"Wenn er sagt, er zieht sich zurück, weil er sich zu wenig geschätzt fühlt, dann ist das zu akzeptieren", erklärte der Tiroler im ÖFB-Camp in Bad Tatzmannsdorf. "Ich habe mit ihm am letzten Donnerstag telefoniert, da hätte er die Gelegenheit gehabt, meine Linie zu kritisieren. Aber er hat es zwei Tage später öffentlich getan."
Constantini über Gerechtigkeit
Der Nationaltrainer ist über den Rückzug des einstigen Führungsspielers nach eigenen Angaben aber nicht verärgert. "Wenn einer glaubt, von jemandem nicht die Wertschätzung zu bekommen, die er verdient, ist er auf denjenigen beleidigt, und das bin halt ich", erklärte Constantini. Der 54-Jährige sieht keine Notwendigkeit zur Rechtfertigung seiner Kaderzusammenstellung. "Die Welt ist dann gerecht, wenn ein Trainer nichts gewinnt und dann rausgeworfen wird."
Nach rund sieben Monaten im Amt scheinen durch den Abgang von Stranzl und den zumindest vorläufigen Abschied von Ivanschitz die alten hierarchischen Strukturen endgültig verräumt. Mit Absicht habe er allerdings nicht für einen Wechsel der Führungsspieler gesorgt, betonte Constantini. "Das hat sich eben so ergeben."
Beste Stimmung im Kader
Ob sich dadurch die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft verbessert hat, wollte der Coach nicht beantworten. "Das kann ich nicht sagen, denn ich bin ja erst seit sieben Monaten Teamchef und weiß nicht, wie die Stimmung vorher war. Ich weiß nur, dass die derzeitige Stimmung sensationell ist. Jeder lacht, wenn er die Tür reinkommt und freut sich, dass er beim Team ist."
Weniger Freude verspürten schon vor Stranzl seine Legionärskollegen Andreas Ibertsberger (TSG 1899 Hoffenheim) und Alexander Manninger (Juventus Turin). Ibertsberger bat Constantini bereits im Sommer, auf ihn zu verzichten, damit er sich mehr auf seinen Verein konzentrieren kann, Manninger erklärte nach seinem Reservistendasein beim 0:1 im Juni in Serbien seinen Rücktritt. Daran will Constantini allerdings keine Schuld haben, vielmehr habe er Michael Gspurning trotz dessen Patzer gegen Rumänien noch einmal die Chance gegeben.
Teamspieler vom Rücktritt überrascht
Die Teamspieler selbst haben sich vom Rücktritt Stranzls auf jeden Fall überrascht gezeigt. "Für mich ist das eine Überraschung, aber jeder muss für sich entscheiden. Es ist schade, denn er ist ein Top-Profi mit einer internationalen Karriere", erklärte Kapitän Paul Scharner. Der Wigan-Kicker hatte in den vergangenen Jahren so manche Differenzen mit Stranzl und auch mit dem zumindest im Moment ausgebooteten Andreas Ivanschitz, nun übernahm er deren Rolle als Führungsspieler. Die neue ÖFB-Hierarchie ist dem Niederösterreicher nach eigenen Angaben jedoch egal. "Das Allerwichtigste ist die Verjüngung, und die zieht der Teamchef ohne Rücksicht auf Verluste durch." Ob er für den Stranzl-Rückzug Verständnis habe, ließ Scharner offen. "Das wird Stranzl nicht scheren", vermutete der England-Legionär.
Garics will mit Stranzl telefonieren
Etwas härter als der neue Kapitän wurde offensichtlich Garics vom Abschied des Burgenländers getroffen. "Ich hätte mir das nicht erwartet und werde mit ihm ein Telefongespräch führen, warum er sich dazu entschlossen hat", erklärte der Außenverteidiger von Atalanta Bergamo. Ex-Rapidler Erwin Hoffer, der im Gegensatz zu Stranzl trotz fehlender Spielpraxis im aktuellen Aufgebot steht, wollte sich mit öffentlichen Äußerungen zu diesem Thema zurückhalten. "Das war seine Entscheidung", meinte der Napoli-Angreifer.
Kein Ärger über Pacult
Abgesehen von den jüngsten Personaldiskussionen musste sich Constantini zuletzt auch noch scharfe Kritik von Peter Pacult ("Gurken-Länderspiel") gefallen lassen. Doch auch von diesem Thema zeigte er sich unbeeindruckt. "Seine Aussagen haben mich nicht geärgert, das gehört eben dazu." Der Nationaltrainer wollte kein zusätzliches Öl ins Feuer gießen. "Wenn nur gestritten wird, bringt das nichts. Deswegen halte ich mich zurück."
Constantini ist bemüht, das Hauptaugenmerk auf die Spanien-Partie zu lenken. "Die Spanier sind eine Weltklasse-Mannschaft, meiner Meinung nach mit Argentinien und Brasilien das beste Nationalteam. Wir werden schauen, dass wir dagegenhalten und so gut wie möglich abschneiden", beteuerte der 54-Jährige.
Stranzl: "Das Fass ist voll"
Martin Stranzl hatte am Mittwochabend seinen Rücktritt aus dem ÖFB-Team bekannt gegeben. "Ich bin zu dem Entschluss gekommen, meine Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden", erklärte der Verteidiger in einer schriftlichen Stellungnahme. Und weiter: "Auch wenn es mir schwer fällt, irgendwann ist das Fass voll. Der Rücktritt ist endgültig. Daran ändert sich auch bei einem anderen Teamchef nichts. Ich lasse mir nicht vorwerfen, für das Nationalteam nicht alles zu geben", so Stranzl in Richtung Constantini. Nur für die Fans findet der Burgenländer noch lobende Worte: "Ich habe immer mit Stolz und großer Leidenschaft für die Nationalmannschaft gespielt und möchte mich bei den Fans bedanken."








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