Di, 23. April 2019
08.04.2019 11:00

Raus aus der Stadt

Husqvarna Svartpilen 701: Erfrischend anders!

Die LX Factory Lissabons, das „Szene-Viertel“ in der portugiesischen Hauptstadt in einem ehemaligen Fabriksgelände, mit seinen schicken Bars, Restaurants, Galerien, ausgefallenen Geschäften und Graffiti, wohin man schaut, war ein gut gewählter Ort, um erstmals die neue Svartpilen 701 von Husqvarna zu erfahren. Ein Motorrad, das ähnlich wie ihre schon vor einem Jahr präsentierte „Schwester“, die Vitpilen 701, den urbanen Zeitgeist anspricht.

Mit einem aufs Minimum reduzierten Design, Stil-Zitaten aus der Vergangenheit, aber doch modern und auf ihre Art einzigartig. „Simple progressive“, wie die Werbemacher des in KTM-Besitz befindlichen Husqvarna-Konzerns, dessen Bestseller ja eigentlich im Offroadbereich daheim sind, ihre außergewöhnlichen Straßenmodelle recht treffend beschreiben.

Was unterscheidet nun den schwarzen Pfeil (Svartpilen) vom weißen (Vitpilen), der mehr von einem Café Racer hat, während die neue eher an einen Scrambler erinnert? In erster Linie das größere Vorderrad (18 Zoll), um 15 Millimeter längere Federwege (vorne wie hinten 150 Millimeter) sowie ein höherer, breiterer Lenker im Enduro-Stil, der eine aufrechtere, bequemere Sitzposition mit sich bringt. Unverkennbar auch die Stilelemente eines Flattrack-Racers, mit der asymmetrischen Verkleidung, die rechts Platz für eine Startnummer bietet, oder der Lampenmaske.

Beiden gemein ist die Liebe zum Detail. Obwohl die Designer den Auftrag hatten, alles „Unnötige“ wegzulassen, finden sich immer wieder liebevoll platzierte 701-Schriftzüge oder andere Hingucker. Apropos Hingucker: Vor der Eisdiele macht die schlanke Husqvarna Svartpilen 701 definitiv eine gute Figur, selten noch tummelten sich so viele Schaulustige um ein Motorrad wie bei unseren Fahrpausen in Lissabon.

Doch das Bike sieht nicht nur gut aus, es fährt sich auch so. Wofür in erster Linie ein alter Bekannter verantwortlich zeichnet. Das auch in der 701 Supermoto bzw. Enduro sowie den KTM-690er-Modellen Duke, Supermoto und Enduro verbaute Aggregat mit seinen 692,7 ccm Hubraum ist ein Garant für Einzylinder-Fahrspaß auf höchstem Niveau. 75 PS mit einem Drehmoment von 72 Nm bei 6750/min leistet der stärkste Single auf dem Markt in seiner aktuellsten Ausbaustufe in der Svartpilen und ist dabei längst nicht mehr das schwer zu bändigende Biest vergangener Tage, sondern besticht durch eine kaum für möglich gehaltene Laufruhe.

Keine Rede mehr vom Kettenrasseln älterer LC4-Modelle, lediglich unter 2500/min wird es etwas unbequemer. Aber dieser süchtig machende Motor will sowie auf Drehzahl gehalten werden, schreit dich förmlich nach aktiver Fahrweise an! Beherzigt man das, wird man mit einem tollen Fahrerlebnis belohnt. Wozu man freilich erst einmal raus aus der Stadt muss, in der sich in Wahrheit die kleinere Svartpilen 401 wohler fühlt, weil sich damit dort eben auch gemütlich im dritten oder sogar vierten Gang cruisen lässt.

Ist man aber erst einmal auf der Landstraße, wird alles wieder gut bzw. besser. Spielerisch werden auch die engsten Kurvenkombinationen absolviert, das Einlenkverhalten ist ebenso präzise wie leichtgängig, der einwandfrei funktionierende Quickshifter lässt dabei die Gänge rauf und runterflutschen, ohne die Kupplung zu betätigen. Fahrmodi sucht man (im Gegensatz zu KTM 690 SMC R und Enduro R), gemäß dem Motto der Einfachheit, vergeblich, lediglich (nicht abschaltbares) ABS und eine Traktionskontrolle sind an elektronischen Fahrhilfen mit an Bord. Letztere greift recht dezent und gut dosiert ein, ohne störend zu wirken, lässt sich aber auch komplett wegschalten, jedoch nicht in ihrer Intensität verstellen.

Durch die guten Fahrwerkskomponenten - die WP-Gabel ist voll einstellbar - werden auch schlechte Straßen, Kopfsteinpflaster oder Schotterpassagen nicht zur Qual, ganz im Gegenteil. Dem trägt auch die Serienbereifung mit dem etwas gröber profilierten Pirelli MT60 RS Rechnung - der Gummi hält auf der Straße selbst bei engagierten Tempo bis an die Rasten und bietet trotzdem Reserven abseits davon.

Gut ins harmonische Gesamtbild passen auch die Bremsen von Brembo - vorne ist einer 320er-, hinten eine 240er Scheibe verbaut - die das trocken 158,5 kg leichte Motorrad in jeder Lebenslage ausreichend verzögern. Die Sitzhöhe beträgt 835 Millimeter, ist durch die schlanke Sitzbank aber auch für Fahrer mit kürzeren Beinen recht einfach zu erklimmen. Das Polster ist zwar kein Inbegriff an Bequemlichkeit, lässt einen aber auch lange Etappen überstehen, wie wir in den Bergen rund um Estoril erfuhren. Was man für den formschön als Sitzabdeckung getarnten Sozius-Sitz nicht gerade behaupten kann. Der bietet zwar die Möglichkeit, jemanden mitzunehmen, längere Touren zu zweit werden für den Beifahrer aber zur Herausforderung.

Unterm Strich bekommt man mit der Svartpilen 701 ein extravagantes, einzigartiges Motorrad, das in keine Schublade passt, Blicke auf sich zieht und sich dennoch wunderbar aktiv fahren lässt - je kurviger, desto lieber. Mit 11.299 Euro hat das Ganze freilich auch seinen Preis, weshalb wohl nur der zur Probefahrt schreiten wird, der sich auch in die Optik verliebt. Doch Vorsicht: Schon eine kleine Runde kann süchtig machen…

Wolfgang Haenlein

Warum?
Anders als die anderen
Süchtig machender Motor
Agiles Handling

Warum nicht?
Spartanischer Sozius-Sitz

Oder vielleicht …
… Honda CB650R, KTM 690 Duke bzw. Husqvarna Svartpilen 401, wenn man wirklich in der Stadt bleiben will

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