Wirklich überraschend war das eher sparsame Auftreten der Brasilianer, bei denen Superstar Kaka völlig blass blieb, nicht. Schließlich wird Dunga aufgrund seiner Spielweise in der Heimat seit Monaten hart kritisiert. Ganz seiner Mentalität entsprechend wünscht sich Dunga für die weiteren WM-Spiele des fünffachen Champions vor allem eines: "Es geht immer nur um Effizienz, im Angriff und in der Abwehr. Ohne Effizienz kommt man nirgends hin."
Das älteste WM-Team
Brasilien, das mit durchschnittlichen 29 Jahren und drei Monaten den ältesten der 32 WM-Kader stellt, hat in der Ära Dunga Spiele oft dank Kontertoren und individueller Genieblitze für sich entschieden. Den Raum für solche erhofft man sich in den zwei weiteren Gruppenspielen "Wenn man gegen offensivere Mannschaften spielt, dann erhält man Platz. Gegen defensive Gegner wie Nordkorea ist es hingegen schwierig", weiß Dunga.
Der Verteidiger von Champions-League-Sieger Inter Mailand brach nämlich in der 55. Minute den Bann und traf mit einem unglaublichen Schuss aus spitzestem Winkel zum 1:0. Maicon wurde bereits Sekunden nach dem Treffer von seinen Gefühlen übermannt. "Ich dachte an alles, das ich durchgemacht habe, um diesen Moment erleben zu dürfen. Ich bin sehr glücklich", berichtete Maicon nach seinem ersten WM-Spiel, in dem er gleich zum "Mann des Spiels" gewählt wurde.
Für Dunga bestand kein Zweifel, dass Maicons Tor keine abgerissene Flanke, sondern ein Geniestreich war. "Ich kann allen Leuten versprechen, dass Maicon im Training nicht erst einmal so ein Tor erzielt hat. Das war weniger ein Tormannfehler, sondern mehr die Kreativität Maicons. Der Tormann hat auf eine Flanke gewartet", so Dunga. 17 Minuten nach dem 1:0 sorgte Elano für Tor Nummer zwei der Selecao.
Tapfere Nordkoreaner
Doch Nordkorea wurde für seine Disziplin, Beharrlichkeit und auch die eine oder andere spielerische Duftnote mit einem Tor gegen Brasilien belohnt, Ji Yun-Nam verkürzte kurz vor Schluss (89.). Bis zum 0:1 hatte es sogar danach ausgesehen, als würden die Nordkoreaner ähnlich wie 1966 beim 1:0 gegen Italien für eine echte WM-Sensation sorgen. Das mehr als viermonatige Trainingscamp der Truppe aus dem hermetisch abgeriegelten Staat scheint auf jeden Fall Früchte getragen zu haben. "Wir waren sehr gut vorbereitet und haben sehr gut gekämpft und verteidigt. Wir waren sehr tapfer", bilanzierte Teamchef Kim Jong-Hun.
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