20.06.2019 17:26 |

Debatte in Deutschland

Autofahrer sollen ohne Prüfung aufs Motorrad

Österreich als Vorbild: Auch deutsche Autofahrer sollen künftig ohne Prüfung leichte Motorräder, die sogenannten 125er, fahren dürfen. Von Experten hagelte es Kritik an dem Vorstoß des Verkehrsministeriums in Berlin. Schon jetzt sei ein Großteil der Unfälle mit Motorrädern auf Fahrfehler zurückzuführen. Und weil gerade Leichtkrafträder vor allem in den Sommermonaten am Wochenende für Freizeitfahrten genutzt werden, könnte die Unfallrate weiter steigen, so die Sorge des Deutschen Verkehrssicherheitsrates.

Wer ohne Motorradführerschein mit einem sogenannten 125er unterwegs sein will, muss mindestens 25 Jahre alt sein, seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben und eine Schulung mit fünf 90-minütigen Einheiten hinter sich bringen, heißt es in einem Verordnungsentwurf des Verkehrsministeriums in Berlin.

Experten sehen den Vorstoß sehr kritisch - denn Motorradfahren ist gefährlich. Es geht dabei um Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimeter und einer Motorleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt, also 15 PS. Die erweiterte Fahrerlaubnis soll nur für Deutschland gelten. Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, darf diese Krafträder sowieso fahren.

Deutsche Experten halten nichts von Minister-Vorstoß
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hält überhaupt nichts von dem Vorstoß von Verkehrsminister Andreas Scheuer. Diese Leichtkrafträder könnten schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren und seien nach den besonders stark motorisierten Motorrädern die gefährlichste Fahrzeugklasse in der Unfallstatistik, schreiben die Experten in einer Stellungnahme. Es sei „fraglich“, dass „plötzlich“ die Anforderungen deutlich gesenkt werden sollten - die EU erlaubt das den Mitgliedsstaaten nämlich schon seit 13 Jahren.

Im Jahr 2017 starben laut Statistischem Bundesamt 66 Fahrer solcher Leichtkrafträder bei Unfällen. A1-Motorräder hätten bei den „Hauptverursachern von Unfällen mit Personenschaden den traurigen Platz 2“ belegt, schreibt der DVR.

In der Schulung sollen laut Verordnungsentwurf in Theorie und Praxis nur „die wesentlichsten Grundlagen“ des Motorradfahrens vermittelt werden. Ziel sei „die Befähigung zum sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führen eines entsprechenden Leichtkraftrades“, heißt es im Papier. Die Führerschein-Erweiterung soll demnach etwa 500 Euro kosten. Wie viele Autofahrer davon Gebrauch machen, sei „nicht abzuschätzen“, schreibt das Ministerium.

„Fehlende fahrerische Kompetenz“ als zentrales Problem
Aus Sicht von Fahrlehrern reicht das nicht. „Das zentrale Problem ist die fehlende fahrerische Kompetenz“, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Dieter Quentin. Schon jetzt sei ein Großteil der Unfälle mit Motorrädern auf Fahrfehler zurückzuführen. Mit der vorgeschlagenen Regelung steige das Risiko, die geplante Schulung sei „völlig unzureichend“.

Unter „Begründung“ heißt es im Entwurf lediglich, die EU gebe den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, Autofahrer auch A1-Motorräder fahren zu lassen - das solle genutzt werden. Das Ministerium verwies am Donnerstag darauf, dass unter anderem Österreich diese Regelung auch schon habe.

Der Verkehrssicherheitsrat findet das „vollkommen unverständlich“. Wenn man ein größeres Risiko in Kauf nehme, müsse das „zumindest einem erkennbaren Ziel“ dienen, etwa der Förderung der Mobilität. „An der Unfallstatistik lässt sich aber gerade ablesen, dass Leichtkrafträder in starkem Maße für Freizeitfahrten am Wochenende in den Sommermonaten genutzt werden, und nicht primär, um zur Arbeitsstätte zu gelangen“, heißt es in der Stellungnahme.

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