So, 16. Juni 2019
06.06.2019 12:00

Premiere von ZF

Hoppla! Hier sitzt der Airbag außen am Auto!

ZF aus Friedrichshafen hat einen Airbag entwickelt, der außen am Auto angebracht ist und bei einem Seitenaufprall in Aktion tritt. Der könnte die Folgen seitlicher Unfälle deutlich mindern, ist aber komplex.

Früher starteten hier Messerschmitt-Jagdflieger, später dann die unglückseligen „Starfighter“ der Deutschen Bundeswehr. Jetzt stand der ehemalige Militärflugplatz am Rande der Allgäu-Metropole Memmingen wieder im Blickpunkt. Diesmal ging es nicht um Zerstörung, sondern um die Rettung von Menschenleben. Der Technologie-Riese ZF präsentierte den erstmals geglückten Einsatz eines Außen-Airbags. Ein großer Luftsack also, der sich im Falle eines Seitencrashs zwischen den beiden Unfallgegnern entfaltet und so den Aufprall abfedert. Bis zu 40 Prozent Minderung der Folgen eines seitlichen Zusammenstoßes sollen so erreicht werden.

So funktioniert‘s
Der Opel Insignia sieht genau aus wie Tausende von gleichartigen Kombis aus Rüsselsheim. Das Besondere steckt im Schweller, dem „Trittbrett“ unterhalb der Türen. Hier haben die Tüftler von ZF ihre neueste Erfindung versteckt. Einen länglichen Airbag, der aus drei kleineren Exemplaren zusammengesetzt ist. Er ist je nach Fahrzeug 280 bis 400 Liter groß - hat also das fünf- bis achtfache Volumen eines Fahrer-Airbags

Sollte sich seitlich ein anderes Auto nähern und ein Unfall nicht mehr vermeidbar sein, wird der Airbag wenige Millisekunden vor dem Aufprall geöffnet und verhilft der weichen Seite des Opel zu einer Art Sicherheitskragen.

In einem Versuch auf dem Flugfeld demonstrierte ZF die Wirksamkeit. Nötig dafür sind natürlich künstliche Augen und Sinne, die rundum das Geschehen im Blick haben. Kameras, Radar und sogenannte „Lidar“-Sensoren, einer Kombination aus Laser und Radar, erkennen schon früh die Gefahr, die sich da von rechts nähert: eine Autoattrappe, die beharrlich auf einen unheilbringenden Treffpunkt Blech gegen Blech zusteuert. Der Bordcomputer beginnt seine Rechenarbeit. Mit welchem Tempo nähert sich der „Feind“, wo und in welchem Winkel wird er bei gleichbleibender Geschwindigkeit auf den Versuchs-Opel treffen? Fragen, zu deren Berechnung ein Mensch Stunden bräuchte. Der elektronische Beifahrer erledigt das in der Zeit eines Wimpernschlags.

Für das Entscheiden, Zünden und Füllen des Airbags hat das System nur rund 150 Millisekunden Zeit.

Die Idee, auch das ganze Auto durch einen Luftsack zu schützen, hat einen ernsten Hintergrund: „Fast 700 Menschen verlieren in jedem Jahr ihr Leben bei einem Seitenaufprall. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass unser Außen-Airbag die Verletzungen der Insassen um bis zu 40 Prozent verringern kann, vor allem schwere Schädigungen im Bereich des Brustkorbs“, sagt Uwe Class, Sicherheitsexperte bei ZF. Natürlich muss der neue Airbag mit seinen bekannten „Kollegen“ innerhalb des Autos eng zusammenarbeiten, im Gleichschritt mit dem Geschehen außerhalb agieren. Denn das eigene Auto wird vom Unfallgegner einen Hauch früher „getroffen“, wenn sich der Airbag entfaltet hat. Entsprechend müssen die Innenairbags ebenfalls früher zünden.

Noch ist das System nicht serienreif, da noch heftig an der Wirksamkeit und dem Aufgabenfeld der vielen Sensoren gefeilt wird. Denn vor allem im dichten Stadtverkehr muss die Technik unzählige mögliche Gefahren im Blick haben, muss sie bewerten und adäquat reagieren.

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