10.05.2020 13:55 |

Experten warnen

Corona: Brandgefährliche Verschwörungstheorien

Der Sänger Xavier Naidoo predigte jüngst, er wisse nicht einmal, ob das Coronavirus existiere. Leute wie der Barde oder querköpfige Wissenschaftler erreichen besonders viele Menschen. Die WHO warnt gar: „Verschwörungstheorien verbreiten sich schneller als das Virus selbst.“ Krude Thesen gibt es genug: Die Chinesen haben Corona freigesetzt, Microsoft-Gründer Bill Gates steckt dahinter, die Pharmaindustrie, auch antisemitische Anflüge dürfen nicht fehlen.

Claus Oberhauser von der pädagogischen Hochschule Tirol sagt: „In Krisenzeiten wirken Verschwörungstheorien besonders stark. Jeder Zweite glaubt an irgendeine Verschwörung. Unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildung.“ Diese Theorien bieten nicht nur einfache Lösungen, sondern transportierten auch Stereotype, die sich irgendwann verfestigen.

„Einen wahren Kern gibt es zumeist“
Ein Katalysator seien die sozialen Medien, alternative Quellen zu den Mainstream-Medien, die nicht zuletzt von Politikern wie US-Präsident Donald Trump als Fake-News-Produzenten bezeichnet werden. Man müsse aber aufpassen, damit nicht jede Kritik an Politiker-Aussagen als „Spinnerei“ abgetan werde. Denn: „Einen wahren Kern gibt es zumeist bei Verschwörungstheorien.“

„Seltsames Verhalten“ oft gemeldet
Auch Ulrike Schiesser von der Bundesstelle für Sektenfragen warnt: „Leute wie der Virologe Christian Drosten bekommen Morddrohungen. Verschwörungstheorien sind brandgefährlich und verstärken Risse in der Gesellschaft.“ Die Psychologin sagt: „Zurzeit ist es wie eine Lawine. Viele kontaktieren uns, um über seltsames Verhalten ihrer Partner oder Verwandten zu berichten.“ Hinzu komme eine Lust am Gruseln, die durch Verschwörungstheorien befriedigt würde.

Zitat Icon

Viele Menschen sind verunsichert, haben keine Perspektiven und suchen nach einfachen Lösungen.

Ulrike Schiesser, Psychologin

Nachrichtenquellen kritisch hinterfragen
Doch was tun? In einem ersten Schritt durchaus die Theorie diskutieren - besser jedoch ist es, die Quellen zu hinterfragen und schließlich zu erörtern, wie es dem Betroffenen mit seiner Theorie geht und was er anders machen würde. Oft aber gibt es das vermeintliche Totschlagargument: Beweise mir, dass ich falsch liege ... Der richtige Begriff ist jedoch nicht Totschlagargument, sondern Ignoranzargument. Denn nur, weil man das Gegenteil einer Theorie nicht beweisen kann, heißt das noch lange nicht, dass sie wahr ist.

Fragen stellen und Alternativen aufzeigen
Die Beweislastumkehr ist ein Mittel, das Verschwörungstheoretiker gerne für sich nutzen, um davon abzulenken, dass ihre Theorien oft nur wenig oder gar keine Grundlage haben. Die Expertin für Verschwörungstheorien und Gründerin der Initiative „Der Goldene Aluhut“, Giulia Silberberger, sagt im Interview mit dem deutschen „Tagesspiegel“, dass man Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, Fragen stellen und Alternativen aufzeigen sollte.

Bei besonders verbissenen Verschwörungstheoretikern bringe ein Quellencheck jedoch leider auch nicht viel, so Silberberger - denn jeder Angriff auf ein gefestigtes Weltbild werde „als Bestätigung des eigenen Glaubens gewertet“.

Die Verschwörungstheorien haben im Corona-Kontext zudem übrigens nicht ihren Höhepunkt erreicht, sagt Historiker Oberhauser. Er ist jedoch ziemlich sicher: „Wenn einmal ein Impfstoff da ist, dann werden erneut Verschwörungstheoretiker auf den Plan treten.“

Kronen Zeitung/krone.at

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