27.08.2020 12:36 |

„Schritt unvermeidbar“

Bankenskandal: Pucher beantragte Privatkonkurs

Der Ex-Chef der insolventen Commerzialbank Mattersburg, Martin Pucher, hat einen Antrag auf Eröffnung eines Privatkonkursverfahrens eingereicht. „Angesichts der Höhe der bereits geltend gemachten Schadenersatzforderungen war dieser Schritt unvermeidbar“, teilte sein Anwalt Norbert Wess am Donnerstag mit.

Pucher werde „den Strafverfolgungsbehörden weiterhin für eine umfassende Aufklärung und Aufarbeitung der Geschehnisse zur Verfügung stehen“.

Auch Ex-Vorständin Klikovits geständig
In der Causa um die Commerzialbank Mattersburg ist mittlerweile auch die Ex-Vorständin Franziska Klikovits geständig, berichtete der ORF Burgenland aus dem Vernehmungsprotokoll der Bankmanagerin. Pucher und Klikovits seien wohl schon länger ein eingespieltes Team gewesen. Persönlich habe sie sich aber nicht bereichert. Klikovits habe auch mehrmals kündigen wollen, Pucher habe sie jedoch mehrmals wieder überredet, in der Bank zu bleiben. Sie habe gehofft, die Fälschungen irgendwann wieder bereinigen zu können.

670 Millionen Euro frei erfunden
Beide hätten jahrelang die Bilanzen der Commerzialbank manipuliert, gestand die Ex-Vorständin. „Ich habe die Manipulationen in den Systemen vorgenommen und bei papierhaften Ausfertigungen wirkte Herr Pucher mit. Ein weiterer Mitarbeiter der Bank oder der dritte Vorstand waren dabei nicht involviert“, wird Klikovits zitiert. Rund 670 Millionen Euro der Commerzialbank-Bilanz seien in Summe frei erfunden.

„Ideen für die Fälschungen kamen von Pucher“
Die Ideen für die Fälschungen seien von Pucher gekommen, sie selbst habe es technisch durchgeführt, habe Klikovits bei der Einvernahme erklärt. „Teilweise wurden bei bestehenden Kunden neue, fingierte Kreditkonten eröffnet und teilweise habe ich als Kunden infrage kommende Personen in der Grundbuchdatenbank und im Firmenbuch gesucht und Pucher traf dann die Auswahl. Diese Personen hatten gar keine reale Geschäftsbeziehung zur Commerzialbank Mattersburg“, führte Klikovits laut dem Vernehmungsprotokoll weiter aus.

Informant warnte schon vor fünf Jahren
Die Malversationen in der Commerzialbank Mattersburg sollen schon vor 1992 begonnen haben. Ein Informant aus dem Inneren der Bank soll bereits vor fünf Jahren konkrete Hinweise an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) weitergegeben haben, wonach Pucher „seit Jahren Millionen zur Seite schafft“. Der Skandal flog allerdings bekanntlich erst im Juli 2020 auf.

Zwei weitere Konkurse in Mattersburg
Am Mittwoch wurde unterdessen im Landesgericht Eisenstadt auch über die Commerz-Real Vermietungs- und Verwaltungsgesellschaft m.b.H. sowie über die Commerzialbank Immobilien GmbH das Konkursverfahren eröffnet, teilte der Kreditschutzverband KSV1870 mit. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in Mattersburg an derselben Adresse.

SPÖ bietet ÖVP Hilfe bei U-Ausschuss-Antrag an
Während die ÖVP in dieser Causa weiter Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) scharf attackiert, bieten die Sozialdemokraten Hilfe bei der Beantragung eines U-Ausschusses an. Die Volkspartei sei aber „offenbar nicht in der Lage, einen Antrag auf die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses einzubringen“, stellte SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst am Mittwoch fest.

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