Di, 19. Juni 2018

Saurier und Brauereien

04.05.2018 08:00

Nordbayern: Unterwegs in Eichstätt und Bamberg

Die nordbayerischen Bischofssitze Eichstätt und Bamberg, berühmt durch ihre wunderbaren Altstädte und Kirchenbauten, haben noch viel mehr zu bieten - kulturell und kulinarisch!

Schlafen für Augenmenschen - unter diesem originellen Motto kürte eine Jury in Bayern 40 Sehenswürdigkeiten, in denen man auch übernachten kann, zu Sightsleeping-Hotels. Diese Burgen, Schlösser, Klöster, Land- und Weingüter, aber auch Dorf- und Brauereigasthäuser sind höchst verschieden, haben aber alle ein ganz besonderes Flair.

In der Bischofsstadt Eichstätt zum Beispiel, Hauptsitz der einzigen katholischen Universität im deutschen Sprachraum, haben die Benediktinerinnen das Marienhaus von St. Walburg gemäß der Regel ihres Ordensgründers „Im Kloster sollen Gäste nie fehlen“ zum Gästehaus mit großen, stilvoll eingerichteten Zimmern gemacht. An der Klosterpforte geben die stets heiteren, freundlichen Schwestern Schlüssel für Haus und Garten aus, sie bereiten auch ein reichhaltiges Frühstück sowie ausgezeichneten Kräuterlikör zu und führen Interessierte durch ihre Kirche und vor allem zum von Pilgern bis heute viel besuchten Grab der Heiligen Walburgis in der Krypta. „Walburga hat geholfen“ steht auf unzähligen Dankestäfelchen wundergläubiger Pilger an den Wänden - und angesichts der vielen geistlichen Bauten in der entzückenden Altstadt, der entspannten Atmosphäre in den zum Bummeln einladenden Gässchen, können auch weniger Gläubige einen spirituellen Kraftplatz spüren

SIGHTSLEEPING-FREUDEN ganz anderer Art bietet Schloss Burgellern bei Bamberg: Feudale Zimmer, einen riesigen Park mit Schwimmteich, fürstliches Biofrühstück und als kraftspendenden Ort die Schlossküche, in der Gäste das Bierbrauen für den Hausgebrauch sowie das Erdäpfelknödel-Rollen erlernen können. Die selbst gemachten Genüsse schmecken besser als in jedem Haubenrestaurant!

Eichstätt und Bamberg haben aber noch viel mehr als Sightsleeping-Stätten zu bieten, ausgiebige Sightseeingtouren dürfen nicht fehlen. In Eichstätt gehören außer Kirchenbauten, Jura-Häusern und Schlössern auch die Willibaldsburg mit ihrem Museum der Ur- und Frühgeschichte sowie der Steinbruch mit seinem weltberühmten Solnhofer Plattenkalk dazu. In diesem haben sich 150 Millionen Jahre alte Fossilien extrem gut erhalten. Noch immer werden dort Ichthyosaurier, Urvögel, bisher unbekannte Fischarten geborgen und in aufwändiger Kleinarbeit präpariert. Ein Exemplar des Archäopteryx, der die Lücke in der Entwicklung von den Reptilien zu den Vögeln schließt, ist zu sehen.

AUF DINO-JAGD können Interessierte aller Altersstufen von April bis Oktober auch selbst gehen. Die Platten sind kinderleicht zu spalten und extrem reich an Fossilien. Wer nach kurzer Erklärung vor Ort Hammer und Meißel ausborgt, hat beste Chancen, auf Ammoniten, Haarsterne und kleine Fische zu stoßen - sogar Saurier gibt es sicher noch zu entdecken. Und was man findet, darf man bis zu einer gewissen Größe auch mit nach Hause nehmen!

SOLNHOFER PLATTEN waren auch ausschlaggebend für die Entwicklung der Lithografie. Alois Senefelder entwickelte 1798 dieses Steindruck- und erste Flachdruckverfahren als „chemische Druckerey“, es brachte der Region Ruhm und Reichtum. Noch heute gibt es in Eichstätt eine Künstlerwerkstatt mit Lithopresse und Lithosteinen.

MUSIKFREUNDEN bietet wiederum Schloss Wernsdorf bei Bamberg ungewöhnliche Genüsse: Auf den Ruinen einer Wehrburg Karls des Großen aus dem Jahr 790 errichtet und vor einigen Jahren perfekt restauriert, beherbergt das Schloss eine einzigartige Sammlung von mehr als 220 spielbaren Musikinstrumenten aus Mittelalter und Renaissance. Die Musiker- und Instrumentenbauerfamilie Spindler mit ihrer Capella Antiqua Bambergensis erweckt sie in Führungen und Konzerten vor Ort mit authentischem Klang zum Leben.

DEN BOGEN IN DIE NEUZEIT schließt das nahe Levi-Strauss-Museum in Buttenheim. 1829 wurde dort Löb Strauß als eines von sieben Kindern eines Hausierers geboren. 1846 folgte seine verwitwete Mutter mit den drei jüngsten und zwei älteren Brüdern in die USA, später zog der zu Levi Strauss umbenannte Auswanderer nach San Francisco weiter und erwarb dort mit seinem Partner Jacob Davis 1873 ein Patent für vernietete Arbeitshosen, mit orangem Faden genäht. Die unverwüstliche Blue Jeans war geboren, ihr weltweiter Siegeszug hält bis heute an und wird im schön restaurierten Geburtshaus mit jeansblauem Fachwerk dokumentiert.

DIE KULINARIK darf bei so viel Kultur natürlich nicht zu kurz kommen - und zieht wahrscheinlich sogar mehr Besucher an als Klöster und Kirchen: 11 Brauerein im Stadtgebiet von Bamberg, etwa 60 in der Umgebung. Hopfenbräu, wohin man schaut, vom einzigartigen dunklen herbwürzigen Schlenkerla-Rauchbier bis zum kleinen Hellen im 0,1-Liter-Gläschen gibt es alle Varianten, die Bockbieranstiche sind Volksfeste, die zum Bier genossenen Würste, Schweinsbraten, Lammspezialitäten und Knödel deftige Gedichte. Wer partout keinen Gerstensaft mag, kann auch fränkischen Wein aus dem traditionellen Bocksbeutel genießen - und in manchen Lokalen gibt’s neuerdings sogar, ganz Bischofssitz-gemäß, Weihwasser-Spritz als Aperitif!

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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