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04.12.2016 - 10:37
Die fast mystische Gletscherlagune Jökulsárlón
Foto: Fotolia

Feuer, Eis & die Flosse des Blauwals

12.10.2015, 09:17
Island allein ist schon imposant. Wer es auf neue und einmalige Art erleben will, tauscht Bus oder Mietwagen gegen ein Schiff. Eine neue Kreuzfahrt umrundet die Insel im Nordatlantik, zeigt alles und bietet noch mehr.

Ruhig und majestätisch gleiten sie knapp unter der Wasseroberfläche dahin. Nur ihre Rückenflossen lassen die beiden Wale sehen und manchmal auch eine bis zu zehn Meter hohe Fontäne, wenn sie Luft aus der Lunge ausstoßen. Verbunden ist dies mit einem ganz typischen  leicht röchelnden Geräusch. Es müssen Blauwale sein, stellt Mike, der Naturfotograf, mit fachmännischem Blick von Bord des Kreuzfahrtschiffes "Ocean Diamond" fest. Die Wasserfontäne ist für ihn abgesehen von der Flosse wichtigstes Erkennungsmerkmal. Jede Walart bildet eigene Muster: mit Abstufungen zwischen Springbrunnen und defektem  Gartenschlauch - Meeresbiologen mögen den ungebührlichen Vergleich verzeihen. Und Mikes Begeisterung ist verständlich: Blauwale lassen sich selten sehen.

Meldungen von der Brücke

Von der Brücke des Schiffes kommen in den folgenden Stunden immer wieder Meldungen: "Wale an Backbord, an Steuerbord, auf 11 Uhr". Dabei ist nicht die Zeit, sondern die Richtung auf der Kompassrose gemeint. Die Blauwale verabschieden sich dann gemeinsam, zeigen kurz ihre mächtigen Schwanzflossen, ehe sie in bis zu 1000 Meter Tiefe abtauchen.

Wir sind an der Nordküste Islands, an Bord des ersten und einzigen Kreuzfahrtschiffes der gar nicht so kleinen Insel im Nordatlantik. Island mit der "Ocean Diamond" zu bereisen zählt zu den feinsten Dingen, die man sich vorstellen kann. Um das Gleiche mit Bus oder Mietauto zu unternehmen, sind wohl drei Wochen nötig und 3000 anstrengende Kilometer, teils auf Naturstraßen. Die "Ocean Diamond" dagegen legt nach entspannter Fahrt in neun auch kleineren Häfen an. Von dort werden zahlreiche Ausflüge angeboten. Und der weltberühmte Geysir rangiert als Ziel auf einer fiktiven Hitliste sogar eher nur im Mittelfeld. Das einmalige Kreuzfahrt- Feeling gibt es zusätzlich.

Doch zurück an die Küste Islands. Kaum weniger interessant als die Walbeobachtung ist ein Besuch auf der Insel Flatey, wo mit schnellen Zodiac- Booten gelandet wird. Das Eiland war noch bis 1968 bewohnt.

Erholung vom Stress

Heute urlauben dort Stressgeplagte, die es wirklich , aber wirklich einsam haben wollen, in Ferienwohnungen. Und teilen die Insel mit dem Piepsen, Quietschen, Singen oder Kreischen Hunderttausender Vögel. Doch Vorsicht ist geboten. Vor allem Küstenseeschwalben greifen mit scharfen Schnäbeln alle an, die sich ihren Brutplätzen nähern. Tipp für die Besucher: Hände heben, denn die Tiere attackieren stets nur die höchste Stelle eines "Feindes". Der Kopf bleibt somit verschont.

An Bord der "Ocean Diamond" sind es fast nur Isländer, die die Schönheiten ihres Land vermitteln, einige davon mit für Reiseführer ungewöhnlicher Vita: Expeditionsleiter ist Örvar Mar, der einst in Wien an der Staatsoper sang. Kollegin Arndis Halla war neun Jahre die Stimme der Pferde- Show "Apassionata" und sang in der Berliner Oper die Königin der Nacht, ehe sie in die Heimat zurückkehrte. Um hier auf dem Schiff abends mit stimmungsvollen isländischen Liedern zu unterhalten und tagsüber mit ihrem Fachwissen viel über Island preiszugeben.

Über ein Land der Extreme, das im Feuer brodelnder Vulkane entstanden ist und das vom Eis der Gletscher geformt wurde. Es gibt alle nur denkbaren Landschaftsarten, von lieblichen Wiesen über schroffe Geröllfelder der Lava- Wüste bis zu - noch im Juni - verschneite Berge an engen Fjorden. Es gibt auch heute noch Stellen, an denen die Erde brodelt.

Elfen und Trolle

Und es existieren Elfen und Trolle und das "Huldufolk", das verborgene Volk, sagt Arndis Halla mit vollstem Ernst. Mit ihrem Glauben an das Übernatürliche ist sie in Island nicht allein.Arndis Halla: "Feen sind ständig unter uns. Sie helfen mir persönlich beim Komponieren. Sie leben in einer Parallelwelt, wo wir sie nicht sehen. Etwas, das für uns wie ein Felsen aussieht, mag für Feen ein Haus sein." Deshalb wird, man glaubt es kaum, in Island auf diese "verborgene Welt"  Rücksicht genommen. Das Straßenbauamt befragt vor Projekt- Planungen so genannte "Feen- Beauftragte". An zwei Stellen hat man tatsächlich die Straßenführung geändert, weil dies  empfohlen worden ist. Man will die Feen ja nicht verstimmen . . .

Imposante Wasserfälle

Geradezu merkwürdig mutet dieser Glaube ans Übernatürliche an, weil Island ja ein hoch technisiertes Land ist. Und ein einmalig schönes obendrein. Denn was die Rundfahrt mit der "Ocean Diamond" dem Besucher zu bieten hat, ist kaum aufzuzählen: die mit ihren Bergen hochdramatischen Westfjorde, eine selbst für Island sehr einsame Gegend. Dann gleitet das Schiff vorbei an bis zu 500 Meter hohen Felsgiganten, auf denen Vogelkolonien brüten. Imposante und tosende Wasserfälle gibt es in großer Zahl. Und Gletscher reichen bis ans Meer. Bei der fast mystischen Gletscherlagune Jökulsárlón etwa.

Hier hat sich am Fuß der Gletscherzunge ein See gebildet, wo Eisberge dem Meer zutreiben. Manche werden wieder auf den schwarzen Strand zurückgeworfen und bilden einen bizarren Kontrast. Wer will, kann von dem 1000 Jahre alten Wasser kosten - dem saubersten der Welt.  Es schmeckt - wie könnte es anders sein - nach Wasser, und nach sonst nichts.

12.10.2015, 09:17
Peter Grotter, Kronen Zeitung
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