30.08.2019 06:30 |

Ganzjährig ein Hit

Bali - Insel der Götter, Paradies für Aussteiger

Reisfelder und Tempel zu Lande, Korallenriffe und bunte Fischerboote im Wasser. Bali gilt als exotisches Paradies für Aussteiger. Und die haben so manche Geschichte zu erzählen über dieses einzigartige Eiland im Indischen Ozean

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Der alte Schildkröten-Mann hatte zwei Frauen: Vinata, den Himmel, und Kadru, die Erde. Eifersüchtig auf Kadru und ihre vielen Nachkommen, zerschmetterte Vinata ihr erstes Ei. So entstanden Blitz und Donner. Aus dem zweiten Ei schlüpfte Aruna, die Morgendämmerung. Er verfluchte seine Mutter und machte sie zur Sklavin ihrer Rivalin. Als das dritte Ei ausgebrütet war, schlüpfte Garuda. Der schlangentötende Götterbote, der fortan auf Adlerschwingen durch die Lüfte gleiten und den Menschen geheimnisvolle Nachrichten überbringen sollte

Bali ist das Land der Götter und jener Menschen, die von ihnen erzählen. Auf der Insel im Indischen Ozean gibt es mehr Tempel als Wohnhäuser. Kleine aus Bananenblättern gefaltete Opferstöcke mit Orchideen und exotisch duftenden Räucherstäbchen sind allgegenwärtig. Gamelan-Ensembles sollen mit Bambusflöten, Gongs und Trommeln die Dämonen auf musikalische Weise besänftigen. Feuertänze werden zelebriert. Als Teil von Indonesien mit seinen 17.508 mehrheitlich muslimisch geprägten Inseln wird die Hindu-Tradition auch zum Schutz der balinesischen Identität herangezogen.

Gurus wie Kriyana Putra halten die Mythologie am Leben
Der Priester ist in einen weißen Sarong-Wickelrock gehüllt und sitzt im Schneidersitz vor einer elefantenköpfigen Ganesha-Statue. Er wippt mit dem Oberkörper wie in Trance gleichförmig vorwärts und zurück, ehe er seine Besucher in der kleinen Ortschaft Tulikup zum Tee empfängt und Weisheiten des Hinduismus verrät. Sein oberstes Prinzip, das er gleich eingangs preisgibt: „Nutze deine Augen nicht zum Denken, sondern zum Sehen.“ Ersteres solle man besser dem Hirn überlassen. Dann der Tipp des Priesters für die Jetztzeit: „Berührt nicht so oft eure Handys, sondern streichelt eher die Menschen, die ihr liebt.“ Dann entschwindet der Seher auch schon wieder in seiner mit Ölkerzen beleuchteten und Blumen geschmückten Tempelanlage.

Reiseführer August ist wie viele Bewohner hier nach seinem Geburtsmonat benannt. Er zupft sich sein kunstvoll zusammengeknotetes Udeng-Kopftuch zurecht, dessen Form an die Dreieinigkeit von Brahma, Vishnu und Shiva erinnert und faltet die Hände zur Begrüßung vor der Brust. Er lädt zur Tour über das Eiland, das für Entdecker zum Eldorado wird, da es anscheinend unendlich viel zu bieten hat. Im Süden gibt es weiße Strände und terrassenförmig angelegte Reisfelder. In den Dschungelwäldern springen neugierige Äffchen von Ast zu Ast. Kaffee und Kakao wird angebaut. Im Norden wiederum locken Vulkankegel und Kraterseen. In Städten wie Ubud oder Seminyak reihen sich Bars, Yoga-Studios und Surfer-Geschäfte aneinander. Doch alle Landesteile haben eines gemeinsam: Die Freundlichkeit der Einheimischen wirkt regelrecht ansteckend.

Ist Bali noch das „letzte Paradies“ auf Erden, wie es der britische Autor Nigel Barley in seinem gleichlautenden Roman über die Lebensgeschichte des deutschen Ethnologen Walter Spies beschrieben hat? Nicht ganz. Längst haben die modernen Errungenschaften Einzug gehalten, und niemand will das Rad der Zeit zurückdrehen. Doch was schon in den Dreißigern für Spies galt, ist bis heute ein Faktum: Nicht nur die Balinesen haben das Land geprägt, sondern auch die vielen Menschen, die gekommen sind, um zu bleiben.

Der Silberschmied John Hardy ist ein Paradebeispiel für diese Spezies. Geboren in Kanada, verschlug es den Designer Anfang der Siebzigerjahre erstmals nach Bali, wo er sich traditionelle Verarbeitungstechniken aneignete. 1996 ließ er sich in Mumbal nieder. Doch aufgrund der großen Nachfrage nach den Schmuckstücken platzte die Werkstatt bald aus allen Nähten und es musste zugebaut werden. Mittlerweile wird von hier aus die ganze Welt mit Juwelen beliefert. Alle Arbeiter kommen aus der direkten Umgebung. Vor den Toren der Firma gedeiht der Bambus, und es wird eine Öko-Landwirtschaft betrieben.

Zeit für eine Stärkung
Die balinesische Küche ist ein Kapitel für sich. Wie wär es zum Beispiel mit einer eisgekühlten Gurken-Zitronengras-Suppe? Serviert wird sie in einer aufgeschlagenen Kokosnuss, die als Teller dient. Die Hauptspeise wird unter der Anleitung des Küchenchefs im Royal Tulip Hotel zubereitet und ist so etwas wie das Nationalgericht: Satay.

„Es handelt sich dabei um Spieße aus Fisch oder Huhn, die auf dem Holzkohlegrill gebraten und mit Erdnusssauce serviert werden“, erklärt der Fachmann. Zum Nachtisch gibt es frische Mangos. Als Getränk sei das lokale Bier namens Bintang empfohlen oder ein erfrischender und alkoholfreier Mix aus Limetten, Moringablättern und Honig.

Noch ein Kaffee gefällig? Hier hat die Insel eine Spezialität der etwas anderen Art zu bieten. Für die muss man jedoch tief in die Tasche greifen, und sie ist definitiv nicht jedermanns Geschmack. Der Kopi Luwak wird aus Bohnen hergestellt, die zuvor von wild lebenden Schleichkatzen gefressen und im Zuge der Verdauung fermentiert wieder ausgeschieden werden. Gründlichst gewaschen und raffiniert verarbeitet, soll dies das ultimative Geschmackserlebnis für Koffein-Enthusiasten garantieren. Ein kleiner Espresso kommt so übrigens auf 25 Euro

Zu späterer Stunde darf es dann auch ein Cocktail sein. Die derzeit angesagteste Adresse dafür: der Omnia Beach Club in Uluwatu mit seiner kubusförmigen Bar, die einen 360-Grad-Rundblick ermöglicht. Ebenfalls schwindelfrei sollte man für ein anderes Abenteuer sein, das derzeit vor allem junge Globetrotter in den Bann zieht, weil sich die Fotos dazu wunderbar auf Instagram teilen lassen: Bali Swing. Auf den Riesenschaukeln kann man sich (gut gesichert) den Dschungel aus der Vogelperspektive geben.

Die gute Nachricht zum Schluss
Bali hat fast immer Saison. Und es liegt nicht nur an der Tatsache, dass es im Land gleich drei unterschiedliche Kalendersysteme gibt. Das ganze Jahr ist die Wassertemperatur konstant warm. Zudem bietet Thai Airways von Wien über Bangkok praktische Verbindungen an. Die Insel der Götter wartet also schon auf die menschlichen Besucher!

Gregor Brandl, Kronen Zeitung

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