11.04.2020 10:00 |

Saubere Luft

Erste Messungen belegen: Virus tut der Umwelt gut

Blauer Himmel in China, saubere Kanäle in Venedig und gute Luft in Tirol. Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Natur sind durchaus positiv. Doch hält dieser Effekt an? Experten der Uni Innsbruck sind skeptisch.

Nicht nur globale Verunsicherung und massive Einschnitte in unser Leben sind Folgen der Coronakrise. Vormals tagesaktuelle Themen wie der Klimawandel spielen im öffentlichen Diskurs derzeit kaum eine Rolle. Die umweltpolitischen Fragen sind aber noch lange nicht beantwortet. Jetzt müssen sie in einem neuen Licht gesehen werden.

Viel weniger Schadstoffe
Derzeit profitiert die Umwelt. Auf Tirols Landesstraßen sind die Auswirkungen der Coronakrise klar ersichtlich. Der Individualverkehr ist um 74 Prozent und die Lkw-Belastung um 50 Prozent zurückgegangen. Da es nun weniger Verkehr gibt, kann auch ein klarer Rückgang der Luftschadstoffwerte sowie der Lärmbelastung verzeichnet werden.

Schon nach wenigen Tagen Ausgangssperre registrierte das Innsbrucker Luftchemieobservatorium der Universität deutlich weniger Stickoxide und andere Schadstoffe in der Luft. Atmosphärenforscher Thomas Karl spricht von einer Halbierung der Emissionswerte innerhalb einer Woche. Aufatmen kann man aber nicht nur in der Landeshauptstadt.

Auch an der Autobahn wurden zuletzt weniger Schadstoffe gemessen als zu anderen Zeiten. Laut Umweltbundesamt lag die Feinstaubbelastung bei der Messstelle Vomp in den vergangenen vier Wochen meistens unter 20 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Grenzwert liegt bei 50 und wird dort bekanntlich bei hohem Verkehrsaufkommen regelmäßig überschritten.

Nur kurzfristiger Effekt
Doch wirken die unfreiwilligen Umweltschutz-Maßnahmen auch langfristig? Der Innsbrucker Ökologe Johannes Rüdisser ist skeptisch: „Man darf diese Werte nicht überinterpretieren. Die Probleme des Klimawandels haben sich nicht gelöst, nur weil wir einige Wochen weniger Schadstoffe produzieren.“

So sieht es auch Thomas Karl: „Viele Luftschadstoffe haben eine kurze Verweilzeit in der Atmosphäre - bei großflächigen Verkehrsbeschränkungen in Europa könnte ein positiver Effekt ein paar Wochen anhalten, länger aber wahrscheinlich nicht.“

Veränderung ist möglich
Verbesserte Umweltwerte auf Kosten der persönlichen Freiheit zu erzielen, ist auf Dauer weder wünschenswert noch realistisch. Man kann allerdings klar erkennen, dass Veränderung möglich ist. Darauf weisen die Experten hin. Ihre Hoffnung auf ein Umdenken durch die Corona-Erfahrungen ist allerdings relativ gering. Rüdisser fordert dennoch „eine sehr ernsthafte und breite gesellschaftliche Diskussion darüber, welche Auswirkungen unser Handeln hat“.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung
Jakob Häusle, Kronen Zeitung

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