Viele überfordert

Schulstart: Sorgenkind bleibt der Fernunterricht

Österreich
03.09.2020 10:41

Das neue Schuljahr nähert sich mit großen Schritten - und viele Eltern denken mit gemischten Gefühlen an den Schulstart in den Corona-Herbst. Auch der am Mittwoch von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) präsentierte Elternbrief hat viele Fragen offengelassen, am Donnerstag gab es weitere Empfehlungen des Bildungsministeriums. Vor allem beim viel diskutierten Thema Fernunterricht lässt sich aus dem Konzept „Schule im Herbst 2020“ die berechtigte Sorge vor einer Überlastung oder gar Überforderung von Schülern, aber auch Eltern herauslesen.

Im neuen Schuljahr soll es zwar keine großflächigen Schulschließungen geben, in einzelnen Klassen, Schulen oder Regionen ist aber mit einer zeitweisen Umstellung auf Fernunterricht wegen gehäufter Covid-19-Infektionen zu rechnen. Ist das der Fall, sollen die Schulen die Stundenpläne so gut wie möglich einhalten, empfiehlt das Bildungsministerium. Damit soll den Schülern selbst im Lockdown so viel schulische Struktur wie möglich geboten werden, heißt es im Konzept „Schule im Herbst 2020“.

(Bild: stock.adobe.com)

Die Lehrer werden außerdem zu regelmäßigem Kontakt mit den Schülern angehalten. Feedback sei nötig, um Motivation halten oder steigern zu können, wird betont. Im Fokus steht zudem die bessere Abstimmung der Arbeitsaufträge, die vergeben werden. Bei der Unterrichtsgestaltung wird ein Mix aus Videosequenzen, Live-Streams und individuellen Lern- und Arbeitsphasen ohne Bildschirm angeregt. Generell sollen die Schulen nicht alle technischen Möglichen des Distance Learning ausschöpfen, heißt es aber. „Das könnte die Schülerinnen und Schüler - aber auch ihre Eltern - zusätzlich belasten oder gar überfordern“, wird vom Ministerium betont.

Mehrheit der Schulen noch weit von echtem E-Learning entfernt
Eltern und Schüler hatten in der Zeit des Corona-Lockdowns die teils sehr unterschiedliche - mal mehr, mal weniger bis gar nicht digitale - Vorgehensweise einzelner Schulen und Lehrer schmerzhaft zu spüren bekommen. Die große Mehrheit der heimischen Schulen, laut einer großen „Krone“-Umfrage satte 61 Prozent, sind nämlich von echtem E-Learning noch ein großes Stück entfernt. Während Österreich gerne über die Digitalisierung der Bildung rede, haben Länder wie Finnland, Estland und Co. schon vor Jahren damit begonnen, ihre Bildungssysteme fit für die Zukunft zu machen, hatte die Agenda Austria im April kritisiert.

(Bild: "Krone"-Grafik, stock.adobe.com, krone.at-Grafik)

Apropos Überforderung: Damit sich das von vielen Schülern und Eltern beklagte Durcheinander verschiedener Kommunikationskanäle und Lernplattformen vom Frühjahr im neuen Schuljahr nicht wiederholt, werden die Schulen an mehreren Stellen des Konzepts dazu aufgefordert, sich für den Einsatz einer einzigen Plattform - etwa die mittlerweile an rund 3000 heimischen Schulen im Einsatz befindliche Schul-App SchoolFox - zu entscheiden. Eine „sinnvolle“ Kombination wird aber nicht generell ausgeschlossen.

Dass in vielen Schulen der Unterricht weitgehend über E-Mails und Zettelwirtschaft zum Selberdrucken (bzw. zur Selbstabholung in den Schulen) organisiert wurde, war vielen Eltern sauer aufgestoßen. Ob sich diese Situation in der kurzen Zeit bis zum neuen Schuljahr tatsächlich verbessert hat, bleibt derzeit noch fraglich.

10.000 mobile Endgeräte werden bei Bedarf wieder verteilt
Für Schüler an AHS und BMHS, die mangels technischer Ausrüstung nicht am Fernunterricht teilnehmen konnten, wurden im April vom Ministerium knapp 10.000 mobile Endgeräte angeschafft. Diese sollen bei Bedarf auch im neuen Schuljahr wieder verteilt werden, zusätzlichen Bedarf sollen die Schulen melden. Mit dem neuen Schuljahr soll außerdem das Portal „Digitale Schule“ starten. Verbesserungen sind auch bei der Eduthek - auf der Plattform werden qualitätsgeprüfte Übungsmaterialien für alle Schularten und Unterrichtsgegenstände angeboten - angekündigt.

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