05.04.2020 21:00 |

Lost in Isolation

Mein neuer Plan vom Glück in der Corona-Krise

Mit der Corona-Pandemie hat auch meine Familie Neuland betreten. So intensiv haben wir drei noch nie Zeit miteinander verbracht. Wir schlagen uns tapfer. Vieles ist wie immer, aber noch viel mehr neu.

Home-Office gab es zwar früher auch immer wieder mal bei uns, aber in dieser Intensität ist es für unsere zehnjährige Tochter definitiv neu. Brav wartet sie, bis berufliche Telefonate zu Ende sind. Bleibt geduldig, wenn ich, in einen Artikel versunken, nicht gleich eine Antwort gebe. Zeigt sich zufrieden, wenn drei Tage hintereinander Käpt‘n Iglo Fischstäbchen auftischt. Hauptsache, Ketchup ist auf dem Teller.

Den Lernplatz selbst ausgewählt, sitzt sie zwischen meinem Mann und mir und gibt uns mit Vorliebe Knobelaufgaben. Bei den kniffligen Mathe-Übungen versuche ich, wie sonst auch, so zu tun, als verstünde ich, was sie von mir will. Man hat ja Vorbildwirkung. Mein sportlicher Ehemann hat endlich die tägliche Turnstunde durchgesetzt. Seiner Meinung nach das wichtigste Fach überhaupt. Danach kommt bei ihm, dem Architekten, gleich Mathematik. Was ich persönlich nicht ganz nachvollziehen kann. Aber Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.

Wir haben uns gefunden - auch in der Krise. Sind größtenteils harmonisch. Und wenn wir mal streiten, dann spielen wir nicht beleidigte Leberwurst, worin wir eigentlich beide Profis sind, sondern diskutieren alles gleich aus. Meine Tochter erklärt mir täglich die Welt. Nur manchmal muss ich ihr Weltbild wieder ins rechte Licht rücken. Dass sie von klein an lieber daheim spielt, als permanent on tour zu sein, ist jetzt von Vorteil.

Der Tag braucht Struktur. Das haben wir schnell begriffen. Morgens nach dem Aufstehen ist eigentlich noch alles so wie sonst auch in unserem Berufs-/Schulalltag: Zähne putzen, anziehen, frühstücken. Doch spätestens dann startet bei mir das Kopfkino. Ich sehe mich immer öfter in die Arbeit fahren, mit meinen Kollegen in der Mittagspause scherzen. Ich träume davon, dass mich unser Kantinen-Chefkoch Peter mit der Frage „Wenig Nudeln, viel Sugo?“ und einer Extraportion Parmesan umsorgt. Ich sehe mich mich nach getaner Arbeit mit meinen Freundinnen treffen und das tun, was wir am besten können: über uns selbst lachen. Mir fehlen die Umarmungen meiner Eltern, die aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören.

Immer öfter ertappe ich mich dabei, dass mir das Telefonieren und Skypen mit ihnen nicht mehr reicht. Was die räumliche Isolation betrifft, nehme ich mir ein Beispiel an meinem Bruder. Er lebt mit seiner Freundin auf engstem Raum, wobei die Hälfte der Wohnung bereits diverse Bildschirme für das Home-Office einnehmen. An meiner großen Schwester orientiere ich mich sowieso. Sie sieht auch in der Krise viel Positives.

Abends ist dann wieder alles so, wie es sein soll. Ein Gefühl stellt sich ein, als wenn es den Hausarrest gar nicht gebe und wir tags darauf wieder in einen ganz normalen Alltag starten. Aber was ist schon normal? Diese Frage stelle ich mir dieser Tage immer öfter. Nicht, dass ich vom Typ her der Philosoph bin. Aber Corona ist so abstrakt, so surreal, so wenig begreifbar, dass auch ich mich neu entdecke. Irgendwann hat die Krise ein Ende, sage ich zu meinem Mann vor dem Einschlafen. Und solange Iglo die heimischen Supermärkte beliefert, ist alles gut. Dann lachen wir und schmieden aufregende Pläne für den nächsten Tag: Vielleicht einmal ein dreigängiges Menü zwischen dem Home-Office kochen oder den Start einer neuen Netflix-Serie wagen? Ja, das Leben kann so einfach sein.

Susanne Zita, Kronen Zeitung

Lost in isolation: Der Großteil unserer Redaktion befindet sich derzeit zu Hause und muss sich - wie alle im Land - in einem völlig neuen Alltag zurechtfinden. Die Herausforderung, Job, Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen, hat eine neue Dimension erreicht. Unsere Erfahrungen und Gedanken zu dieser neuen Realität wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: krone.at lost in isolation. Alle Artikel unserer Serie finden Sie hier!

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