Chance auf Nobelpreis:

Das Rätsel „Schlaf“ als Motor für Forschungen

Gero Miesenböck (54), geboren in Braunau, ist ein weltbekannter Neurowissenschaftler. Er forscht und lehrt an der Universität in Oxford/Großbritannien. Er entwickelte die „Optogenetik“ und zählt nun zu 19 Favoriten für den Medizin-Nobelpreis, der am Montag, 7. Oktober verliehen wird. Der „Krone“ gibt er ein Interview.

„Krone“: Sie lehren und forschen derzeit an der Uni in Oxford. Was ist dort ideal?
Vier Bedingungen: Akademische Freiheit, wenig Lehre, gute Mitarbeiter und eine stabile Forschungsförderung. Alle diese Faktoren sind leider unter Druck wegen des drohenden Brexit.

„Krone“: Wird der Brexit Sie beeinflussen?
Selbstverständlich. Das Klima im Land hat sich gewaltig zum Schlechteren verändert. Dass am Ende die Vernunft siegen wird, wäre zwar wünschenswert, ist aber fraglich.

„Krone“: Haben Sie die britische Staatsbürgerschaft?
Nein.

„Krone“: Wie leben Sie Ihre Verbindung zu Österreich?
Ich komme gelegentlich auf Besuch, zumeist nach Wien und viel seltener nach Oberösterreich. Vor zwei Wochen habe ich jedoch mit einem Schul- und Studienfreund das Tote Gebirge von Altaussee nach Hinterstoder überquert.

„Krone“: Wären Ihre Forschungen in Österreich auch möglich gewesen? Oder was sollte man als junger Mediziner tun, wenn man forschen will?
Seit ich Österreich vor 27 Jahren verlassen habe, hat sich die Forschungslandschaft deutlich verbessert. Das Wichtigste ist, dass junge Forscher so früh wie möglich in die intellektuelle und finanzielle Unabhängigkeit entlassen werden. Das hat vor einem Vierteljahrhundert der angelsächsische Raum viel besser verstanden als wir in Österreich.

„Krone“: Kennen Sie das Kepler Universitätsklinikum in Linz? Haben Sie eine Verbindung?
Nein.

„Krone“: Was ist der medizinische Nutzen der „Optogenetik“?
Diese Grundlagenforschung wurde aus purer Neugierde unternommen. Aus unserer Arbeit könnten sich einmal neue Ansätze zur Behandlung von Schlafstörungen ergeben. Unsere wahre Motivation ist es, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, warum wir täglich für mehrere Stunden unser Bewusstsein verlieren müssen, also schlafen, trotz der damit verbundenen Schutzlosigkeit und des Verlusts an Produktivität.

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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