02.12.2019 12:58 |

Nach 62. Sieg

Shiffrin hat jetzt Hirscher-Bestmarke im Visier

Im Jahr eins nach Lindsey Vonn und Marcel Hirscher hat Mikaela Shiffrin rasch klargestellt, dass sie nun die Lichtgestalt im Alpinski-Zirkus ist. Innerhalb einer Woche attackierte die Amerikanerin mit ihren Weltcupsiegen Nummer 61 (Levi) und 62 (Killington) Bestmarken von Ingemar Stennark und Annemarie Moser-Pröll. Die erst 24-Jährige Shiffrin zeigt aber weiter viel Resekt für die Legenden. Als nächste hat sie jetzt Marcel Hirscher im Visier.

„Es sieht ganz so aus, als ob es weitergeht mit den Rekorden“, war Shiffrin in Killington das Thema fast schon ein wenig unangenehm. „Rekorde sind einfach nur ein Symbol für meine Karriere. Für meine Arbeit, für die Arbeit des gesamten Teams. Wir versuchen jeden Tag das Beste“, versuchte Shiffrin bescheiden zu bleiben.

Moser-Pröll-Rekord
Die Vergleiche mit den Leistungen der Heldinnen und Helden von früher findet Shiffrin ohnehin unpassend. „Für mich werden ihre Rekorde immer bestehen. Ich sorge lediglich für neue Zahlen“, meinte sie. „Ich hasse die Vorstellung, dass sich jemand denkt, man wird mich jetzt vergessen. Niemand wird Ingemar oder die anderen jemals vergessen“, ist die Amerikanerin überzeugt. „Ich habe Riesen-Respekt für sie alle und hoffe, Annemarie bald wieder zu treffen. Sie ist einzigartig.“

Hirscher-Bestmarke
Shiffrin ist dennoch in der Lage, alle bestehenden Rekorde anzugreifen. Und sie wird daheim immer populärer, obwohl der Skirennlauf in den USA eine Randsportart ist. An der US-Ostküste, wo das etwas anders ist, pilgerten 40.000 Fans vor allem wegen ihr in die Green Mountains. Shiffrins nächste Marke sind die 67 Weltcupsiege von Marcel Hirscher, danach hätte sie nur noch Vonn (82) und Stenmark (86) vor sich.

Stenmark-Rekord
Einer, der das Ski-Phänomen Shiffrin erklären kann, ist Kilian Albrecht. Der ehemalige ÖSV-Rennläufer hat die Karriere Shiffrins als Manager vom Teenager-Alter weg begleitet. „So wie sie mit 14 schon gefahren ist, hat man gewusst, dass da etwas Außergewöhnliches ist. Trotzdem ist so etwas nicht planbar“, meinte der Vorarlberger nach Shiffrins Slalomsieg mit Mega-Vorsprung in Killington. „Da muss schon sehr viel zusammenpassen, damit so etwas funktioniert. Sie arbeitet hart, trainiert viel und ist sehr, sehr professionell“, lautet Albrechts Urteil.

Dass Shiffrin im Gegensatz zur knapp gescheiterten Vonn aufgrund ihres Alters selbst den letzten vermeintlichen „Allzeit“-Rekord Stenmarks brechen kann, ist auch Albrecht bewusst. „Sie ist mit 24 Jahren noch nicht am Limit, macht selbst im Slalom immer noch bessere Schwünge“, ist der Österreicher überzeugt. An Rekorde zu denken, bringe aber nichts. „Wir nehmen es weiter von Rennen zu Rennen. Mikas Erfolg beruht darauf, dass sie nicht an diese Rekorde denkt. Sie sind eine Auszeichnung und ein Zeichen dafür, wie gut sie wirklich ist. Aber Rekorde sind nicht das primäre Ziel.“

„Wirklich bewundernswert“
Nach Podiumsplätzen in allen vier bisherigen Technik-Rennen inklusive zwei Slalomsiegen geht es auch für Shiffrin nun zum Speed-Auftakt nach Lake Louise. Und dort will das Technik-Genie unter Beweis stellen, dass es diesen Winter auch in Abfahrt und Super-G wieder viel drauf hat. Am liebsten gleich mit weiteren Kugelgewinnen.

„Voriges Jahr war Lake Louise ihre erste Speed-Erfahrung seit September“, erinnerte Albrecht. Dennoch hatte Shiffrin vor einem Jahr in Kanada erstmals auch im Super-G und damit auch in ihrer letzten noch fehlenden Weltcup-Disziplin gewonnen. In einer Übergangssaison ohne WM will nun Shiffrin auch im Speed nichts dem Zufall überlassen. „Heuer hat sie wirklich mega trainiert und ist für Lake Louise sehr gut vorbereitet“, traut Albrecht seinem Schützling deshalb viel zu.

Natürlich sei Shiffrin gegenüber den Speed-Spezialistinnen trotzdem etwas hinterher. „Aber sie hat auch ein unglaubliches Gefühl im Speed“, so Albrecht, der gleichzeitig warnt: „Sie kann auf Dauer nicht alles fahren und in keiner Disziplin ist es ein Spaziergang im Park. Aber wie Mika das insgesamt alles macht, ist wirklich bewundernswert. Sie ist eine Skifahrerin, wie es sie selten gegeben hat.“

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