Tagtäglich flattern in Österreich Tausende Bewerbungsunterlagen von mal mehr, mal weniger interessierten Jobanwärtern in mittlerweile vorwiegend elektronische Firmenbriefkästen. Gründe dafür, dass ein angestrebtes Arbeitsverhältnis in einer Firma schlussendlich doch nicht zustande kommt, gibt es ebenso genug - dass jedoch der künftige Chef ein Problem für den Jobanwärter darstellt und dieser deshalb gleich vorab auf den Job verzichtet, das passiert dann doch nicht alle Tage …
Genau das widerfuhr am Dienstag Dinko Fejzuli, Chefredakteur von „medianet“, einem der größten Online-Wirtschaftsportale in Österreich. Eine Frau hatte sich bei dem Unternehmen für den Posten als Redakteurin beworben, stieß jedoch - wohl im Zuge von Nachforschungen - auf einen Umstand, der es ihr nicht möglich machte, weiter um den Arbeitsplatz zu rittern. Es lag jedoch nicht an der Höhe des künftigen Einkommens oder ähnlichen Angelegenheiten, die die Frau dazu bewogen, per Mail um die Löschung der Bewerbung und sämtlicher Unterlagen zu bitten - vielmehr stieß sie sich am Namen ihres möglichen künftigen Vorgesetzten.
„Ich wusste nicht, dass ein Mann ausländischer Herkunft die Chefredaktion eines österreichischen Mediums überhat, sonst hätte ich mich bei Ihnen erst gar nicht beworben! Daher ersuche ich um Löschung meiner Bewerbung und meines Lebenslaufes (…)“, ließ die Frau wissen.
„Unterrichtet übrigens Volksschulkinder“
Fejzuli stellte die anonymisierten Zeilen am Dienstag unter dem Hashtag „Alltagsrassismus“ ins Netz. Rasch verbreitete sich der Eintrag wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien. „Diese nette Mail habe ich heute von einer Bewerberin bekommen“, schrieb Fejzuli dazu. „Die Dame unterrichtet übrigens Volksschulkinder“, so der „medianet“-Chefredakteur.
Der Beitrag wurde vielfach geteilt und auch kommentiert. Viele zeigten sich geschockt von der Haltung der Frau, so mancher nicht zuletzt auch aufgrund ihrer Position als Volksschullehrerin. „Und solche Leute unterrichten unsere Kinder … Läuft bei uns“, so der Tenor. Manch anderer User wiederum stößt sich wenig an der Absage-Mail der Bewerberin. „Warum darf die Dame ihre Bewerbung nicht zurückziehen? Steht irgendwo, dass man Ausländer oder Menschen mit Migrationshintergrund mögen muss? Ihr Schreiben ist nicht beleidigend und ihre Meinung ist daher zu respektieren. Man muss sie nicht teilen!“
„Die ersten Hassmails sind da“
Der Fall erhitzt - wenig überraschend - die Gemüter, und zwar über die Maßen: Nur wenig später musste der „medianet“-Chefredakteur auch schon via Facebook mitteilen: „Das ging ja flott. Die ersten Hassmails sind da.“
Eine Antwortmail an die Doch-nicht-Bewerberin zu richten, ließ sich Fejzuli nach dieser die Community spaltenden Absage jedoch nicht nehmen, wie er auf Twitter wissen ließ - inklusive entwaffnendem Foto, das Fejzuli stilecht mit Lederhose zeigt.
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