11.08.2020 09:00 |

Den Wald erkunden

Feriencamps für Entdecker: Ab in die Natur!

Den Wald erkunden, Spuren lesen, Wildkräuter sammeln, den Umgang mit Feuer lernen, Körbe flechten und mit Lehm arbeiten. Kinder lieben Camps in der Natur, wie die „Waldschaukel“.

Vor den Toren Wiens, im Wienerwald bei Klosterneuburg, treffe ich auf eine Naturidylle, wie sie im Buche steht. Je näher ich dem Wildniscamp komme, umso deutlicher sind die Kinderstimmen zu hören. Gefolgt von einem befreiten, herzlichen und glücklichen Lachen. Es ist herrliches Wetter, als ich der „Waldschaukel“-Bande einen Besuch abstatte. Die Kinder laufen barfuß, mit Matsch auf Beinen und Händen herum und erinnern mich an mich selbst als Kind, wenn wir beim Bach gespielt und Dämme gebaut haben. Sie genießen es sichtlich, mit der Natur in Verbindung zu sein. Absoluter Anziehungspunkt der ersten Tage ist das Bächlein, über dem an einem starken Baum ein Schwingseil angebracht ist.  

Ein Biwak aus Ästen und Laub ist im Entstehen. Gerald Horak, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Lilian das Camp leitet, werkt mit vier anderen Kindern und Jugendlichen an dem Nachtlager, das er als Erster testen darf. „Aber nur aus dem einen Grund, ob es auch wirklich hält“, lacht der dreifache Vater. Wie seine Ehefrau ist auch er Wildnispädagoge und Naturmentor.

Ein etwa achtjähriges Mädchen erzählt mir begeistert, was sie schon alles mit Naturmaterialien gebastelt hat. Daneben schnitzt ein Bub an einem Stock. Er ist voll bei der Sache und sehr konzentriert. Es gibt keinen Gruppenzwang, jeder kann im Großen und Ganzen tun, worauf er Lust hat. Selten hört man das heutzutage, wo doch schon Feriencamps durchgetaktet sind.

Ich staune nicht schlecht, als mir ein gut gelaunter Gerald erzählt, dass er eigentlich schon seit 5 Uhr Früh munter ist. „Wieso das denn?“, frage ich. „Die ersten Kinder sind heute so zeitig aufgestanden. Da heißt es auch für mich: Raus aus dem Zelt und für die Kinder da sein.“ Die jungen Camper schlafen aber bald schon ein wenig länger, weiß er aus Erfahrung. Womöglich ist es die anfängliche Neugier und das ungewohnte Nächtigen im Zelt, das sie früher aufwachen lässt.

Das Lagerfeuer sieht auch untertags sehr einladend aus. Rundherum ist Platz für alle 22 Kinder. Lilian ist u. a. Kunsttherapeutin. Ihre ruhige Art und ihr freundliches Wesen sind auf den ersten Blick erkennbar. Bei ihr kann man sich einfach nur wohlfühlen. Während Geri noch am Biwak werkt, weitere drei erwachsene Helferleins mit den Kindern schnitzen, basteln und den Wald erkunden, teilt Lilian in Gruppen ein – wie ein Koch-, Holz-, Feuer- und ein Verschönerteam. Ich bin überrascht, wie schnell die Kinder ihre Wahl treffen. Auf dem Feriencamp-Programm stehen u. a. Körbe flechten, töpfern, in der Kräuterwerkstatt Cremes rühren und in der wilden Werkstatt bauen. Da kommt keine Langeweile auf. Das Handy wird gerne in den Rucksack gepackt, und erst nach einer Woche wieder herausgenommen.

Schön, dass es Camps wie diese gibt, wo Kinder den Kontakt zur Natur spüren. Denn immer öfter warnen Wissenschafter: Die Natur war Kindern noch nie so fremd wie heute, noch nie haben sich Kinder so wenig im Freien aufgehalten. Dieses Phänomen wird als „erschreckende Naturvergessenheit“ diagnostiziert. War es früher selbstverständlich, dass man sich nachmittags mit Freunden zum „Herumstreunen“ traf, gibt es heutzutage eher selten solche spontanen ungeplanten Miteinander. Dabei ist es doch so einfach, die Natur zu genießen. Dieses Camp zeigt es vor!

Susanne Zita, Kronen Zeitung

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