04.12.2008 15:18 |

Interview mit Marc

Janko spricht über seine fußballerische Zukunft

Er ist nicht nur auf seine Tore zu reduzieren. Dabei hat Marc Janko davon in der laufenden Saison bereits genügend erzielt. Der Goalgetter von Red Bull Salzburg bleibt denoch bescheiden. Im Interview sprach der 25-jährige ÖFB-Teamstürmer über mentale Stärke, seinen in naher Zukunft angestrebten Wechsel ins Ausland und das Leben in der "Scheinwelt" Fußball.

In den vergangenen Wochen haben Sie mit Ihrer unglaublichen Trefferquote für Aufsehen gesorgt, jetzt auch noch der "Fußballer des Jahres". Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Janko: "Es ist eine Riesenehre für mich. Wenn man mir das vor einem Jahr gesagt hätte, da bin ich gerade kurz vor dem Comeback gestanden. Das ist eine unglaubliche Geschichte. Es ist eine große Ehre, dass die Bundesliga-Trainer der Meinung sind, dass ich diese Auszeichnung verdient habe. Es ist schön, dass das von Leuten kommt, die von diesem Geschäft richtig eine Ahnung haben, die Woche für Woche darin involviert sind. Diese Wertschätzung ehrt mich."

In einem Jahr wird wieder ein "Fußballer des Jahres" gewählt. Was wollen Sie dann von sich lesen? Wo wollen Sie stehen?
Janko: "Auf jeden Fall möchte ich gesundbleiben, das ist das Wichtigste. Aber die Verletzungsanfälligkeit, die immer wieder als Begründung auftaucht, warum ich es erst so spät geschafft habe, habe ich hinter mir gelassen. Das war ein Teil meines Weges, aber jetzt bin ich schon fast ein Jahr ohne längere Pause. Ich bin auch mental ganz gut aufgestellt, von Angst ist überhaupt keine Spur mehr."

Mentale Stärke ist für Stürmer besonders wichtig. Was geht im Kopf von jemandem vor, der in 20 Ligaspielen 29 Tore schießt? Denken Sie vor dem Tor überhaupt noch nach?
Janko: "Ich habe schon probiert, zu reflektieren, warum es im Moment so gut läuft. Aber richtige Rezepte habe ich nicht gefunden. Ich habe immer betont, dass ich irrsinnig von der Mannschaft profitiere, von dem System. Deswegen ist es mir auch unangenehm, wenn ich vom 'FC Janko' höre. Ich lebe von meinen Mitspielern, von Vorlagen, von Flanken. Es stört mich, wenn das untergeht. Ohne Mannschaft geht es nicht - speziell bei einem Stürmertypen wie mir."

Im neuen System fühlen Sie sich offensichtlich wohler als in der vergangenen Saison. Welchen Anteil hat Neo-Trainer Co Adriaanse an Ihrem Erfolg?
Janko: "Er hat mir auch nichts geschenkt. Als ich einmal eine Partie schlecht gespielt habe, bin ich gleich auf der Bank gesessen. Ich habe mir alles erarbeiten müssen. Ich habe ihm viel zu verdanken, aber ich gebe es ihm auch in Form von Toren zurück. Für mich als Strafraumstürmer ist es jetzt viel angenehmer, weil ich mit mehr Bällen versorgt werde."

Das verbliebene Ziel in Salzburg ist der Meistertitel. Ist das ein Grund, den Club im Winter sicher nicht zu verlassen?
Janko: "Ich möchte natürlich Meister werden. Was im Winter passiert, das kann ich nicht einschätzen. Ich habe Vertrag bis 2011. Wenn ein unglaublich gutes Angebot kommt, muss man aber darüber nachdenken, weil es für die Karriere und generell auch für Österreich wichtig ist, dass Spieler im Ausland Fuß fassen. Es ist nicht nur die sportliche Weiterbildung, man kann im Ausland auch als Persönlichkeit profitieren. Es ist ein Schritt, den ich in naher Zukunft wagen möchte und auch wagen werde."

Kolportiert wird Interesse aus fast allen großen Ligen. Ist die englische Premier League nach wie vor Ihre Wunschdestination?
Janko: "England ist nach wie vor mein Traum. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich Ligen wie Italien, Deutschland oder Spanien auch irrsinnig wertschätze. Man kann sich alle zehn Finger abschlecken, wenn man dort eine Rolle spielen darf. Im Endeffekt ist es kein Wunschkonzert."

Was sind die ausschlaggebenden Faktoren, sollten Sie sich für einen Wechsel entscheiden?
"Das Gesamtpaket muss passen, wann auch immer das ist - im Sommer oder im Winter darauf. Man darf sich dabei nicht nur vom Geld blenden lassen. Ich werde sicher nicht dorthin gehen, wo ich das meiste Geld verdiene. Für mich ist es auch sehr wichtig, dass ich mich wohlfühle, damit ich meine Leistung bringen kann. Das ist überall so. Wenn sich jemand an seinem Arbeitsplatz nicht wohlfühlt, kann es auch nicht funktionieren."

Zurück nach England. Was ist vom Spielstil her der größte Unterschied zu einer Liga wie der österreichischen?
Janko: "Das sind ganz klar die Athletik und das Tempo. Das ist eine andere Welt. Wenn jemand dorthin wechselt, braucht er auch Zeit, um sich einzugewöhnen. Diese Zeit muss man der jeweiligen Person geben, auch internationale Topspieler haben sie gebraucht. Auf Dauer setzt sich Qualität aber immer durch. Daher würde ich es mir zutrauen."

Ihr Marktwert und die internationale Aufmerksamkeit steigen mit jedem Tor und jeder Auszeichnung. Wie gehen Sie damit um?
Janko: "Ich bin mir bewusst, dass das alles nur eine Scheinwelt ist, die ich momentan erlebe. Natürlich genieße ich es, weil es der Lohn für meine harte Arbeit ist. Es freut mich, aber es ist eine Sache, die für das Leben generell nicht wichtig ist. Was wirklich wichtig ist, habe ich in den vergangenen Jahren gelernt. Deswegen lasse ich mich von so etwas nicht blenden. Ich weiß, wie schnell es wieder in die andere Richtung gehen kann."

Inwiefern hilft Ihnen der Lernprozess durch Ihre Verletzungen,mit Druck umzugehen? Mittlerweile ist die Erwartungshaltung, was die Anzahl Ihrer Tore betrifft, sehr hoch.
Janko: "Man nimmt es sich nicht mehr so zu Herzen, wenn man einmal zwei Spiele nicht trifft. Man verliert nicht so leicht die Nerven. Wenn man auf Dauer konstant gute Leistungen bringt, dann wird auch die eigene Messlatte höher. Das erzeugt bei mir aber positiven Druck. Mir ist es lieber, die Leute erwarten von mir drei Tore als sie fragen sich, wozu der überhaupt spielt."

Auf den Torrekord von Hans Krankl (41 Saisontore) fehlen Ihnen nur noch zwölf Treffer. Wie stehen die Chancen?
Janko: Zwölf Tore muss man auch erst einmal machen. Das ist eine Marke, die andere nicht einmal in einer Saison erreichen. Es fehlt also schon noch einiges. Durch meinen Lauf scheint es möglich, aber es müsste alles zusammenpassen. Viel wichtiger ist mir sowieso, dass die Mannschaft Erfolg hat."

Wie gut stünde Ihnen ein "Goldener Schuh"?
Janko: "Für einen österreichischen Spieler wäre das eine große Geschichte. Es passiert nicht jedes Jahr, dass jemand die Chance hat, diese für Stürmer höchste Auszeichnung zu bekommen. Ich bin momentan auf einem guten Weg, aber viele andere Ligen haben viel weniger Runden absolviert. Ich habe sicher nur eine Chance, wenn ich an die Bestmarke von Hans Krankl herankomme. Der Faktor (1,5 gegenüber 2 in den Topligen/Anm.) spielt auch eine Rolle. Angeblich ist es ja in Österreich leichter, Tore zu schießen."

Ist das nicht so?
Janko: "Ich habe noch nie im Ausland gespielt, aber natürlich ist es ein Unterschied, ob ich im Schnabelholz spiele oder im Camp Nou. Auch von der Qualität der Verteidiger gibt es einen Unterschied, sonst würde es diese Leute nicht geben, die so viel Geld verdienen. Die stehen aber zurecht dort, wo sie stehen."

Könnten Sie es sich vorstellen, dass ein Stürmer, der den "Goldenen Schuh" gewinnt, in Österreich bleibt?
Janko: "Ich kann mir sehr viel vorstellen. Mein Vorstellungsvermögen ist nahezu unbegrenzt."

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