30.03.2020 14:55 |

„Von Ziel entfernt“

Engpässe bei Intensivbetten in 2 Wochen befürchtet

Wenn sich das neuartige Coronavirus weiter so ausbreitet wie bisher, könnten bereits in zwei Wochen Engpässe in Österreichs Spitälern auftreten - und die Kapazitäten an lebensrettenden Intensivbetten erschöpft sein, warnte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Montag. Wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei der Pressekonferenz der Regierung verkündete, ist die Ansteckungsrate noch immer viel zu hoch: „Wir sind von unserem Ziel noch weit entfernt.“

Mit jedem Tag verschärft sich die Lage in den heimischen Krankenhäusern: Mit Stand 27. März waren in Österreich 1071 von 2159 Intensivbetten frei - das entspricht der Hälfte der Gesamtkapazität. In Salzburg sind noch etwa 62 Prozent der Betten frei, in anderen Bundesländern wie dem Burgenland (20 Prozent) und Kärnten (29 Prozent) gestaltet sich die Lage allerdings dramatischer. Momentan werden 999 Corona-Patienten im Spital und 193 weitere auf Intensivstationen behandelt.

Es stehen insgesamt 2584 Beatmungsgeräte zur Verfügung - dafür stehen allerdings nur noch 908 oder 35 Prozent für Corona-Patienten bereit. Die anderen sind für Patienten mit anderen Erkrankungen im Einsatz.

Die meisten Geräte sind in Oberösterreich und Salzburg frei
Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Kapazitäten regional sehr unterschiedlich verteilt sind. So sind etwa in Niederösterreich nur noch 50 von insgesamt 550 Geräten (neun Prozent) frei. Vergleichsweise gering sind die freien Kapazitäten auch in der Steiermark (16 Prozent) und in Wien (19 Prozent). Das am stärksten von der Krise betroffene Bundesland Tirol hat noch 126 von 215 Geräten frei (59 Prozent). Am entspanntesten ist die Lage in Oberösterreich (70 Prozent) und in Salzburg (82 Prozent).

Die Verdoppelungsrate bei den Erkrankungsfällen habe sich zwar von 2,5 Tage vor drei Wochen auf aktuell 5,9 Tage erhöht. Doch auch das ist noch zu hoch, erklärte Anschober. Mit neuen Maßnahmen, wie die Maskenpflicht in Supermärkten, will man die Ausbreitung des Erregers nun weiter eindämmen. Österreich habe „einen großen Lernprozess“ vor sich. Bisher habe man - verglichen mit einem Marathon - „ein paar Kilometer geschafft, aber wir sind vom Ziel noch weit entfernt“. Denn „die schwerste Gesundheitskrise geht in einem besorgniserregenden Tempo voran“.

Masken dienen dem Schutz anderer Menschen, nicht sich selbst
Die Infektionen müssen „so reduziert werden, dass wir de facto mittelfristig keine Zuwächse mehr haben“. Damit sollen „möglichst die Kapazitätsgrenzen in den Spitälern nicht überschritten werden“. Die Nase-Mund-Masken bieten keinen 100-prozentigen-Schutz, sich selbst zu infizieren, aber könnten verhindern, dass andere angesteckt werden. Wenn man hustet, schleudert man den Erreger nicht in die Luft. „Sie haben einen Wirkungszeitraum von vier Stunden“ und dienen dem „Schutz der Kapazitäten in den Spitälern“, betonte Anschober.

Stichproben-Tests sollen Dunkelziffer aufdecken
Bei den Tests arbeite die Regierung nach wie vor daran, „dass es einen schrittweisen Ausbau gibt“. Jedoch habe man „da durchaus eine angespannte Situation“. Bei den Antikörpertests mache „die Industrie ganz große Fortschritte“. Diese sollen „in einem überschaubaren Zeithorizont breit“ ausgerollt werden. Man führe derzeit eine Stichproben-Testung bei 2000 Personen durch, erklärte Kurz. Damit werde man Ende der Woche abschätzen können, wie viele Personen tatsächlich infiziert sind. Auch beim medizinischen Personal werden entsprechende Testungen durchgeführt.

Repräsentative Stichprobe soll transparentere Zahlen liefern
Testet man nur Verdachtsfälle, wird das tatsächliche Bild bei den Infektionen verzerrt - die Anzahl der Test sei einerseits gering, außerdem komme bei steigender Fallzahl mit dem Testen nur schwer nach. Werden nur Personen mit Symptomen überprüft, ist der Prozentsatz der positiven Fälle wesentlich höher als bei Stichproben zufällig ausgewählter Personen. Bei der repräsentativen Stichprobe kann man auch die Dunkelziffer bestimmen. Die Testgruppe wird so zusammengestellt ist, dass sie etwa der Altersstruktur, der Geschlechterverteilung, Einkommens- und Bildungsstruktur oder der Verteilung der Bevölkerung über die Regionen des Landes entspricht. Dadurch lassen sich stimmige Aussagen zur Situation in der Gesamtbevölkerung treffen.

Stichproben werden mehr Fälle, aber geringere Letalitätssrate aufzeigen
Umgelegt auf die Corona-Tests kann so festgestellt werden, wie viele Menschen landesweit tatsächlich infiziert sind. Die Abschätzung der Dunkelziffer ist für mehrere Faktoren wichtig: Einerseits können auch Personen ohne bzw. mit nur sehr milden Symptomen andere infizieren - eine hohe Dunkelziffer würde also die Einschätzung der weiteren Verbreitungskurven negativ beeinflussen. Umgekehrt würde eine hohe Dunkelziffer aber auch bedeuten, dass die Raten zu Hospitalität und Tödlichkeit sinken, also weniger Infizierte auch ins Krankenhaus müssen bzw. sterben.

Zur weiteren Abschätzung der Entwicklung könnten dann die Stichprobentests regelmäßig - etwa wöchentlich - wiederholt werden. Dann müsste natürlich eine neue Stichprobe ausgewählt werden. Ein noch besseres Bild ergäbe sich dann, wenn die bisher noch nicht vorliegenden Antikörpertests zum Einsatz kommen. So kann man nicht nur messen, wer infiziert und wer nicht infiziert ist, sondern auch, wer bereits immun ist.

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