11.09.2020 13:18 |

Marvel-Verfilmung

„New Mutants“: X-Men als gruseliges Teenie-Drama

Was lange währt, wird endlich gut: Diese Weisheit mag nur leider für den neuen - und gleichzeitig auch letzten - Film aus dem bisherigen „X-Men“-Universum nicht ganz zutreffen. Im bereits 2017 abgedrehten „The New Mutants“ (ab 10.9. im Kino) werden fünf Teenager in einer Forschungseinrichtung - angeblich zu ihrem eigenen Schutz - festgehalten. Als sich die unheimlichen Vorfälle mehren, müssen sich die Jugendlichen zusammenraufen, wenn sie überleben wollen. Der betont gruseliger als die bisherigen X-Men-Filme angelegte Streifen von Regisseur Josh Boone liefert für Fans der Marvel-Mutanten kurzweilige Unterhaltung - die man auf diesem Niveau allerdings heutzutage auch von den Streamern Netflix & Co. geboten bekommt.

Der Inhalt in aller Kürze: Die Jugendliche Dani Moonstar (Blu Hunt) wacht in einer Forschungseinrichtung auf, nachdem sie offenbar als einzige ihres Stammes das Wüten eines Tornados in ihrem Heimatdorf überlebt hat. Ob es wirklich ein Unwetter war, das Dani zum Vollwaisen gemacht hat, ist aber von Anfang an fraglich, wie auch die Erinnerungsfetzen des Mädchens nahelegen.

Die resolute Forschungsleiterin Dr. Reyes, die auf den ersten Blick das einzige Personal in dem düsteren Gebäude mitten im Nirgendwo zu sein scheint, ist bemüht, die Zweifel des Mädchens auszuräumen. Der Forscherin zufolge sind die Teenager zu ihrer eigenen Sicherheit in der Einrichtung untergebracht - um den Umgang mit ihren neu entdeckten Mutantenkräften zu lernen. Was die fünf Jugendlichen eint: Sie alle haben durch einen unkontrollierten Ausbruch ihrer Fähigkeiten Menschen das Leben gekostet oder zumindest in große Gefahr gebracht.

Weil sich in dem verfallenen Gebäude, aus dem es aufgrund der Mutantenkraft von Dr. Reyes kein Entkommen gibt, die unheimlichen Vorfälle häufen, gerät zunächst Dani in Verdacht, der Auslöser für die zunehmend eskalierenden Vorgänge zu sein. Am Ende muss sich der X-Men-Nachwuchs - darunter die aus „Split“ und „Glass“ Genre-bekannte Schauspielerin Anya Taylor-Joy sowie die Serienstars Maisie Williams („Game of Thrones“) und Charlie Heaton („Stranger Things“) - aber zusammenraufen. Wollen sie überleben, müssen sie sich der Frau Doktor - und einem gigantischen Schwarzbären - entgegenstellen.

Auch wenn die X-Men im Film angesprochen werden, lassen sich „The New Mutants“ von Regisseur Josh Boone („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) nicht wirklich mit den bisherigen Comicverfilmungen der beliebten Marvel-Mutanten vergleichen. Statt auf bombastische Weltenrettung mit markigen Sagern präsentiert sich die Geschichte von Dani Moonstar und den Mutanten-Teenagern als gruselige Schauergeschichte im Comic-Gewand.

Gerade der Ausflug ins Horror-Genre sollte sich für den Film jedoch als Stolperstein herausstellen. Eigentlich bereits 2017 abgedreht, fristeten „The New Mutants“ bis heute ein Dasein im Kino-Fegefeuer: der Starttermin wurde mehrmals verschoben, geplante Nachdrehs fanden dann doch nicht statt. Erschwerend hinzu kommt wohl die Tatsache, dass Professor X, Wolverine und Co. nach 20 Jahren beim Filmstudio Fox dank der Übernahme durch Disney mittlerweile den Weg zurück zu den Marvel Studios gefunden haben - und wohl demnächst einen kompletten Neustart im Kino hinlegen werden.

So bleibt „The New Mutants“ eine Art ungeliebter Epilog für die Geschichte der X-Men, die 2000 mit „X-Men“ von Regisseur Bryan Singer ihren spektakulären Anfang nahm und im Vorjahr leider mit „X-Men: Dark Phoenix“ einen finanziell enttäuschenden und für alle treuen Fans eher unwürdigen Abschluss fand.

Kurzweilige Unterhaltung bieten die Teenie-Mutanten durchaus, allerdings dauert es viel zu lange, bis die Grusel-Geschichte so richtig Fahrt aufnimmt - und wirkt dadurch umso mehr wie der Pilotfilm einer Serienproduktion. Geplant war das X-Drama offenbar als Auftakt zu weiteren X-Filmen, was aber mit der Rückkehr der X-Rechte zu Marvel nicht geschehen wird. Schade also, dass jener aus den Comics bekannte aber noch nie auf der Leinwand realisierte X-Bösewicht, der in „The New Mutants“ die Fäden zieht, nur angedeutet wird.

Fest steht: Serien und auch Spielfilme auf dem Niveau von „The New Mutants“ hieven heutzutage Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime alle paar Wochen in ihr Angebot. Vielleicht wären auch die jungen Mutanten bei einem Streamer besser aufgehoben gewesen, als auf der großen Leinwand ...

Kinostart von „The New Mutants“: 10.September!

Harald Dragan
Harald Dragan
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