Sa, 22. September 2018

Assad gegen Rebellen

05.09.2018 06:00

Idlib vor Rückeroberung: „Nicht der letzte Kampf“

Die Rückeroberung der letzten Rebellenbastion in der syrischen Provinz Idlib steht bevor. Ein Ende der Revolution bedeutet das noch nicht.

Die Verbindung bricht immer wieder ab. Aber irgendwie geht es dann doch. Schließlich telefoniert man nicht nach Haag am Hausruck, sondern in die syrische Provinz Idlib.

Bilder der Rebellengruppen gehen um die Welt
Idlib. Fast drei Millionen Menschen leben dort. Es ist der letzte Rückzugsort der Rebellengruppen gegen Syriens Diktator Bashar al-Assad. Bilder, wie sie sich auf den bevorstehenden Angriff der syrischen Regierungstruppen und ihrer iranischen und russischen Alliierten vorbereiten, gehen um die Welt. Es ist Propaganda. Und eine Warnung. „Die Revolution wird erst vorbei sein, wenn wir freie Wahlen, demokratische Strukturen und einen Systemwechsel haben“, sagte Yasser Al Haji im Telefongespräch mit der „Krone“. Al Haji kommt aus der Stadt Marea, unweit von Aleppo. Der ehemalige Zweitliga-Kicker ist nun Chef des Amtes für auswärtige Angelegenheiten der syrischen Exilregierung.

Russland ist längst Herr im Hause Assad
Von einem „finalen Kampf“ hier in Idlib will er nichts wissen. „Es wird nicht der letzte Kampf sein.“ Die Entscheidung darüber obliege aber weder ihm noch Assad. Wladimir Putin werde entscheiden, was passiert. „Aber“, ist sich Al Haji sicher, „bis 7. September passiert nichts.“ Dann treffen die Türkei, Iran und Russland zu einem Syrien-Gipfel in Teheran zusammen. Ein Zeichen, wer im Land das Sagen hat.

Das syrische Militär ist schwach, meint Al Haji. Assad sei längst nicht mehr Herr im Hause. Im Hafen von Latakia hat Russland die größte Marine-Armada im Syrienkrieg seit 2015 zusammengezogen. Der Luftwaffenstützpunkt in Aleppo ist in der Hand der iranischen Milizen. Dort sei kein syrischer Soldat mehr.

Humanitäre Katastrophe droht
In Idlib haben sich unterschiedlichen Quellen zufolge 70.000 Kämpfer zusammengezogen. Al Haji schätzt sie auf 30.000, davon 10.000 von der dschihadistischen Gruppierung Hayat Tahrir al-Scham. Ihr Nachteil: Sie stehen für sich. Es gibt kein gemeinsames Kommando, keine Koordination. Am Boden könnten sie dem Angriff standhalten, mein Al Haji. Gegen die Flächenbombardements der russischen Luftwaffe und den Einsatz chemischer Waffen sind sie machtlos. Dann droht eine humanitäre Katastrophe. Die Türkei hat bereits Truppen an der Grenze zu Syrien postiert. Flucht kommt für Yasser Al Haji aber nicht infrage. Egal, was passiert. „Für mich wird es hier immer etwas zu tun geben.“ Bis zum letzten Kampf.

Clemens Zavarsky, Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.