'Racheakt' gegen ÖSV?

Anzeige wirft Schröcksnadel Doping-Duldung vor

Tirol
24.11.2009 08:37
Bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck ist eine anonyme Anzeige eingegangen, in der ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel schwerer gewerbsmäßiger Betrug "durch Duldung, Förderung und Vertuschung von internationalem Doping" vorgeworfen wird. Behördensprecher Wilfried Siegele bestätigte am Montagabend den Erhalt der Anzeige: "Wir werden prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird."

Nach Einschätzung Siegeles wird es einige Tage dauern, bis der zuständige Sachbearbeiter entschieden hat, ob das von unbekannter Hand verfasste Papier Erhebungen der Staatsanwaltschaft nach sich zieht.

ÖSV dementiert scharf
ÖSV-Mediensprecher Stefan Illek und der Wiener Rechtsanwalt Manfred Ainedter, der die rechtlichen Interessen Schröcksnadels und des ÖSV vertritt, wiesen die darin erhobenen Vorwürfe umgehend als "völlig unhaltbar" bzw. "vollkommen aus der Luft gegriffen" zurück. Ainedter vermutet hinter der Anzeige einen gegen Schröcksnadel gerichteten "Racheakt".

In der siebenseitigen Anzeige wird behauptet, im ÖSV hätte seit 2001 "ein System zur Durchführung von Blutdoping" existiert, das "komplex aufgebaut und international ausgerichtet war" und "mindestens bis 2006" bestanden haben soll. Der ÖSV und sein Präsident Peter Schröcksnadel hätten "von dieser Organisation gewusst, sie geduldet und ihre Arbeit ermöglicht".

Schädigungsabsicht unterstellt
Vor den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City 2002 wären bei Sportlern auf Doping ausgerichtete Blutabnahmen im weißrussischen Minsk, ab 2003 auch bei der Wiener Blutbank Humanplasma vorgenommen worden, heißt es in der Anzeige. Damit wären Werbe-, Sponsoring- und Medienpartner über "wesentliche Umstände des Geschäfts getäuscht" worden. Der anonyme Anzeiger unterstellt dem ÖSV Schädigungsabsicht und einen angerichteten Schaden "von mindestens zwei Millionen Euro".

Äußerst ungewöhnlich erscheint allerdings der Umstand, dass die Anzeige bereits vor über einer Woche zahlreichen Medien zugespielt wurde, der Verfasser aber sie zunächst nicht der Staatsanwaltschaft übermittelt hat. "Wir haben sie nicht auf dem Postweg erhalten, sondern letztlich von der 'SoKo Doping' bekommen", erläuterte dazu der Sprecher der Innsbrucker Anklagebehörde.

ÖSV: "Durchschaubares Spiel"
"Das Ganze ist natürlich ein leicht durchschaubares Spiel. Man patzt den ÖSV an, indem man ein anonymes Stück Papier mit inhaltlich völlig unhaltbaren Behauptungen an die Redaktionen aller namhaften Medien sendet. Eine Woche danach, als man merkt, dass die seriösen Medien nicht darauf eingegangen sind, macht man tatsächlich eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, damit doch noch jemand bei dieser Vernaderung mitspielt. Doch die Zeit der 'Achse des Bösen' im österreichischen Sport ist vorbei", kommentierte ÖSV-Sprecher Illek die Anzeige.

Offenbar hegt der ÖSV konkrete Verdachtsmomente, von wem die Anzeige stammen könnte. "Die bekannten Personen, welche hinter solch einer niederträchtigen Aktion stecken, sind nicht mehr am Ruder, sondern müssen ihr Sündenregister selbst vor der Justiz verantworten. Da hilft auch eine solche dilettantische Aktion nichts mehr. Damit schaden sie nur erneut dem Sport", sagte Illek.

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