10.09.2019 09:21 |

Was fehlt mir?

Endometriose: Viel mehr als „nur“ Regelschmerzen

Der Schmerz, der durch Endometriose ausgelöst wird, ist so stark, dass er das ganze Leben bestimmt. Dennoch wird betroffenen Frauen oft gesagt, sie sollen sich „nicht so haben“, das wären nur Regelbeschwerden. Endometriose aber ist viel mehr als das, so Tamer Seckin. Der Gynäkologe und Chirurg gilt als Koryphäe in der Endometriose-Forschung. Er klärt in einer Neuerscheinung nun nicht nur Betroffene, sondern auch die Öffentlichkeit auf.

Krämpfe, starke Blutungen oder Bauch- und Rückenschmerzen - die Symptome von Endometriose sind vielseitig und werden oft nicht sofort erkannt. Und das, obwohl sie eine der häufigsten Frauenkrankheiten ist. Tamer Seckin betreut seit vielen Jahren betroffene Frauen und hat sogar eine Stiftung gegründet, die Bewusstsein schaffen und Aufklärung bieten soll. Nun hat er ein Buch veröffentlicht, in dem er nicht nur die fehlende Aufklärung über diese Krankheit bekrittelt, sondern auch die Einstellung von Ärztekollegen gegenüber der Endometriose, die oft als Lappalie abgetan wird. 

Mangelnde Aufklärung verursacht Leid
„Ein Aspekt, der am meisten frustriert, ist, dass es sehr lange dauern kann, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Im Durchschnitt ist eine Frau 27 Jahre alt und hat bereits seit zehn Jahren Endometriose, bevor sie eine korrekte Diagnose erhält. Dieser Umstand ist auf mangelnde Krankheitsaufklärung bei Medizinern, Pflegekräften und der Öffentlichkeit im Allgemeinen zurückzuführen“, so Seckin.

„Sie ist wirklich so krank, wie sie angeben, zu sein“
Die Endometriose aber im Frühstadium zu erkennen, „vorzugsweise unmittelbar zu Beginn der Schmerzen, aber auch innerhalb von Monaten oder eines Jahres statt eines Jahrzehnts -, verändert buchstäblich den Lebensverlauf einer Frau“, so Seckin. Nicht nur, da alle Formen mit erheblichen Schmerzen und Unfruchtbarkeit einhergehen können. Somit ist ein frühzeitiges Eingreifen „der Schlüssel zur Behandlung der Krankheit und zum Aufhalten ihrer verheerenden Auswirkungen“.

Endometriose wird in drei Schritten festgestellt:

  • Eine klinische Untersuchung und Prüfung (Ultraschall oder MRT) erfolgt
  • Läsionen werden mittels Laparoskopie (Bauchspiegelung) visuell identifiziert
  • Eine pathologische Untersuchung der Läsionen mittels Mikroskop wird durchgeführt

„Sie stehen kurz vor dem Zusammenbruch“
„All jenen Frauen, die in irgendeiner Form von Endometriose betroffen sind, möchte ich sagen, dass ich die Schmerzen kenne, mit denen Sie ringen. Sie sind extrem qualvoll, schlimmer, als man es sich vorstellen kann. Sie fühlen sich allein und hoffnungslos. Sie sind physisch und psychisch ausgelaugt, denken, Sie stehen kurz vor dem Zusammenbruch, wenn Sie ihn nicht bereits erlebt haben. Sie haben jahrelang immer wieder versucht, jemanden zu finden, irgendjemanden, der Ihnen zuhört, der versteht, was Sie durchmachen - eine Freundin, ein Familienmitglied, eine Schulkrankenschwester oder einen Arzt -, aber sie alle haben nicht hingehört.“

„Ihr Leiden wurde entweder als ‘Mädchenproblem‘ oder ‘Frauensache‘ abgetan, als eine Krankheit oder ein Befinden, das sich auf magische Weise mit der Zeit ‘schon einrenkt‘. Diese Annahmen sind vollkommen falsch - Sie haben es schon immer gefühlt und ich weiß es aufgrund von Fakten. Und ich weiß es auch deshalb, weil ich meinen Patientinnen zugehört habe“, wendet sich der Experte an Betroffene jeden Alters, Frauen, die sich ein Kind wünschen oder jene, die bereits erfolglos chirurgische Eingriffe über sich haben ergehen lassen.

Ihre Schmerzen sind echt!
Seckin weiß - die Schmerzen sind echt, auch, wenn diese von Ärzten, Freunden oder gar Familienmitgliedern als „harmlos“ abgetan werden: „Sie wissen es, ich weiß es, die etwa Tausend Frauen, die ich in den letzten drei Jahrzehnten operiert habe, wissen es. Und die vielen Millionen Frauen auf der ganzen Welt, die Endometriose haben, wissen es auch. Im Moment fühlen Sie sich vielleicht isoliert und haben keine Hoffnung mehr auf Besserung oder Gesundung. Sie sind aber nicht allein und es gibt Hoffnung!“

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Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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