Zuvor hatte sich auch DFB-Legende Lothar Matthäus in den Machtkampf eingeschaltet und Phillip Lahm Unterstützung ausgesprochen. "Er hat sich das Amt hart erarbeitet und übt es hervorragend aus", sagte der Rekordspieler, der in 150 Länderspielen 49 Tore erzielte.
Matthäus riet Michael Ballack sogar unverblümt zum Rücktritt. "Wenn er jetzt sagen würde, das Team ist ohne mich stark genug, ich trete zurück und konzentriere mich auf Bayer Leverkusen, dann würde er nochmals Größe beweisen. Und er würde sein Gesicht wahren", meinte der 49-Jährige. Sportlich sei der 33-Jährige ohnehin ersetzbar, die Mannschaft spiele ohne Ballack besser und erfolgreicher.
Lahm: "Klar will ich die Binde behalten"
Ballack hatte am Montag das Team-Camp überraschend verlassen und die Heimreise angetreten. "Ich muss jetzt auch an mich und meinen neuen Verein Bayer Leverkusen denken und schnell wieder fit werden", lautete Ballacks offizielle Begründung. Nur wenige Stunden zuvor hatte der 26-jährige Lahm gesagt: "Es ist doch klar, dass ich die Kapitänsbinde gerne behalten möchte. Die Rolle auf dem Platz erfülle ich seit mehreren Jahren, die habe ich im Griff. Dann will man sich auch um mehr kümmern, mehr Verantwortung übernehmen. Das habe ich jetzt hier gemacht. Warum soll ich dann das Kapitänsamt wieder freiwillig zur Verfügung stellen?"
Viel Lob ...
Der Bayern-Profi hat in Südafrika die Rolle in dem jungen DFB-Team mit viel Engagement ausgefüllt und dafür viel Lob erhalten. "Freiwillig werde ich sie ganz sicher nicht abgeben", sagte Lahm auf die Frage, ob er die Kapitänsbinde nach der WM wieder feierlich an Ballack überreichen werde. "Aber das wird die Entscheidung des Bundestrainers sein", so Lahm.
... und Kritik
Oliver Bierhoff hat indes den von Lahm ausgelösten Machtkampf um das Kapitäns-Amt verurteilt. "Der Zeitpunkt ist nicht so glücklich", erklärte der Team-Manager. "Jede Diskussion ist unnötig. Letztlich ist das alles ein Thema, das jetzt in dieser Woche keine Rolle spielen darf. Jetzt geht es darum, die letzten zwei Spiele erfolgreich zu bestreiten. Alles andere kommt danach. Es ist schade, dass so etwas zusammenkommt und zu Missinterpretationen führen kann."
Bierhoff versicherte, dass es intern aber keine Missstimmungen gebe, und stellte als Mitglied der sportlichen Leitung den momentanen Status nochmals klar: "Philipp Lahm ist der WM-Kapitän und Michael Ballack ist der Kapitän."
Teamchef hofft auf Ballack als Zuschauer beim Finale
Teamchef Löw hofft jedenfalls, dass Ballack im Falle eines Final-Einzugs noch einmal nach Südafrika reist, und machte sich weiter intensive Gedanken darüber, wie er den Ausfall des gesperrten Thomas Müller kompensieren kann. Eine Entscheidung will er jedenfalls erst am Spieltag treffen. "Es gibt drei Möglichkeiten: Trochowski, Cacau oder Kroos. Einer von den dreien wird es sein", kündigte der Bundestrainer an.
Hinsichtlich der Taktik sagte Löw, dass er auch gegen den Europameister "nicht bewusst defensiver spielen" lassen wolle. "Unsere Offensivkraft hat uns die Siege gegen England und Argentinien beschert", erinnerte Löw.
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