Mi, 14. November 2018

Ein Fest für Entdecker

23.10.2018 12:35

„Red Dead Redemption 2“ in der großen Vorschau

Am 26. Oktober erscheint - acht Jahre nach dem ersten Teil und fünf Jahre nach „GTA V“ - Rockstars neues Open-World-Mammutprojekt „Red Dead Redemption 2“. Das Western-Epos erzählt die Geschichte einer Ganovenbande um den Revolverhelden Dutch Van der Linde und soll den Entwicklern zufolge neu definieren, wie ein Spiel mit offener Spielwelt auszusehen hat. Wir haben bereits einen ersten Blick auf den potenziellen Hit werfen können. Hier unsere Eindrücke.

Mit „Red Dead Redemption 2“ will Rockstar die bisherigen Mechaniken von Open-World-Spielen über den Haufen werfen und sie natürlicher und authentischer machen. Statt sich wiederholender Aufgaben - man denke hier etwa an die Turmkraxlerei in den letzten „Far Cry“-Ablegern - will man eine natürliche und authentische Spielwelt schaffen, in der das Tun des Spielers Folgen hat und mit jedem Objekt - Mensch, Tier, Kutsche - Interaktion möglich ist.

Erzählstruktur belohnt Neugier
Um dieses Ziel zu erreichen, geht man erzählerisch neue Wege. Statt klarer Markierungen in der Spielwelt und vorgefertigter Wege von Auftrag zu Auftrag erwartet den Spieler in „Red Dead Redemption 2“ viel Erkundungsarbeit. Bisweilen fühlt man sich ein wenig an die „Dark Souls“-Reihe erinnert, wenn man ein auffälliges Objekt in der Spielwelt entdeckt und versucht, seine Bedeutung in der Spielwelt einzuordnen. Zwecks besserer Zugänglichkeit lotst das reduzierte Interface zwar zumindest zu den größeren Missionen, die für das Vorankommen in der Handlung zentral sind. Generell werden aber Entdecker belohnt, die sich die Zeit nehmen, mit der Spielwelt zu interagieren und sie zu erforschen.

Ein Beispiel für diese Art des Erzählens: Bei unserer Anspielsitzung stießen wir am Weg in eine Viehzüchtersiedlung an einer Brücke auf eine unscheinbare Blutspur. Folgt man der Spur, stößt man auf einen armen unter der Brücke aufgeknüpften Teufel - und auf ein Schriftstück, in dem sich jemand durchaus stolz mit der Tat brüstet. Es gibt in „Red Dead Redemption 2“ in dieser kleinen Siedlung also irgendwo einen Mörder und der Spieler könnte Jagd auf ihn machen. Hätte er die Blutspur übersehen und wäre weiter geritten, wäre ihm diese Aufgabe durch die Lappen gegangen. Für Entdeckernaturen äußerst reizvoll, kann diese Art des Geschichtenerzählens Einsteiger, die es gewohnt sind, vom Spiel an die Hand genommen zu werden, anfangs ein wenig erschlagen. Sie erhöht aber zweifellos auch den Wiederspielwert.

Interaktionssystem für spielerische Vielfalt
Selbiges gilt für das interessante Interaktionssystem, das Rockstar seinem neuen Mammutprojekt spendiert hat. Begegnet man Menschen oder Tieren in der Spielwelt, hat man nämlich stets mehrere Möglichkeiten, mit ihnen zu interagieren. Klar kann der Spieler die Bleispritze sprechen lassen, aber es geht auch kreativer: Erst freundlich grüßen, um eine Kutsche kurz aufzuhalten, dann die wahre Absicht eines Überfalles enthüllen und den Fahrer schließlich mit gezogener Waffe einschüchtern, aufdass der ohne Blutvergießen seine Ware herausrückt. Oder gleich maskiert heranpreschen, in die Luft ballern und den Fahrer so zum Anhalten zwingen, bevor man ihm die Ware abnimmt. In „Red Dead Redemption“ führen oft verschiedene Wege zum Ziel.

Dazu trägt auch bei, dass es ein komplexes Ehre- und Verbrechenssystem gibt. Wie man sich in der Spielwelt verhält, hat direkten Einfluss darauf, wie sich Nichtspielercharaktere einem selbst gegenüber verhalten. Wer den besonders berüchtigten Verbrecher mimt, der über Leichen geht, wird beim Betreten einer Stadt angefeindet und schief angeschaut. Zivilisten werden ihm aus dem Weg gehen. Dafür werden es sich Wegelagerer ob seines Rufes zweimal überlegen, ob sie ihn angreifen. Umgekehrt wird der Outlaw mit Herz andere Vor- und Nachteile im Spiel haben.

Erschossen wegen Hühnerdiebstahl
Wie ausgefeilt dieses System funktioniert, zeigte sich bei unserer Anspielsitzung, als wir in einem vermeintlich unbeobachteten Moment innerhalb einer Stadt ein Huhn erlegten, dessen Besitzer ein anderer war. Ein Zeuge lief schnurstracks zum Sheriff, wir liefen dem Zeugen hinterher. Dummerweise ereignete sich die Verfolgungsjagd im Sichtfeld des Sheriffs, der wiederum das Feuer eröffnete, als wir - dem Zeugen auf den Fersen - nicht auf seine Rufe reagierend wie ein Wilder auf ihn zusprinteten. Solche ebenso zufälligen wie glaubwürdigen Ereignisse findet man in „Red Dead Redemption 2“ an jeder Ecke, und sie machen die Welt organischer und glaubwürdiger.

Überhaupt wird Realismus großgeschrieben - dankenswerterweise nicht im Übermaß wie in einem „Kingdom Come: Deliverance“, aber durchaus spürbar. So sollte man als Spieler beispielsweise tunlichst auf das Wohlergehen seines Pferdes achten, weil es mit wachsendem Vertrauen zu seinem Halter neue Tricks lernt und im Kugelhagel nicht so schnell das Weite sucht, also an Wert gewinnt. Man sollte die eigenen Klamotten den klimatischen Gegebenheiten anpassen, um nicht krank zu werden. Bisweilen etwas essen und sich waschen, um nicht wie ein Aussätziger behandelt zu werden. Auf keine Giftschlange treten, um sich keine Vergiftung zuzuziehen. Bei der Jagd genau zielen, um die Beute nicht zu durchsieben und so die mit dem Pelz erzielbaren Preise zu drücken.

Optisch und akustisch sehr gelungen
Die optische wie akustische Präsentation von „Red Dead Redemption 2“ weiß gut zu gefallen. Das erste für die aktuelle Konsolengeneration entwickelte Rockstar-Game erfreut das Auge mit eindrucksvoller Weitsicht, liebevoll gestalteten und übergangslos betretbaren Innenräumen, realistischer Vegetation und hübschen Lichteffekten. In der angespielten Version für die PS4 Pro lief das Game in 4K-Auflösung, unserer Einschätzung nach allerdings nicht mit 60, sondern 30 Bildern in der Sekunde. Die Schärfe der Texturen geht in Ordnung, ganz besonders, wenn man die Größe der Spielwelt bedenkt, die wir ohne Ladepausen erkunden konnten. Menschen und Tiere sind ebenfalls sehr detailliert gestaltet - mit realistischem Haar, echt aussehenden Klamotten und glaubwürdiger Mimik.

Für Kinder ist „Red Dead Redemption 2“ nichts: Nicht nur die Spielwelt wird möglichst realistisch simuliert, sondern auch der Grafikstil ist realistisch - inklusive Animation beim Häuten eines erlegten Tieres und spritzendem Blut bei Schusswechseln. Über die gebotene Abwechslung können wir noch kein Urteil bilden, beim Anspielen durchstreiften wir lediglich Grasland und verschneite Berge. Schon in der Konsolenversion ausnehmend hübsch, stellt sich uns übrigens ein wenig die Frage, was ein High-End-PC aus „Red Dead Redemption 2“ holen könnte. Eine PC-Version hat man bei Rockstar allerdings bislang leider noch nicht angekündigt.

Einen sehr guten Eindruck macht „Red Dead Redemption 2“ auf akustischer Ebene. Der Soundtrack - laut Rockstar insgesamt rund 90 Stücke - passt wie die Faust aufs Auge in ein Western-Spiel und wird dynamisch der Situation angepasst mit ruhigeren Stücken beim gemächlichen Ritt durch die Prärie und treibenden Klängen bei Schusswechseln. Die Charaktere sind allesamt sehr gut Englisch vertont (und Deutsch untertitelt), selbst bei Zufallsbegegnungen in der Spielwelt und beiläufigen Meldungen von Passanten kommt es selten zu Wiederholungen. Die Soundeffekte - vom Donnern der Hufe unseres Rosses im vollen Galopp bis hin zu den Schuss- und Nachladegeräuschen des Gewehrs - hat man ebenfalls sehr gut getroffen.

Steuerung nach kurzer Eingewöhnung intuitiv
Noch ein Wort zur Steuerung: Die weicht stellenweise ein wenig von gängigen Konventionen heutiger Action-Adventures ab und ist für unseren Geschmack dort und da vielleicht ein wenig träge, ist nach kurzer Eingewöhnung aber auch schnell verinnerlicht. Heilfroh waren wir - der Autor schießt normalerweise mit Maus und Tastatur - beim Anspielen über die automatische Zielhilfe, erfahrenere „Konsoleros“ werden aber wohl auch ohne zurande kommen. Zumal es einen „Deadeye“-Modus gibt, mit dem man spektakuläre Revolverhelden-Kunstschüsse vollführt.

Größte offene Frage: Wie gut ist die Story?
Die große Unbekannte bei „Red Dead Redemption 2“ ist bislang noch die Story, konkret ihr Umfang, ihre Qualität, wie mitreißend und packend sie ist. Beim Anspielen zeigte sich jedenfalls eine saubere Machart, mit authentischen und gut eingesprochenen Dialogen, hübscher cineastischer Inszenierung und durchaus auch der einen oder anderen unerwarteten Wendung innerhalb der Missionen. Das lässt hoffen, dass über die gesamte Spielzeit ein hohes Niveau gehalten werden kann und Rockstar inmitten einer Zeit, in der sich viele Entwickler zunehmend vom klassischen Einzelspieler-Abenteuer abwenden, wieder einmal eines von besonders hoher Qualität abliefert.

Fazit: Manches - die Qualität der Handlung, die Langzeitmotivation - lässt sich nach unserer rund einstündigen Anspielsitzung mit „Red Dead Redemption 2“ noch nicht abschließend beurteilen. Wir sind allerdings durchaus guter Dinge. Die lebendige Spielwelt mit ihren vielen Geheimnissen zieht Entdecker in ihren Bann und dürfte auch einen gewissen Wiederspielwert bieten. Die Präsentation bietet keinen Anlass zur Kritik. Gut möglich, dass Rockstar hier tatsächlich einen neuen Meilenstein des Open-World-Genres an den Start bringt. Ab 26. Oktober können sich PS4- und Xbox-One-Besitzer selbst ein Bild davon machen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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