06.04.2020 10:43 |

Exporte gefährdet

China braucht nach Corona mehr eigene Rohstoffe

China ist der bedeutendste Produzent von 17 der 27 laut EU „kritischen“ Rohstoffe. Mit den Folgen der Corona-Krise vollzieht das bevölkerungsreichste Land der Erde auch einen wirtschaftlichen Strategiewechsel. Es sollen vermehrt hochwertige Produkte produziert werden - Experten befürchten nun Engpässe bei der Versorgung in Europa.

Die Rohstoffgroßmacht China könnte wegen neuer politischer Vorgaben und der Folgen der Corona-Krise künftig deutlich geringere Mengen an ihre globalen Handelspartner vergeben. Davon betroffen sind insbesondere kritische Rohstoffe, also jene Materialien, welche von hoher wirtschaftlicher Bedeutung sind, jedoch kein freier und fairer Zugang auf dem Weltmarkt sowie keine dauerhafte Versorgung aus Rohstoffquellen innerhalb Europas gegeben ist.

Versorgungsengpässe befürchtet
Die aktuelle Strategie berge das Risiko, dass die Volksrepublik kritische Grundstoffe verstärkt für die eigene industrielle Fertigung einsetze, um höherwertige Produkte herstellen zu können. Den Experten zufolge ist China der bedeutendste Produzent von 17 derjenigen 27 Rohstoffe, die die EU als „kritisch“ einstuft. „Die Lieferabhängigkeit birgt die Gefahr von Versorgungsengpässen, wenn unvorhersehbare industriepolitische Maßnahmen oder Ereignisse wie die aktuelle Covid-19-Pandemie auftreten“, hieß es.

China investiert vermehrt im Ausland
Die chinesische Führung hat offenbar eine veränderte Rohstoffpolitik im Blick. Bei mineralischen Ressourcen wie Seltenen Erden, Magnesium oder Wolfram wächst der Eigenbedarf. Die Versorgung mit Rohstoffen, von denen das Land selbst viel importieren muss, soll zudem durch weitere Auslandsinvestitionen abgesichert werden. China ist vor allem in Afrika aktiv und konkurriert dort mit anderen Staaten.

Bessere Umweltstandards für gute Geschäftsbeziehungen
Angesichts des sich insgesamt abkühlenden Wachstums im Land kommt aber noch ein weiterer Faktor hinzu: Die stärkere Orientierung an höheren Umweltstandards und weniger klimaschädlichem Bergbau könnte neue Exportmöglichkeiten eröffnen. So erkennen chinesische Unternehmen zunehmend, dass die nachhaltige Beschaffung von Rohstoffen eine wichtige Voraussetzung für gute Geschäftsbeziehungen darstellt.

Viele Länder von China abhängig
So dürfte Chinas eigene Nachfrage nach Hightech-Metallen wie Kobalt oder Lithium um mehr als zehn Prozent zulegen. Andererseits müssen viele Länder weiterhin chinesische Rohstoffe beziehen. Bei Magnesium, das etwa im Leichtbau der Auto- oder Computerindustrie eingesetzt wird, hat China einen Produktionsanteil von mehr als 80 Prozent. In der Vergangenheit hatte Peking bei einigen Metallen seine Ausfuhren auch künstlich verknappt.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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