17.07.2019 09:19 |

„Nicht harmlos“

Alexa und Co.: Lauschangriff im Eigenheim!

Die meisten schätzen die Bequemlichkeit und denken sich nicht viel dabei: Digitalen Assistenten wie Apples Siri, Amazons Alexa, Googles Assistant oder Microsofts Cortana sind mittlerweile immer öfter auf dem Handy mit dabei oder lauschen in den eigenen vier Wänden mit. Gefällig und klug - aber auch gefährlich, warnten Vertreter der Arbeiterkammer am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Sie spielen Lieblingslieder, erinnern an Termine, beantworten Fragen oder steuern aus der Ferne technische Funktionen zu Hause: Digitale Assistenten mit Sprachsteuerung haben in vielen Haushalten Einzug gehalten. Der Komfort hat aber seinen Preis. Vor allem die Privatsphäre, einst heiß umkämpft, leide, warnen die Konsumentenschützer vor den Konsequenzen vor allem für unbedarfte Kinder und Jugendliche, die ganz selbstverständlich mit der künstlichen Intelligenz kommunizieren. Es entstünden sehr genau Profile jedes Haushalts und der einzelnen Mitglieder.

„Nicht harmlos“
„Wir möchten das Bewusstsein schärfen, dass digitale Sprachassistenten nicht harmlos sind“, erklärt Gabriele Zgubic, oberste Konsumentenschützerin der AK. Den wenigsten Konsumenten sei bekannt, wie viele Daten die Anbieter sammeln - und welche Informationen ganz konkret wie ausgewertet werden, ist oft schwer zu eruieren. Eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer zeigt, dass Datenschutz bei der Verwendung der smarten Gadgets nicht selten mehr oder weniger ignoriert wird.

Das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) widmet sich auf 77 Seiten vor allem dem „Überwachungscharakter“ der Geräte, die in erster Linie der Bequemlichkeit dienen sollen. Der Preis könne der Verlust der Privatsphäre sein, so die Experten. Außerdem würden Qualität und Objektivität der Antworten nicht kontrolliert - es stehe die Frage im Raum, ob die virtuellen Butler nicht mehr ihrem Hersteller als ihrem Besitzer dienen.

Die zunehmende Verbreitung in den letzten Jahren stellt Datenschützer vor viele Fragen: Die Geräte sammeln fast unbemerkt sehr nahe am Leben der Konsumenten Informationen aus Privat- und Geschäftsleben, die in der Analyse ungeahnte Rückschlüsse ermöglichen können. Sprachprofile oder Standortdaten etwa können viel verraten, vor allem zuhause im Lebensmittelpunkt werden darüber hinaus potenziell alle Familienmitglieder bzw. auch Besucher belauscht und ihre Daten gesammelt und bearbeitet.

Permanente Lauschbereitschaft
Man wolle das Bewusstsein schärfen, dass man von einer permanenten Lauschbereitschaft ausgehen muss, so Co-Studienautor Jaro Krieger-Lamina. Privateste Unterhaltungen können als „Beifang“ beim Anbieter landen. Auch die Auswirkungen auf Weltbild, Verhalten und Kommunikation durch die Interaktion mit diesen Systemen sei nicht zu vernachlässigen: Die harmlose, weibliche Stimme „entlocke“ den Usern wertvolle Informationen. Immer mehr „Spione“ verstehen mehr weit mehr als auf den ersten Blick gesagt wird, es ließen sich mit den diversen Zusatz-Daten „sehr genaue Persönlichkeitsprofile“ erstellen und automatisierte Entscheidungsfindungen ermöglichen.

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