"Diese Entscheidung erscheint wie eine kollektive Strafe nach dem Fiasko bei der WM", kommentierte das Fachmagazin "France Football" in der Online-Ausgabe. Der neue Coach der "Equipe tricolore" wolle nach diesem ersten "Denkzettel" für die WM-Teilnehmer die Vergangenheit ruhen lassen und "ein neues Kapitel beginnen".
Bei WM in Südafrika sieglos ausgeschieden
Unter Blancs Vorgänger Raymond Domenech war Frankreich bei der WM in Südafrika nach der Vorrunde sieglos ausgeschieden. Aber der Weltmeister von 1998 blamierte sich nicht nur auf dem Rasen. Vor allem die Skandale abseits des Platzes mit der Trainer-Beschimpfung durch Nicolas Anelka, dem Ausschluss des Stürmers und einem Trainingsboykott sorgten zu Hause in Frankreich für Empörung. Kritik gab es sogar von Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der Rekordtorjäger Thierry Henry im Regierungspalast um Aufklärung bat und sich in die Aufarbeitung des Debakels einmischte.
Auch Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes hatte aus der blamablen WM-Vorstellung die Konsequenzen gezogen und nach dem Turnier in Südafrika seinen Rücktritt erklärt. Am Freitag bestimmte die FFF Fernand Duchaussoy zu Escalettes' interimistischem Nachfolger. Er soll den Verband nun zumindest bis zur Generalversammlung im Dezember leiten. "Wir werden ein Programm entwickeln, das zu einem moderneren, gerechteren und demokratischeren Verband führen wird", sagte Frederic Thiriez, Präsident der französischen Profiliga LFP.
Anklageverfahren gegen Ribery und Benzema
Duchaussoy hatte sich bereits für einen vorläufigen Nationalelf-Ausschluss von FC-Bayern-Star Franck Ribery und Real-Madrid-Stürmer Karim Benzema ausgesprochen. Gegen beide Stars leitete die Justiz in Frankreich ein Anklageverfahren wegen bezahlten Geschlechtsverkehrs mit einer minderjährigen Prostituierten ein.
Wie Ex-Nationalspieler und Ratsmitglied Lilian Thuram, mehrere Funktionäre und Politiker befürwortete auch Duchaussoy eine Suspendierung der für das WM-Chaos verantwortlichen Profis. Der scheidende Verbandschef Escalettes eröffnete bereits eine Untersuchung des "Trainingsstreiks von Knysna". Verantwortliche sollen zur Rechenschaft gezogen werden.
Sponsoren wollen eine Million Euro zurück
Die Sponsoren des französischen Nationalteams verlangen indes "ein bisschen mehr als eine Million Euro" als Entschädigungszahlung vom französischen Verband (FFF) wegen der blamablen Vorfälle in Südafrika. "Die Sponsoren haben gesagt: 'Wir haben dadurch einen Schaden erlitten und wollen dafür entschädigt werden'", teilte FFF-Schatzmeister Bernard Desumer am Freitag mit. Es handelt sich dabei um die Großsponsoren Suez, Carrefour und Credit Agricole.
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