die sich weigern, in die neu aufgebauten Zufluchtsorte zu gehen, weiter wollen auf das Festland Europas.

Die Angst vor der „Moria-Taktik“ ist allgegenwärtig. Es ist die Furcht davor, dass weitere Lager in Flammen aufgehen, „um die Politik unter Druck zu setzen“, sagte ein Beamter. Nehammer: „Wenn wir dem Druck gewaltbereiter Migranten nachgeben, lösen wir einen Flächenbrand aus“ - ein Grieche fügte hinzu: „Dann brennt Europa.“

Sandra Ramsauer, Kronen Zeitung/krone.at

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