Es war das Jahrhundertspiel für den LASK - doch genau dieses hatte man sich eigentlich ganz anders vorgestellt. Das Coronavirus verhinderte den nächsten Fan-Ansturm auf die Gugl, der Europa-League-Achtelfinalkracher gegen Manchester United ging am Donnerstag vor leeren Rängen über die Bühne. krone.at war bei der 0:5-Niederlage der Linzer im Stadion und berichtet von der Geister-Atmosphäre.
Schon bei der Ankunft an der Hotelrezeption am Mittwoch wird man mit dem Thema Nummer eins in Linz konfrontiert. „Beim Stadion wird ja jetzt nichts los sein“, wird eine Mitarbeiterin, die vorwiegend mit Stornierungen beschäftigt ist, nicht Unrecht behalten. Zahlreiche Engländer haben das Geisterspiel mit Bedauern zur Kenntnis genommen und ihre Reise nach Oberösterreich abgesagt, schildert sie krone.at. Auch in einem Restaurant in der Nähe des Linzer Hauptbahnhofes spricht man (fast) nur über die LASK-Partie: „Wäre es kein Geisterspiel, dann wäre hier jetzt schon die Hölle los.“
Bei den Abschlusspressekonferenzen am Mittwochabend drängen das Coronavirus und die zu erwartende Geisterkulisse die sportlichen Fragen in den Hintergrund. „Die Spieler müssen sich ihre eigene Atmosphäre schaffen. Ein Training oder Testspiele steigen auch ohne Zuschauer“, fordert etwa Manchester-United-Trainer Ole Gunnar Solskjaer, der mit einem Norwegen-Sager dann aber auch noch für Lacher sorgt. Kurios: Der LASK wurde von den englischen Journalisten gekonnt ignoriert.
Leere statt Fanandrang
Donnerstag - nur noch wenige Stunden bis zum Spiel des Jahrhunderts für die Linzer. Doch statt eines Fanandrangs herrscht beinahe gähnende Leere in der Hauptstadt Oberösterreichs: Das macht sich schon am Weg zum Stadion bemerkbar. Bei diesem angekommen gibt es freie Parkplätze so weit das Auge reicht.
Schlangen an den Eingängen? Fehlanzeige! 50.000 Karten hätte der LASK für den Hit verkaufen können. Nach dem Corona-Erlass der Bundesregierung muss das Spiel nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Dafür gab es auch kritische Worte von LASK-Präsident Siegmund Gruber in Richtung der Regierung. Einzelne Fans - vorwiegend aus England - versuchen es dennoch, untertags ins Stadion zu gelangen, wie ein Ordner vor dem Stadion verrät. Wenig später werden die Eingänge von der Polizei abgeriegelt.
Am Ende sind es nur 500 sogenannte Teilnehmer, die im Stadion bei angenehmen Temperaturen Platz nehmen. Dabei handelt es sich um Spieler, Betreuer, Präsidiumsmitglieder, Delegierte, TV-Mitarbeiter, Journalisten, Freunde und Familienmitglieder. Außerhalb des Stadions wird vor dem Anpfiff ein Feuerwerk gezündet. 18.55 Uhr, Ankick des Jahrhundertspiels für den LASK, davor gibt es eine Trauerminute für den verstorbenen Ex-Spieler Heribert Trubrig, auf den obligatorischen Handshake zwischen den beiden Mannschaften wird übrigens verzichtet. Statt Fan-Gesänge hört man die Anweisungen der Trainer sowie die Rufe der Spieler. Eine eigenartige Atmosphäre auf der Linzer Gugl. Vor allem für die Spieler, die 90 Minuten lang ohne den „12. Mann“ auskommen mussten, auch wenn die Mini-Kulisse immer wieder Anfeuerungsversuche für den LASK startet.
Mixed Zone wird zur Sperrzone
Auch nach dem Abpfiff gibt es keine Rückkehr zur Fußball-Normalität. Wer sich in der Mixed Zone Stimmen der LASK- und Manchester-United-Spieler erhoffte, wartete vergeblich.
Als Vorsichtsmaßnahme aufgrund des Coronavirus stellten sich die Schützlinge von Valerien Ismael und Ole Gunnar Solskjaer nicht den Fragen der Journalisten. Und es passte zu diesem Europa-League-Abend der völlig anderen Art ...
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