Nur 1:1 für Bullen

Marc Janko nimmt alle Schuld auf sich

Fußball
16.07.2009 11:08
Großchancen auszulassen, ist man von ihm normalerweise nicht gewohnt. Nicht umsonst hatte Marc Janko in der vergangenen Bundesliga-Saison 39 Tore erzielt. Am Mittwoch fand der Salzburg-Stürmer zweimal die Gelegenheit vor, das Quali-Hinspiel zur Champions League gegen Bohemians Dublin (1:1) zu entscheiden - und scheiterte dabei jeweils am irischen Keeper Brian Murphy. Erst per Volley an die Latte, dann sogar per Elfmeter. Janko nahm nach dem Spiel alle Schuld für das matte Auftreten der Bullen auf sich. "Ich bin keine Maschine", betonte der 26-Jährige seine menschliche Seite. "Ich habe zweimal die Chance gehabt, habe sie aber nicht genutzt. Dadurch habe ich den Gegner wieder zum Leben erweckt."

Statt 2:0 stand es plötzlich nur 1:1, und die Salzburger müssen kommenden Mittwoch im Dalymount Park in Dublin zittern. "Es wird sehr, sehr schwer, aber noch ist nichts verloren. Der Aufstieg ist noch möglich", versicherte Janko.

Ein Aus würde das Ende aller Europacup-Träume bedeuten. Sollten sich die Bullen wie schon in den vergangenen drei Jahren nicht für die Gruppenphase eines europäischen Bewerbes qualifizieren, könnte Janko den Club noch bis 31. August in Richtung Ausland verlassen. Vorerst ist der Schützenkönig aber mit sich selbst beschäftigt - und mit einer Systemumstellung. Unter Neo-Trainer Huub Stevens muss er als Solospitze deutlich weitere Wege gehen.

Nur ein Treffer in der Vorbereitung
"Ich muss jetzt viel mehr arbeiten", hatte Janko erkannt. Darunter leidet auch seine Torausbeute, dessen ist sich der Teamstürmer bewusst. In der Vorbereitung hatte er lediglich ein einziges Mal getroffen, beim 8:0 gegen den Landesligisten SAK. Gegen Dublin war der 1,96-m-Mann lange Zeit in der Luft gehangen, ehe er in der zweiten Hälfte doch noch zu seinen Chancen kam. Warum er sie ausließ, vermochte auch sein Trainer nicht zu beantworten.

Alle Infos zum Spiel in der Infobox!

"Der Elfmeter ist nicht reingegangen, aber auch andere Chancen sind nicht reingegangen", sagte Stevens. Besonderen Druck mache er Janko nicht. Das geschehe vielmehr durch die Öffentlichkeit. Und womöglich durch ihn selbst, seinen Ehrgeiz und die hohen Ansprüche, die er an sich stellt. "Ich setze Marc nicht unter Druck, überhaupt nicht", versicherte Stevens. "Aber wir sind auch keine kleinen Kinder mehr. Mit so etwas müssen wir umgehen können."

Stevens: "Wir haben Fehler gemacht"
Auch Stevens zeigte sich nach dem Spiel zerknirscht: "Man muss klipp und klar sagen, dass wir Fehler gemacht haben." Der Niederländer wollte aber nicht alles schlecht reden, nannte zwei Hauptgründe für den Fehlstart: "Wenn man seine Chancen nicht verwertet, kann man kein Spiel gewinnen. Wenn man die Zweikämpfe im Mittelfeld nicht gewinnt, kann man auch kein Spiel gewinnen."

In die Zweikämpfe war seine Mannschaft jedoch gar nie richtig gekommen. Zu tief verteidigten die Salzburger in ihrer eigenen Hälfte, zu weit weg standen sie von ihren Gegenspielern. Pressing war keines zu sehen, die offensichtlichen Mängel der Bohemians in puncto Ballsicherheit blieben ungenutzt. Spielerisch ist der irische Meister limitiert, dennoch nimmt er einen klaren Vorteil mit ins Rückspiel kommenden Mittwoch im Dalymount Park in Dublin.

Bullen suchen nach Alternativen im Sturm
Für Stürmer Marc Janko war es nach 72 Minuten ausgestanden, Stevens brachte in der Schlussphase seinen niederländischen Landsmann Robin Nelisse. Die unglaubliche Torausbeute von 39 Toren in der Vorsaison beschert Janko zwar einen klaren Bonus, dennoch sehen sich die Bullen nach Alternativen um. Sollte noch ein Spieler verpflichtet werden, wäre es ein schneller Stürmer. Ex-Kapitän Alexander Zickler zählte gegen Dublin nicht zum Kader, Louis Ngwat-Mahop spielte rechts im Mittelfeld.

Vorerst wird Janko weiter das Vertrauen genießen, blickte bereits dem Ligastart am Sonntag gegen die Wiener Austria entgegen. "Ich befürchte, dass die Austria stärker sein wird als Dublin", gestand der Stürmerstar. "Wir können zu Hause aber nur an einen Sieg denken." Entscheidend sei es, die Konsequenz aus dem schwachen Auftakt zu ziehen. "Wichtig ist, dass sich jeder Einzelne in die Pflicht nimmt und an sich arbeitet", erklärte Janko. "Keiner darf sich aus der Verantwortung nehmen." Er selbst eingeschlossen.

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