Crossing Europe:

Mühlviertler mischt die Filmwelt auf

Ein Senkrechtstarter nicht nur in der heimischen Filmwelt ist der Regisseur und Drehbuchautor Gregor Schmidinger aus Zwettl an der Rodl. Sein erster Langfilm „Nevrland“ wurde nämlich bereits mehrfach ausgezeichnet und wird nun auch beim Linzer Filmfestival Crossing Europe zu sehen sein.

„Krone“:Ihr preisgekrönter Film „Nevrland“ wird am 26. April beim Crossing Europe Festival in Linz gezeigt - sind Sie nervös vor diesem „Heimspiel“?

Gregor Schmidinger: Nein, ich freue mich sehr darauf. Es wird das erste Mal sein, dass Familie und Freunde von daheim kommen. Es wird spannend, wie Leute den Film wahrnehmen, die mich von klein auf kennen, als ich in Zwettl einfach der „Bua vom Fleischer“ gewesen bin.

Wie kam der Sohn des Dorffleischers zum Film?

Ich war immer schon fasziniert vom Bewegtbild, mein Papa hat damals schon immer „Fernsehdirektor“ zu mir gesagt, weil ich so viel geschaut hab’. Mein Onkel hat mir dann seine Kamera geborgt und so ist früh dieser Wunsch entstanden. Mein Vater hat gesagt: „Probier’s halt, wenn’s dich interessiert.“ Das habe ich getan.

Warum trifft „Nevrland“ gerade den Nerv der Gesellschaft?

Der Film thematisiert ja unter anderem Angststörungen, und psychische Erkrankungen sind auf jeden Fall ein wichtiges Thema unserer Zeit. Ich habe außerdem versucht, das aus jugendlicher Perspektive darzustellen. Viele Menschen, die solche Angstzustände kennen, haben mir bestätigt, dass die Darstellung akkurat ist. Für sie kann es ein Trost sein, dass sie damit nicht alleine sind, Gesunde wiederum können Verständnis aufbauen.

Ist der Film autobiografisch?

Das nicht, aber es sind viele persönliche Erfahrungen darin verarbeitet.

Wie kam es dazu, dass Josef Hader mitspielt?

Wir wollten es einfach mal probieren und haben ihm das Drehbuch geschickt, zwei Monate danach kam plötzlich die Zusage! Das war natürlich toll. Später hat er mir erzählt, dass er mitgemacht hat, weil er etwas Vergleichbares im österreichischen Film noch nicht gesehen hat.

Angstgetriebener Teenager
Mit drastischen Bildern, die im Kontrast zu betont ruhigen Sequenzen stehen, zeichnet der Mühlviertler Filmemacher Gregor Schmidinger die Welt des angstgetriebenen Teenagers Jakob nach. Hauptdarsteller Simon Frühwirt ist eine Entdeckung und Josef Hader bildet einen genialen Kontrapunkt.

„Wo befindet sich die Angst jetzt?“, fragt der Therapeut den 17-jährigen Jakob. Blöde Frage, denkt sich nicht nur der introvertierte Jakob. Doch dann gibt er zu: „Direkt hinter mir.“

Erste Rolle als Schauspieler
Simon Frühwirt spielt in seiner allerersten Rolle den Wiener Jugendlichen Jakob, der mit seinem zunehmend überforderten Vater (Josef Hader) und dem Großvater in einer dumpfen, beengten Wohnung lebt und von immer ärgeren Angststörungen geplagt wird. Immer wieder bricht er zusammen, hat Wahnvorstellungen und weiß irgendwann nicht mehr, was echt ist und was nur ein Traum. Genauso verhält es sich mit seiner Internetbekanntschaft Kristjan (Paul Forman) - hilft er ihm aus dem Wahnsinn heraus oder zieht er ihn noch tiefer hinein?

Ein Film, der mit seinen ruhigen, dialogarmen Szenen einen Kontrast zu den wilden Angst-Trips setzt und diese dadurch noch mehr betont. Hader scheitert als Vater grandios an der scheinbaren Wand, die Frühwirt als Jakob mit seiner steinernen Mimik aufbaut. Sie verlieren den Kontakt. Trauer, Angst, Sexualität und Panik im modernen Wien - Freud wäre von diesem Psychogramm wohl begeistert gewesen.

Jasmin Gaderer/Kronen Zeitung

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